BOULEVARD DER DÄMMERUNG

Es gibt Fernsehsendungen, die man sich trotz der Moderatorinnen anschaut. „Maybrit Illner“ zum Beispiel und „Anne Will“. Diese Art, gesellschaftspolitische Themen zu diskutieren, ist so aus der Zeit gefallen, dass es einen wundert, weshalb in den Sendeanstalten nicht längst über Alternativen nachgedacht wird. Die besserwisserisch-ironische Fragehaltung, die durchschaubaren Versuche, Schlagzeilen und Klicks statt Erkenntnisgewinn zu produzieren, wirken zunehmend peinlich.

Sich auf Argumente einzulassen, gehört ebenfalls nicht zu den Stärken. Gnadenlos wird der von einer vielköpfigen Redaktion erstellte Fragenkatalog abgearbeitet. Hinweise auf nicht zutreffende Tatsachenbehauptungen durch die geladenen Gäste lassen gelegentlich erkennen, wie wenig die Moderatorinnen tatsächlich „im Stoff“ sind. Da hilft in der Not ein als Provokation konzipierter Einspielfilm, der mit dem tatsächlichen Gesprächsverlauf nur noch wenig zu tun hat. Aber um darauf zu verzichten, war er dann zu teuer.

Vielleicht sollten die Sender mit wöchentlich wechselnder Moderation für ein bißchen internen Wettbewerb sorgen. Etwas sachlicher, weniger eitel, insgesamt frischer und frecher, statt beleidigt und schulmeisterlich. Wenn die nun wirklich nicht kompliziert zu produzierenden Sendungen in der ARD auch noch von eigenen Redaktionen hergestellt würden, wäre schon wieder Geld gespart.

H.R.

IDEALHUND

Ein Kölner Freund hat mir ein Video geschickt. Darin macht ein Hund auf Kommando Schubladen zu. Ob das nicht etwas für Dina sei? Ich habe Dina das Video gezeigt. Sie hat mich verständnislos angesehen. Dann ging sie zur angelehnten Tür des Wintergartens, schubste sie mit der Schnauze auf und liess sie wie immer offen stehen.

Ich zeigte ihr das Video noch einmal. Sie stöhnte leise, kreiste kurz bevor sie sich hinlegte und brummelte: „Chef, kannst Du bitte die Tür ein kleines bisschen zumachen?“

H.R.

IDEALGEWICHT

Es ist viel passiert oder eben auch nicht. Dina war wandern in Südtirol. Dina war in einem neuen Hundehotel. Dina war bei der Tierärztin. Dina wurde gewogen. Zweimal im Hunde-Wald-Hotel, einmal bei der Ärztin. Das zusammengefasste Ergebnis: Jubel, Ernüchterung, Resignation.

Dina wiegt mal mehr mal weniger, mal 23 Kilo, mal 24 Kilo, meist irgendwo dazwischen. Egal ob es hoch durch die Berge geht oder schnellen Schrittes durch die Prignitz. Ob es dreimal am Tag der Park ist oder ausnahmsweise der Gang um den Block. Im Schnitt kommt sie auf 10 Kilometer plus Ballspielen. Aber es ändert alles nichts: Trotz sorgfältig angepasstem Futter, trotz reduzierter Menge und so gut wie keinen Leckerlis: Die Pfunde purzeln nicht, sie bleiben einfach da!

Es dauerte, bis wir ihre Botschaft verstanden hatten: Das Idealgewicht beträgt 24 Kilo. Über ein paar Gramm mehr oder weniger läßt sie mit sich reden. Und die Waagen die Tierärztinnen stimmen sowieso nicht. Wir finden unser Hund sieht gut aus!

H.R.

DINA UND DIE PFUNDE

Es gab lange keine Neuigkeiten über Dinas Gewichtsproblemen. Das hatte Gründe. Vor einigen Wochen musste Dina wieder auf die Waage der Tierärztin. Es ging im Grunde nur noch um die Bestätigung, dass sie mindestens ein weiteres Pfund abgenommen hatte und das Wunschgewicht von ca. 22 kg in greifbarer Nähe sei.

Es kam anders! Dina hatte zugelegt! Bestürzung, Verwirrung, Ratlosigkeit – auch bei der Ärztin und ihrer Assistentin. Dina wurde nochmals gewogen, dieses Mal ohne Geschirr. Die Waage ließ sich nicht überlisten. 24 kg blieben 24 kg.

Weshalb kommt dieser Gewichtszustandsbericht gerade heute: Soeben ist Dina unterwegs zum Wiegen. Dieses Mal sind wir ganz sicher: Sie hat dramatisch abgenommen.

H.R.

DIE HAUBITZE

Wie ich den Nachrichten entnehme, ist die deutsche Panzerhaubitze 2000 endlich in der Ukraine angekommen. Das russische Militär hatte also Zeit genug, sich zu überlegen, wie sie so schnell wie möglich unschädlich gemacht werden kann. Eine neue Haubitze zu bauen, dauert etwa zwei Jahre. Aber wie der Generalsekretär der NATO gestern erklärt hat, kann der Krieg noch Jahre dauern. Na, dann!

H.R.

MARIA IST WÜTEND

Unsere Freundin Maria ist empört. Die jüngsten Äußerungen des ukrainischen Botschafters haben sie zurecht wütend werden lassen. Kurz gesagt, behauptet er, seine Landsleute kehrten zunehmend in ihre Heimat zurück, weil sie in Deutschland schlecht behandelt würden.

Maria, ihr Mann und eine ganze Reihe von Freunden kümmern sich seit Beginn des Krieges insbesondere um Frauen und Kinder, die in Berlin ankommen. Sie standen mit belegten Broten und Getränken an den Bahnhöfen, besorgten Kleider, Spenden, Wohnungen, medizinische Betreuung. Und sie haben das auch schon für die Flüchtlinge die aus Syrien kamen in ähnlicher Weise getan.

Maria ist wütend. Hoffentlich erreichen ihre Enttäuschung und ihre Wut den Botschafter. Dies hier ist ihr offener Brief an ihn:

Seine Exzellenz,

Sehr geehrter Herr Botschafter Melnyk

Sie beklagen sich aktuell über unsere mangelnde Gastfreundschaft ukrainischen Flüchtlingen gegenüber.

Sie kennen Kerstin nicht. Kerstin steht jeden Morgen um 4 Uhr am Fließband einer Großbäckerei. Als ich für die Kiewer Musiklehrerin Nadja und ihre zwei Kinder eine Bleibe suchte, ist Kerstin zu ihrem Freund gezogen und hat ihre Marzahner Mietwohnung kostenlos mit Vertrag den drei Flüchtlingen überlassen. 

Sie kennen Barbara nicht. Barbara führt ein Kino, steht jeden Abend an der Kartenkontrolle. Barbara hat ihre Wilmersdorfer Wohnung geräumt für die Kiewer Geschäftsfrau Anna mit ihren Kindern Mascha und Wanja.

Sie kennen Jens nicht. Er ist ein freier Publizist und hat die schönste Datscha direkt an einem Brandenburger See frei gemacht. Für Tamara und Katja aus Kiew.

Sie kennen Dieter nicht. In einem seiner drei Zimmer in Steglitz sind Olga aus Kiew mit Anastasia und Wanja untergekommen.

Olga aus Odessa wohnt mit zwei Söhnen, einer ist schwerbehindert, ebenfalls mietfrei in Moabit bei einem Bekannten. 

All meine helfenden deutschen Freunde sind nicht besonders wohlhabend. Wir unterstützen die Ukrainerinnen und ihre Kinder in sämtlichen administrativen und alltäglichen Belangen. Zudem haben wir sehr viel Spaß zusammen, gehen gemeinsam in die Oper, ins Konzert, in die Waldbühne zu Björk demnächst, auf Stadtteilfeste, wir kochen und feiern.

Wenn Sie mehr wissen möchten: wir alle würden Sie einladen, aber unsre Wohnungen sind klein. Gern jedoch besuchen wir Sie in Ihrer Zehlendorfer Residenz oder in der Botschaft und berichten Ihnen von den vielen Hilfsbereitschaften. Machen Sie sich aber bitte wegen der Verpflegung keine Mühe. 

Ich freue mich auf Ihre Antwort.

Mit freundlichen Grüßen

Ihre

Maria Ossowski

H.R.

HUNDEPENSION

Dina war ein paar Tage in der Hundepension bei ihrer Züchterin. Der Abschied am Tor fiel allen Beteiligten schwer. Bei Dina wurde er durch den Anblick einer Katze gemildert, die über den Hof schlenderte. Dina mag keine Katzen – um es milde zu formulieren. Während sie Rehen inzwischen relativ gelassen zuschaut, löst eine Katze bei ihr die schlimmsten Reflexe aus. Wir versuchen es zu akzeptieren.

Als ich Dina wieder abholte, war sie schneller im Auto als ich gucken konnte. Meine Frage, ob sich unsere Hündin gut benommen habe, wurde bejaht. Zu Hause fiel uns eine kleine Verletzung unter ihrem rechten Auge auf. Der besorgte Anruf bei der Züchterin ergab, dass es eine „kleine Kappelei“ wegen eines Leckerlis gegeben habe. Wir haben nicht weiter nachgefragt!

Seit ihrer Rückkehr ist Dina sehr anhänglich und folgt uns auf Schritt und Tritt. Sie verbringt ausgesprochen viel Zeit in ihrem Körbchen und hat die ersten beiden Tage anstandslos ihr Futter gefressen. Inzwischen hat sich die Situation normalisiert. Heute morgen roch sie am Napf, schaute mich an, schaute noch einmal das Futter an und trottete (kopfschüttelnd?) davon.

Beim Morgengang hat sie versucht eine Katze zu jagen.

H.R.

GENDER

Sie: „Wenn ich mir nur vorstelle, welche Chancen ich beruflich hätte, wenn ich 30 Jahre jünger wäre!“

Er: „Wenn ich 30 Jahre jünger wäre, hätte ich wahrscheinlich überhaupt keine Chance.“

H.R.

STEINMEIER

Nur mal so eine Idee: Wie wäre es, wenn der Bundespräsident seinen alten SPD-Kumpel Gerhard Schröder öffentlich dazu auffordern würde, auf alle Leistungen seitens der deutschen Steuerzahler zu verzichten, so lange er in den Diensten eines russischen Staatsunternehmens steht?

H.R.