EINEINHALB BVG-METER

Weil, grade auch im Berufsverkehr, die Eineinhalbmeter-Coronaabstandsregel immer wieder missachtet wird, hat die BVG zur Orientierung, worum es sich bei Eineinhalbmetern handelt auf die U-Bahnsteige unübersehbare große gelbe Kreise, geklebt, auf denen sich neben dem Hinweis auf die Abstandsregel die Aufschrift ‚Fünf Kästen Bier sind 1,5 Meter’ befindet. Dazu, zur Veranschaulichung, ein stilisierter liegender Turm aus fünf Getränkekisten.

Ist man kein habitueller Biertrinker, geht man, um in Zukunft bei der Nutzung der BVG keinen Fehler zu begehen wie folgt vor:

Man ordert bei einem Getränkeservice fünf Kästen Bier. Wenn man nach zwei bis drei Tagen seinen Rausch ausgeschlafen hat – auch für gewohnheitsmäßige Biertrinker sind sechzig Flaschen keine Kleinigkeit – entfernt man, wenn sie nicht ohnehin in der Wohnung verstreut liegen, die leeren Flaschen aus den Bierkästen, die man sodann sauber zu einem Turm übereinander stapelt. Nun legt man den Turm vorsichtig auf die Seite. (Achtung: Das gelingt selten schon beim ersten Mal.) Liegt der Turm gerade und mit korrekt ineinandergeschobenen Kästen, lehnt man gegen die eine Schmalseite einen Besen und zwar so, dass der Besenstiel absolut senkrecht steht. Schon eine geringe Schieflage verfälscht das Ergebnis.

Sich selbst stellt man dem Besenstiel aufrecht gegenüber und achtet darauf, wegen möglichen Restalkohols, nicht zu schwanken. Fixiert man nun den Besenstil, hat man eine sehr genaue Vorstellung von Eineinhalb BVG-Metern.

Man trinkt dann zwar für lange Zeit kein Bier mehr, nutzt die U-Bahn nur noch Sonntags früh oder kurz vor Betriebsschluss, wenn die Eineinhalbmeter- Abstandsregel zu anderen Fahrästen eingehalten werden kann, gratuliert der BVG aber unbedingt zu dieser gelungenen Abstandsregelwerbung.

UdM

MÜLL

Auf dem Mittelstreifen-Fußgängerübergang Kant-/Ecke Bleibtreustraße liegt seit geraumer Zeit ein Türblatt. Ein zerschrammtes, großes Berliner Altbautürblatt, das dort eindeutig nicht hingehört. Nun ist die Kantstraße nicht irgendeine verborgene vermüllte Berliner Ecke, wo sich Ordnungskräfte selten hinverirren, sondern an diesem Türblatt, das inzwischen mit Graffiti verziert ist, und an dem Hunde Informationen austauschen, fahren in etwa Halbstundenabständen Polizeifahrzeuge vorbei, etwas seltener, aber doch häufig genug Fahrzeuge des Ordnungsamtes, kurz: Es handelt sich um eine der Hauptverkehrsstraßen der Hauptstadt. Auch wenn die Polizei-und Ordnungsamtsfahrzeuglenker gehalten sind, geradeaus zu sehen, kann ihnen das gegen die Mittelstreifenumzäunung gelehnte Türblatt nicht entgangen sein, denn an dieser Kreuzung wird der Verkehr durch eine Ampel geregelt. Polizei und Ordnungsamt sind also gezwungen dort zuweilen zu halten, was die Möglichkeit einschließt, nach rechts und links aus dem Fenster zu sehen. Für das Entfernen von auf Fußgängerüberwegen an Hauptverkehrsstraßen abgelegte Türblätter sind also offenbar weder Polizei noch Ordnungsamt zuständig.

Ganz anders ist es da zum Beispiel in Essen. Da sieht die Polizei nicht nur aus ihren Autos zum Erspähen von Unzulässigem, auch von Müll hinaus, sie sieht auch in andere Autos hinein. Und dabei fiel ihr ein nebenher fahrendes, bis in den Fußraum des Fahrers vermülltes Auto auf. Das missfiel den Ordnungshütern so sehr, dass sie eine ‚Aufräumfrist’ setzten.

Vielleicht hat ja die Berliner Polizei oder das Ordnungsamt am Fußübergang Kant-/Ecke Bleibtreustraße wem auch immer auch eine Aufräumfrist gesetzt. Nur dauert es dann wohl, wie häufig in Berlin, mit der Umsetzung etwas länger. Abwarten.

Den Hunden übrigens gefällt’s.

UdM

LETZTE WAHRHEITEN

Der härteste Knüppel war am Ende nicht immer das intelligenteste Schwert.

Annalena Baerbock

Außenministerin

Die dickste Harpune fängt am Ende nicht immer die leckerste Sprotte.

Manne Sievers

Fischfachverkäufer

UdM

BILDERRÄTSEL

„Der härteste Knüppel ist nicht immer das intelligenteste Schwert!“

Sagt die deutsche Außenministerin zu den möglichen Reaktionen von NATO und EU auf eine militärische Aktion Russlands an der ukrainischen Grenze.

Verstanden, Putin?

H.R.

DAS THEATER IN ZEITEN DER CORONA

Bis auf den letzten Platz mit Maskenträgern besetztes BE: Brecht/Weills Dreigroschenoper in der Inszenierung von Berry Cosky. Die Vorstellung hätte schon beginnen müssen, hat sie aber nicht. Eine junge Frau tritt vor den Vorhang, gehört aber nicht zur Inszenierung, sondern verkündet eine zehnminütige Verzögerung, Erklärung werde nachgereicht. Nach geraumer Zeit Auftritt im Parkett: Eine Frau in Grün, ebenfalls nicht zur Inszenierung gehörend, Claudia Roth, die neue Kulturstaatsministerin. Aha: Darum also die Verzögerung. Irrtum. Auftritt Intendant Reese gemeinsam mit dem Dirigenten, auch sie nicht Teil der Inszenierung aber mit der Begründung für den verspäteten Beginn: Der Orchestertrommler hat Corona, ein Ersatz musste gefunden werden, und er ist auch schon da. Vorstellung des Ersatztrommlers, erleichterter Applaus.

Nun sollte es eigentlich losgehen, aber der Intendant beginnt zu plaudern. Die schwierige Situation der Theater, der Kunst überhaupt, Dank an die neue Ministerin für ihren Einsatz gerade auch für die Theater, weshalb man vollbesetzt spielen dürfe, zudem werde die Raumluft pro Stunde dank ausgefeilter Technik dreimal komplett erneuert – warum findet der Mann bei zugegebener Entertainerqualität kein Ende? Wir wollen endlich die Dreigroschenoper sehen! Und da! Zwar kein Reitender Bote, wie später im Stück, aber die junge Frau von ziemlich vorhin mit: Dem Schnelltestergebnis für den Ersatztrommler! Das wurde, Ordnung muss sein, abgewartet. Er ist negativ. Starker Applaus. Saallicht aus, Ouvertüre mit coronafreiem Trommler.

UdM

DESINFORMATION

Auf der Internetseite der Bild-Zeitung findet sich heute folgende Schlagzeile:

„UNGEIMPFT, ARBEITSLOS! Heime und Kliniken verlieren wegen der Impflicht Personal.“

Im Corona-Blog des Rundfunks Berlin-Brandenburg steht eine Geschichte zum selben Thema: „Stellengesuche ungeimpfter Pflegekräfte führen ins Leere.“

Andreas Rausch, Redakteur im Studio Cottbus des rbb, ist 126 aktuellen Stellengesuchen im „Bautzener Kurier“ nachgegangen. Alle kommen aus dem Bereich Gesundheit, „von der Krankenschwester über den Altenpfleger bis zur Physiotherapeutin.“ Sie suchen eine neue Stelle, weil sie umgeimpft sind und das auch bleiben wollen.

Andreas Rausch ruft in den Anzeigen angegebene Telefonnummern an. Er erreicht niemanden. Zum Teil sind die Nummern nicht vergeben, zum Teil unvollständig oder Phantasienummern wie 0160-1234567890. „Ich dachte, das ist ja krass…“.

H.R.

ÜBERGRIFFE

Dem „Spiegel“ wurde zum wiederholten Mal die Veröffentlichung von Teilen eines Textes gerichtlich verboten. Es ging um den Vorwurf von sexuellen Übergriffen bis hin zur Vergewaltigung. Der Beschuldigte ist ein Mann, die anonymen Zeugen sind Frauen. Recherchiert und geschrieben wurde der Artikel von Journalistinnen.

„Kernpunkte des Artikels“, so der Anwalt des Beschuldigten, sind nun untersagt. Öffentliche Reaktionen: Keine.

Ich stelle mir vor, die Beschuldigte wäre eine Frau, das Opfer ein Mann, die anonymen Zeugen Männer, die Verfasser des Artikels Journalisten.

H.R.

KONFLIKTJOURNALISMUS

Auch öffentlich-rechtliche Qualitätsmedien sind nicht davor gefeit. Wo sich aus einer Meinungsäußerung ein Konflikt konstruieren lässt, wird daraus schnell eine Nachricht. Wenn sich also eine Bundestagsabgeordnete der FDP dahingehend zitieren läßt, es könne über die Frage der Waffenlieferungen an die Ukraine diskutiert werden, wird daraus „Uneinigkeit in der Regierung“.

Dabei ist die Sachlage eindeutig: Bundesaußenministerin und Bundeskanzler haben erklärt, dass es keine deutsche Waffenlieferungen an die Ukraine geben wird. Thema beendet. Aber das ist natürlich keine Meldung.

H.R.

DINA UND DIE PFUNDE

Gestern war es soweit, Dina wurde gewogen. Zu Hause ist das bei einer Hündin mit einem Gewicht zwischen 22 und 25 Kilo kaum zu bewältigen. Also fuhren wir zur Tierärztin, um festzustellen, ob das neue Futter eine Gewichtsreduzierung bewirkt hatte.

Im Vorfeld gab es mehrfach Diskussionen darüber. „Ich sehe ganz klar wieder ihre Flanken!“ – „Bei dem dichten Fell geht das garnicht!“ – „Ich kann das fühlen!“ – „Lass uns mal abwarten, was die Waage sagt!“ „Wir könnten ja wetten. Sie hat mindestens ein Kilo abgenommen!“ – „Ich wette nicht. Ich warte ab, was auf der Waage steht.“ – „Wieso willst Du nicht wetten?“ – „Hm.“

Dina hat abgenommen, fast ein ganzes Kilo. Alle sind zufrieden. Außer Dina, die wissen möchte, wann es wieder Leckerlis beim Spaziergang gibt und gelegentlich einen Schinkenrest nach dem Frühstück.

Wird es jemals wieder sein wie früher? Wer weiß das in diesen Zeiten schon!

H.R.

ORDUNGSSINN

Es muss an meiner Mutter liegen. Zu ihren vielen Spruchweisheiten gehörte: „Liebe Ordnung, übe sie, Ordnung spart Dir Zeit und Müh.“ Und: „Ordnung ist das halbe Leben!“ Ich habe das verinnerlicht.

Die Monate nach Silvester sind deswegen in Berlin für mich eine besondere Herausforderung. Überall liegen entsorgte Tannenbäume auf der Straße, neben den Überresten der Jahresendfeierlichkeiten und den nicht abgeholten Blätterbergen. Außerdem der normale Müll: Pappbecher, Tüten, alte Gesichtsmasken, kaputte Flaschen. Was sich so fallen lassen läßt. Hier und da steht ein einsamer Einkaufswagen neben einer alten Matratze.

Ich packe es einfach nicht, darüber hinwegzusehen. Aber irgendwie heißt es immer, gehöre das zu Berlin. In einem Interview des „Tagesspiegel“ sagte die neue Regierende Bürgermeisterin dazu: „Ich habe noch keinen getroffen, der es hip findet, wenn der Müll auf der Straße herumliegt!“

Sollte ich sie irgendwann treffen, frage ich sie nach den Spruchweisheiten ihrer Mutter.

H.R.