LOST BEFORE TRANSPORTATION

Fasst hatte ich mein kleines Lufthansa Problem vergessen, da erzählt mir ein guter Freund die folgende Geschichte:
Zwei Tage vor Weihnachten will sein Bruder mit Lufthansa nach Kapstadt fliegen. Am Vortag checkt er sich elektronisch ein. Alles funktioniert, bis er aufgefordert wird, seine Reisepapiere ein zu scannen. Da ihm das nicht gelingt, beschließt er, am nächsten Tag extra früh am Flughafen zu sein, um das Ganze am Schalter zu erledigen. Dort wird ihm kühl mitgeteilt, er sei von dem Flug gestrichen worden, da er sich ja nicht elektronisch eingecheckt habe.
Seine Proteste führen schließlich dazu, dass er auf der Warteliste landet. Das kostet Nerven. Der Flug wird aufgerufen. Er wartet. Schließlich dämmert der Lufthansa, dass etwas schief gelaufen sein könnte. Ohne Anerkennung von irgendwas – das versteht sich von selbst – wird er upgegradet. Erste Klasse! Schön! Glück gehabt!
Aber so viel Champagner, liebe Leute von Customer Relations, kann man gar nicht trinken, wie das Warten an Nerven gekostet hat. Und was wäre eigentlich passiert, wenn kein Platz mehr frei war?
H.R.

TIEF GESPALTEN

Nichts ist in der Welt, der alten,

Nichts ist heil und nichts ist schön.

Alles ist zutiefst gespalten,

Wenn wir’s journalistisch sehn.

 

Es beginnt schon bei den Tieren.

Wer liebt Hunde, wer liebt Katzen

Wer hält was auf allen Vieren:

Tief gespalten bei den Tatzen.

 

Ähnlich ist es bei den Moden:

Röcke glatt, gerüscht, in Falten,

Der trägt Leinen jener Loden:

Kleidungsmäßig tief gespalten.

 

Isst man lieber Steaks von Rindern

Oder lebt man streng vegan,

Der Konflikt ist nicht zu lindern,

Tiefer Spalt von Anfang an.

 

Nichts ist heute ungespalten,

Setzt man diese Liste fort.

Will man Wichtiges gestalten:
Tief gespalten ist das Wort.

 

Auch wer nicht zu sagen weiß,

Was von irgendwas zu halten,

Ist es gar nichts, ist es heiß,

Sicher aber ist es tief,

Wenn nicht abgrundtief gespalten.

 

UdM  23.12.19

TOTALE TRANSPAFRENZ

– Schluss mit der Geheimnistuerei: Jetzt wird alles offengelegt!

– Sieh mal an, der Scheuer. Also doch.

– Scheuer doch nicht ! Der Papst.

 

UdM 19.12.19

HAARIG

Die Älteren unter uns erinnern sich vielleicht an eine Varieté-Nummer aus der Zeit als es noch Varietés gab, in der ein Mann und eine Frau in Streit gerieten, dabei handgreiflich wurden, sich, wenn auch bald durchschaubar zirzensisch, zu prügeln begannen, bis der Mann die Frau schließlich an ihrem Haarschopf packte und von der Bühne schleifte. Das Publikum, vermutlich eher das männliche, konnte sich an solchen heute nur noch schwer vorstellbaren Darbietungen sogar auf den damals noch schwarzweißen Fernsehbildschirmen bei Varieté-Sendungen ergötzen.

Nun haben Wissenschaftler der University of California in Versuchen, deren Erkenntnisinteresse auf Anhieb nicht so recht einleuchten will, die Reißfestigkeit von Behaarungen einer genauen Prüfung unterzogen. Zur Auswahl standen Borsten von Elefanten, Giraffen und Wildschweinen – von Hunden ist nicht die Rede – sowie im Vergleich die Haare von Pferd und Mensch. Dabei stellte sich heraus, dass trotz größeren Querschnitts das, was die erstgenannten Tiere auf der Haut tragen in punkto Reißfestigkeit ziemlicher Mist ist, im Gegensatz zu den sehr viel dünneren Pferde- und Menschenhaaren.

Überraschend ist das eigentlich nicht, denn schon im Alten Testament, im Buch Richter, wird Samson als in seiner Stärke unbesiegbar wegen der Zauberkraft seines Haupthaars beschrieben. Allerdings nur so lange es ihm niemand abschnitt, was bekanntlich einer gewissen Dalila gelang, weil Samson ihr sein Geheimnis, durch vorgetäuschter Liebe verblendet, eines Nachts ausplauderte. Für eine Reaktion in der Art der oben beschriebenen Varieté-Nummern war es für Samson dann natürlich zu spät.

Die wissensdurstigen Forscher der University of California haben schließlich herausgefunden, dass man an einem menschlichen Schopf zwei Elefanten aufhängen könnte.

Ich geh dann mal zum Friseur.

 

UdM 16.12.19

PATT IM PARK

Auf einem Fußgängerpfad im Park kommen ein Mann mit Hund und ein Mountainbiker auf einander zu. Der Biker ruft: „Nehmen Sie gefälligst Ihren Hund an die Leine. Hier ist Leinenpflicht!“
Der Mann mit Hund stutzt, geht ein Stück weiter, dreht sich um und ruft: „Nehmen Sie erst mal Ihr Fahrrad auf den Arm!“
H.R.

IN DER WANNE frei nach Loriot

Was machst du denn da?!

Ich ?

Ja, wer denn sonst.

Was mach’ ich denn?

Du fummelst. Du fummelst an meiner GroKo rum.

Mach ich nicht.

Machst du doch! Du grapschst nicht mehr, aber du fummelst immer noch.

Du bist beleidigt, weil du es nicht geworden bist.

Achgottchen, als ob ich das nötig hätte. Jetzt hör aber mal auf zu fummeln!

Ich fummle nicht.

Doch! Jetzt fummelst du ja auch noch an meiner Schwarzen Null!

Reg dich doch nicht so künstlich auf!

Ich rege mich nie auf. Das widerspricht meinem Temperament. Aber wenn du hier weiterfummelst –

Ohne ein bisschen fummeln geht es nun mal nicht. Fummel doch meinetwegen auch.

Woran?

Bitte?

Woran soll ich bitte fummeln?

Wie meinst du das?

Ich meine: Wo gibt’s bei euch was zu fummeln?

Na, erlaube mal!

Seit wann kann man an was fummeln, was nicht da ist.

Nämlich?

Eure Neue Zeit. Wo ist übrigens die Genossin?

Ist das dein Ernst?

Wieso?

Du bist mir ja ein ganz Schlimmer!

Doch nicht hier drin! Das ist eine unerhörte Unterstellung! Ich ziehe jetzt den Stöpsel.

Kannst du nicht.

Wieso?

Der Stöpsel ist auf meiner Seite. Und wann hier Stöpsel gezogen werden, das bestimmen wir.

Ist das eine Drohung?

Das wirst du dann ja sehen.

Das heißt, ihr wollt weiter an meiner GroKo und an meiner Schwarzen Null rumfummeln. Was machst du da? Steigst du etwa aus?

Erst mal nur aus der Wanne. Würdest du mir bitte mal das Handtuch reichen, Genossin!

(Weibliche Stimme aus dem OFF) Das habe ich nicht gehört!

 

UdM 10.12.19

AN DER KASSE BEI EDEKA

Eine von drei Kassen ist geöffnet. In der Schlange vorne steht ein alter Mann, der seinen Einkauf mit Karte zahlen und zusätzlich Bargeld mitnehmen möchte. Die Verkäufern – offensichtlich neu im Job – erklärt ihm, sein Einkauf sei nicht groß genug, um vom „Banking-Service“ Gebrauch zu machen. Der Mann holt noch eine Tüte Chips. Die Schlange murmelt ungeduldig.

Der Mann möchte 150€. So viel Bargeld sei nicht in der Kasse. Die Verkäuferin ruft den Chef. Die Warteschlange scharrt mit den Füßen. Der Chef kommt. Er bietet dem Kunden 50€ an. Die Verkäuferin muss den Vorgang stornieren und neu eingeben. Der Mann nimmt seine Einkäufe, die 50€ und geht. Die Schlange atmet auf.

Ein junger Mann legt eine Avocado, eine Packung Frischkäse und eine Miniflasche Eierlikör aufs Förderband. Er möchte jeden Artikel einzeln bezahlen – mit Karte! Die Verkäuferin sieht ihn fassungslos an. In der Schlange sehen sich die Wartenden ebenfalls an. Der Frischkäse wird gebongt, der Eierlikör wird gebongt, bei der Avocado funktioniert die Karte nicht. Auch beim dritten Versuch nicht. Der junge Mann schlägt vor, die Avocado zum Eierlikör hinzu zu addieren. Die Avocado kann nicht mehr dazu addiert werden. Alle warten. Die Verkäuferin, der junge Mann, die Schlange.

Der Mann kramt in seiner Tasche und legt schließlich 1 Euro und 95 Cent in bar auf den Tresen. Die Verkäuferin kassiert, der Mann nimmt Frischkäse, Eierlikör, Avocado und drei Belege. Er geht. Die Schlange murmelt und ruft:“Zweite Kasse, bitte!“

Jetzt steht ein mittelalter Mann, Typ Bauarbeiter, an der Kasse, der das Ganze mit geradezu stoischer Geduld beobachtet hat. Er legt eine Tüte mit zwei Brötchen aufs Band und sagt: „Ich möchte den Preis gerne dritteln. 1/3 mit Karte, 1/3 bar und das letzte Drittel zahle ich mit meinem Getränkebong!“

H.R.

LOST IN TRANSPORTATION 2

Die Lufthansa hat auf meine per Blog übermittelte Beschwerde reagiert. Mit verständnisvollen Worten und einer finanziellen Entschädigung:“Das geschilderte Verhalten vom Personal am Flughafen widerspricht nicht nur ihren berechtigten Erwartungen…Es entspricht auch nicht der fürsorglichen Haltung gegenüber unseren Gästen…“
Kurz und gut – Customer Relations sieht einen „Systemfehler“ für den sich der/die unterzeichnende MitarbeiterIn entschuldigt. Entschuldigung akzeptiert und um ein leicht beängstigendes Reiseerlebnis reicher.
H.R.

VORWEIHNACHTLICHES

Auf Weihnachtsmärkten wird nun wieder das aus weinfassähnlichen Hartplastikcontainern in klobige Pfandbecher gezapfte, nach Sprit und Nelkenaroma riechende Heißgetränk mit Namen Glühwein feilgeboten, mit dem sich Kenner relativ preisgünstig schnell und zuverlässig, musikalisch begleitet von O du fröhliche…die Kante geben können. Was vielleicht nicht jeder weiß: die Hersteller adeln ihre dunkelrote Brühe mit einer, es gibt sie wirklich, Glühweinkönigin. In diesem Jahr heißt sie Verena Müller. Frau Müller ist eine ehrliche Haut. Sie hat zu Protokoll gegeben, dass nach ein bis – Achtung ! – zwei Bechern bei ihr Schluss ist. Na, dann Prost.

Wer noch nach einem Geschenk für den Platz unter dem Weihnachtsbaum Ausschau hält, dem sei das Tagesspeigel-Advent-Gewinnspiel empfohlen, das einem Tagesspiegelmitarbeiter vielleicht nach dem Besuch eines Weihnachtsmarkts nach dem Genuss einiger Becher Glühweines eingefallen ist: Man kann eine Husqwarna-Kettensäge gewinnen. Sie ist mit ihrem unschlagbar geringen Gewicht von 2,9 Kilo übrigens  besonders für weibliche Hände geeignet. Ein Schelm, wem dabei Splattermovies einfallen.

UdM 03.12.19