DIE UMFRAGE – AUSSAGE

Die sogenannte Mitte-Studie alarmiert zur Zeit die Medien, zumal sie den ‚Verlust der Mitte’ im Titel gleich mitliefert. Leider erfährt das aufzurüttelnde Publikum nicht immer die jeweilige Fragestellung, die zum besorgniserregenden Ergebnis geführt hat. Es handelt sich bei der Mitte-Studie offenbar auch nicht um eine Umfrage sondern um vorformulierte Aussagen, die bestätigt oder abgelehnt werden können. Die SZ vom heutigen Freitag führt als Beispiel an – Zitat: ‚Auch setzen mehr als ein Drittel (der Angesprochenen) die Verbrechen des Nationalsozialismus mit Handlungen des Staates Israel gleich und stimmen der Aussage zu, was Israel mit den Palästinensern mache, sei – Zitat Studie ’’auch nichts anderes als das, was die Nazis im Dritten Reich mit den Juden gemacht haben’’ – Zitatende Studie und SZ.

Ganz abgesehen davon, dass die Vernichtung der Juden in der Nazizeit durch Deutsche jeden Vergleich von vorneherein verbietet, wäre die Aussage, sollte sie denn tatsächlich so zur Beurteilung gestellt worden sein, in ihrer fahrlässigen Undifferenziertheit empörend und rassistisch. Sie zielte bewusst auf Ressentiments nicht nur gegen den Staat Israel sondern gegen Juden im Allgemeinen. Sie zwänge  Menschen, die möglicherweise berechtigte Vorbehalte gegenüber der aktuellen Politik Israels haben zur Relativierung der Jahrhundertverbrechen von Auschwitz.

Auch so kann man Werbung für den Rechtspopulismus machen.

 

UdM 26.04.19

 

FALSCH GEDÜBELT

Nun also ein paar vielleicht brennbare Baumarktdübel, die erneut die Eröffnung unseres schönen Hauptstadt-Flughafens zu verzögern drohen.

Kann man denn nicht einfach auf der Anfahrt zum Flughafen, wie an jedem Fahrstuhl üblich, ein gut sichtbares Schild anbringen?

IM BRANDFALL NICHT BENUTZEN

UdM

DIE ARZTSUCHE

Grundsätzlich empfiehlt es sich, am Wochenende keine behandlungsbedürftige Krankheit zu entwickeln. Es empfiehlt sich eigentlich überhaupt nicht, krank zu werden. Aber hin und wieder kommt es vor. In Berlin läßt sich im äußersten Fall die Notaufnahme eines der zahlreichen Krankenhäuser aufsuchen. Auf dem Land ist das eine ganz andere Sache.

Der Lokalzeitung lassen sich zwar die Telefonnummern der Bereitschaftsdienste entnehmen, aber in den seltensten Fällen sind die Praxen im nächst größeren Ort. Manchmal sind sie 50, 60 oder mehr Kilometer entfernt. Manchmal sind sie auch nur wenige Stunden geöffnet.

Die Krankenhäuser in unserer Region im Norden sind spezialisiert auf bestimmte Bereiche. Schon eine Diphterieauffrischung nach einem kleinen Unfall bei der Gartenarbeit oder beim Fahrradfahren, kann nicht überall vorgenommen werden.

Besonders problematisch ist die Suche nach einem Facharzt, z.B. – wie kürzlich geschehen – einem Augenarzt. Da resignierte nach einigem Hin und Her auch die nette Dame in der Leitstelle und riet: „Fahren Sie doch besser gleich nach Berlin. Ist auch nicht viel weiter!“

H.R.

DAS SUPPENHUHN

Heute wollte ich in der kleinen Stadt in der Nähe ein Suppenhuhn kaufen. Ich fuhr zu dem Metzger, der sein Fleisch aus biologisch-ökologisch korrekter Haltung bezieht. Geflügel – Fehlanzeige. Die Frage, ob vielleicht ein anderer Metzger im Ort Geflügel im Angebot habe. Schulterzucken. „Da werden Sie kein Glück haben. Da müssen sie schon ins Kaufland!“ Ich war schon fast aus der Tür, da ruft die sympathische Metzgerin mir nach: „Versuchen Sie es doch beim Nachbarn im Dorf, der kann Ihnen eins schlachten!“

H.R.

VOM LEBEN AUF DEM LANDE

Liebe Leserinnen und Leser,

seit geraumer Zeit schreiben Autorinnen und Autoren Romane und Sachbücher über das Leben in ländlichen Gegenden Deutschlands. Sie veröffentlichen Bildbände über Flora, Fauna, Baukunst und Menschenschlag. An den Zeitungsständen finden sich diverse Zeitschriften, mit denen die ländlichen Idyllen erst richtig schön werden.

Diesem Trend will sich „Hund und Welt“ nicht verweigern, zumal – wie unsere Follower wissen – die Autoren des Blogs schon seit längerem auch im Norden Brandenburgs heimisch sind. Ihre Hunde Emma und Mika stammen z.B. von einem Bauernhof in der Uckermark. Dina kommt aus dem Havelland.

Demnächst also hin und wieder kleine Beobachtungen auch aus der Wirklichkeit des (flachen) Landes.

H.R.

AKKs GLASHAUS

Die CDU-Vorsitzende möchte aus Kostengründen den EU-Parlamentssitz Straßburg abschaffen.

Das Pendeln der Staatsbeamten zwischen Berlin und den in Bonn verbliebenen sechs Bundesministerien kostete bereits 2017 7,9 Millionen Euro, Tendenz steigend.

UdM  25.03.2019

SIE HABEN EINEN TERMIN

Das mein Auto weiss, wann es einen Termin in der Werkstatt hat. Dass die Autowerkstatt weiss, wann das Auto beim TÜV vorbeikommen sollte. Dass die Werkstatt mich daran erinnert, dass ich einen Termin machen soll, gemacht habe und mich dann daran erinnert, wann er einzuhalten ist. Daran habe ich mich schon vor Jahren gewöhnt.
Dass mein Friseur mir seit zwei Jahren eine Terminerinnerung am Tag vor einem Termin per SMS schickt, finde ich überflüssig. Aber vielleicht vergessen zu viele Kunden ihren Termin.
Letzte Woche rief ich am Montag bei meinem Hausarzt an, um einen Termin für Donnerstag zu machen. Am Dienstag bekam ich eine Bestätigung, dass ich für Donnerstag einen Termin gemacht hätte. Und am Mittwoch wurde ich an meinen Termin am Donnerstag erinnert. Vielleicht habe ich eine Altersgrenze überschritten, ab der meinem Gedächtnis nicht mehr zu trauen ist.
Der bisherige Höhepunkt waren drei Mails innerhalb von 5 Minuten, mit denen ein wöchentlicher Standardtermin beim Physiotherapeuten zuerst verschoben, dann abgesagt und schließlich wieder bestätigt wurde. Der Termin ist erst in sechs Tagen. Bis dahin kann noch viel geschehen. Vielleicht sage ich ab.
H.R.

ELEGANTES

 

Dass, wie man übers Wochenende hörte, AKK Macrons alte Hüte nicht aufbürsten möchte ist einerseits verständlich, andererseits betrüblich, denn auch alte Hüte können elegant sein, besonders französische.

Ein historisch älteres Schießgerät ist der Bogen mit dazugehörigen Pfeilen. Auch Pfeil und Bogen können sehr elegant genutzt werden. Man denke nur an Robin Hood.

Mit Pfeil und Bogen soll nun, wie ebenfalls am Wochenende bekannt wurde, der Wildschweinplage in besseren Berliner Vorortlagen begegnet werden. Das wirft Fragen auf. Sind städtische Förster und Jäger Personalsparmaßnahmen zum Opfer gefallen? Wenn nicht: Mangelt es an Munition? Sind Flinten und Büchsen in ähnlich beklagenswertem Zustand wie Bundeswehrmaterial, also nur bedingt einsatzfähig? Will man, sollte es noch städtische Förster und Jäger mit einsatzfähigen Waffen und passender Munition geben, den Vorortbewohnern lautes Knallen ersparen? Wenn dem so ist, also dem vulgären Büchsenschuss das elegante Zischen des Pfeils vorgezogen wird, beherrschen unsere städtischen Jäger Pfeil und Bogen so geübt, dass sie damit Wildschweine erlegen können? Wenn nicht, werden geübte Fremdkräfte von Mittelaltertraditionsvereinen hinzugezogen? Wenn ja: Werden sie auf eine Weise entlohnt, die der strengen Prüfung von Steuerbeamten standhält? Darf sich vielleicht jeder, der aus Kindertagen noch Pfeil und Bogen in einer Kellerecke aufbewahrt hat, auf die Jagd begeben? Wem gehört dann das erlegte Wildschwein? Dem Amateurjäger oder dem Staat?

Wir bitten, ähnlich der immer noch ausstehenden Durchführungsrichtlinie zum Hundegesetz, um Einzelheiten zur Handhabung von Pfeil und Bogen bei der Berliner Wildschweinjagd.

 

UdM  11.03.19

 

DISKRIMINIERUNGS VERHINDERUNG

Um die Diskriminierung von Menschen mit Doppelnamen zu beenden, werden künftig Doppelnamen für Alle vorgeschrieben. Aus Praktikabilitätsgründen (Formulare) werden die Namen sodann auf die Anfangsbuchstaben verkürzt. Muster: AKK.
H.R.

ROSENMONTAGSGEDANKEN

Keinem politisch Interessierten kann die Schockwelle entgangen sein, die Annegret Kramp-Karrenbauer mit ihrer närrisch gemeinten Einlassung zu WCs für das Dritte Geschlecht ausgelöst hat. Wo sie nur schwappt, die Welle, gibt es mahnende Worte, zukünftig verbale Geschmacklosigkeit dieser Art zu unterlassen, wo sie sich als Monsterwelle an den Gestaden der Political Correctness bricht, ist AKK durch ihre Sottise nun nicht mehr kanzerlinnenfähig.

Eine Betrachtungsvariante, die vermutlich einen Tsunami der Empörung auslösen würde, findet sich heute in der Süddeutschen Zeitung, wäre sie nicht in der linken unteren Ecke der Seite 5 versteckt. Dort stellt ein Schreiber oder eine Schreiberin die Frage ‚Wieso nur kann man auf all dies nicht verzichten?’ Auch nach mehrmaligem aufmerksamen Lesen des Artikelchens ist unzweideutig gemeint, warum nicht Karneval, Fasching und Fastnacht mit den Blödeleien und dünnen Witzen gänzlich  abschaffen, um Spaßbeiträge, wie die der CDU-Chefin, gar nicht erst möglich zu machen.

Ganz abgesehen davon, dass ein solcher Gedanke nur einem norddeutschen Hirn entsprungen sein kann, entbehrt er auch einer gewissen Logik. Würde man ernsthaft so argumentieren, müsste man die Sonne abschaffen, um Sonnenbrände zu vermeiden, die Demokratie, damit niemand mehr AfD wählen kann oder LKWs verbieten, damit bei deren Abbiegen keine Radfahrer mehr totgefahren werden.

Gerade letzteres wäre besonders unsinnig, weil es für Menschen, die sich gerne Trucker nennen und ihre Fahrzeuge liebevoll Brummis durchaus Möglichkeiten gibt, Radfahrer am Leben zu lassen. Am einfachsten ist ein Blick in die bei Brummis sehr aufwändigen Rückspiegel. Da dies offensichtlich zuweilen unterbleibt, hat Erfindergeist den LKW-Herstellern den Abbiegewarnassistenten geschenkt, der, sollte der Trucker aus welchen Gründen auch immer, den Blick in den Spiegel unterlassen einen Warnton abgibt, der spätestens dann zur lebensrettenden Vollbremsung führt.

Der Assistent ist also eine großartige Sache. Im Vergleich zum üblicherweise sechsstelligen Kaufpreis eines Brummis, ist die Anschaffung eines Warnassistenten nicht nur segensreich sondern durchaus zumutbar. Er sollte eine Selbstverständlichkeit in jedem LKW sein, ist es aber keineswegs. Betreiber von LKW-Flotten, früher schlicht Spediteure, heute Logistiker sind da nämlich ganz anderer Meinung. Für deren Mehrzahl ist ein plattgewalzter Radfahrer hin und wieder verschmerzbarer als die Zusatzausgabe, um es karnevalistisch überspitzt auszudrücken.

Hier nun wäre es eigentlich am Gesetzgeber vorzuschreiben was lebensrettend ist.

Dem mündigen deutschen Verkehrsteilnehmer etwas vorzuschreiben, ist allerdings ebenso abwegig, wie die Abschaffung des Karnevals. Immerhin hat sich Autominister Scheuer aber neben der Abschaffung lästiger Luftreinhaltungswerte – kein Karnevalsscherz – hier etwas Lustiges zur Karnevalszeit ausgedacht: Mit ein paar Millionen Steuergelder bezuschusst er der notleidenden Logistikbranche die Anschaffung der Assistenten. Der Topf war nach wenigen Tagen ausgeschöpft. Die Logistiker fordern entschieden weitere Millionen.

Wie wäre es zum Karneval damit: Ein Spediteur ist ein Mensch, dem das Leben von Radfahrern am Herzen liegt, solange es ihn nichts kostet. Ein Autominister ist ein Mensch, der dafür sorgt, dass es so bleibt. Auch nicht witzig? Na dann: Tätää!Tätää! Tätää!

UdM  04.03.19