SÖDER

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident und Kanzlerkandidat von CDU und CSU, Armin Laschet, wird jetzt gefragt, wie er denn zu AfD-nahen Aussagen des neu nominierten Bundestagskandidaten der CDU in Thüringen, Hans-Georg Maaßen, stehe. Ob er sich nicht von ihm distanzieren müsse.

Die Frage lenkt den Blick auch auf andere Persönlichkeiten der Union, zum Beispiel auf den bayerischen Ministerpräsidenten. Ein Blick in dessen WIKIPEDIA Eintrag zeigt folgende von ihm im Laufe der Zeit vertretenen Positionen: „Kruzifixe und keine Kopftücher in den Schulen“; keinen „falsch verstandenen Dialog mit dem Islam“, für ein“Vollverschleierungsverbot“.

Für eine Lockerung des Kündigungsschutzes, gegen einen gesetzlichen Mindestlohn.

Aber auch für ein Verbot der Neuzulassung von Autos mit Verbrennungsmotoren ab 2020; für die „Rettung der Bienen“ und für das Fortbestehen von „Unser Sandmännchen“. Zumindest hier sollte es bei den Koalitionsverhandlungen mit den Grünen keine unüberwindbaren Schwierigkeiten geben.

H.R.

DREAMTEAM

Markus Söder sollte unbedingt Kanzlerkandidat von CDU und CSU werden. Allerdings unter einer Bedingung: Dass er sich verpflichtet, unter Annalena Baerbock als Vizekanzler zu dienen.

H.R.

CORONANACHMITTAG

Das Robert-Koch-Institut mahnt, die Intensivmediziner befürchten, Lauterbach weiß.

Ein Gericht in Münster richtet: Wenn einige Geschäfte geöffnet haben dürfen, dürfen alle Geschäfte geöffnet haben. Werden nun alle Geschäfte öffnen dürfen? Kaum. Die wenigen, die geöffnet haben dürfen werden schließen müssen. Das wäre schade. 

Aber so ist Gerechtigkeit.

Die Kanzlerin bildschirmt mit den Ministerpräsidenten. Reporter befürchten, nicht rechtzeitig zum Abendessen zu Hause zu sein.

Aber so ist ihr Job.

Ich sitze, nein, verweile, vermutlich ordnungswidrig, mit meinem Pappbecherkaffee in der Nachmittagssonne auf einer Parkbank am Savignyplatz. Auf der Wiese sitzen, garantiert ordnungswidrig, gut zwanzig junge Menschen, vierzehn, fünfzehn Jahre alt, ohne Maske dicht beieinander. Vielleicht treffen Sie sich, weil sie nicht zur Schule dürfen, vielleicht haben sie sich nach der Schule getroffen. Wer weiß schon, wann Schulen für welche Altersgruppe geöffnet haben dürfen, wann nicht. Einer hält ein kleines Kofferradio, eher einen mit Spotify verbundenen Lautsprechen in der Hand. Rhythmische Musik. Einige stehen auf, beginnen zu tanzen, dann tanzen alle. Ein schönes Bild. Wissen sie nicht, wie gefährlich das sein kann. Doch. Sie sind ja nicht dumm.

Aber so ist Lebensfreude.

Weiß die Kanzerinnenrunde noch was das ist?

UdM 22.03.2021

CORONACHAOS

Heute, am 18.3. um 14:10 Uhr, habe ich mit der Post von der Kassenärztlichen Vereinigung, im Auftrag des Ministeriums für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz des Landes Brandenburgs, eine „Terminbestätigung“ für meinen Impftermin am 15.3. um 12:05 Uhr erhalten, den ich längst abgesagt und auf den 18.3. verschoben hatte, der aber dann wiederum vom Impfzentrum am 16.3. abgesagt wurde.

Ich bin gespannt, wann ich wieder Post bekomme! Kann ich mich vielleicht beim Ministerium für Verbraucherschutz darüber beschweren?

H.R.

HAMSTER STATT HUND

Der Berliner „Tagesspiegel“ hat eine Studie der Technischen Universität vom vergangenen Jahr erneut aufgegriffen, in der die Klimaschädlichkeit von Hunden und Katzen nachgewiesen wird. Jetzt, wo sich in der Corona-Einöde immer mehr Menschen ein Haustier zulegten, um Nähe und Geselligkeit zu erfahren, wachse die Gefahr durch diese im Grunde nutzlosen Lebewesen.

Nahrungsproduktion, Ausscheidungen, Kotbeutel etc. verursachten klimaschädliche Treibhausgase in erheblichem Umfang. Ein 15 Kilo schwerer Hund der 13 Jahre lebe, sei zum Beispiel für insgesamt 8,2 Tonnen CO2-Ausstoß verantwortlich. Es wäre daher aus Klimagründen empfehlenswert, sich statt eines Hundes lieber einen Hamster, ein Kaninchen oder eine Schildkröte zuzulegen.

Ein einzelner Mensch wiederum kommt pro Jahr (!) auf 12,5 Tonnen Treibhausgas. Von anderen Umweltschäden ganz zu schweigen. Wäre es da nicht ökologisch gesehen sinnvoller auf ein paar Menschen zu verzichten?

H.R.

MACHEN SIE EINEN TERMIN

Inzwischen habe ich schon zwei Briefe von meiner Gemeindeverwaltung bekommen, die mich über die Corona Terminvergabe informieren. Im ersten Brief wurde ich, als jahrgangsmäßig zur priorisierten Impfgruppe gehörend aufgefordert, die Nummer 116117 anzurufen. Dort wurde ich nach drücken der Ziffer 2 zu einer automatischen Ansage weitergeleitet, die mitteilte, dass es keinen Impfstoff, daher auch keine Termine gäbe.

Der zweite Brief informierte mich darüber, dass beim Einsatz der mobilen Impfteams immer wieder Impfdosen übrig blieben. Wenn ich an einem kurzfristig zu vergebenden Impftermin interessiert sei, möge ich das beigefügte Formular ausfüllen. Das Formular mit Mobilnummer und Mailanschrift habe ich umgehend im Briefkasten der Gemeinde deponiert. Bisher kein Anruf.

Der Website des Gesundheitsministeriums habe ich gestern entnommen, dass in dem für mich zuständigen Impfzentrum auch nicht priorisierte Menschen, bzw. solche die noch keine Prüfnummer erhalten hätten, online einen Termin vereinbaren könnten. Allerdings gäbe es nur AstraZeneca. Da mir das egal ist, drückte ich auf WEITER. Nach zwei Fehlschlägen landete ich bei einem Hinweis, dass ich auf keinen Fall ein Alter über 65 angeben dürfe, auch wenn ich in Wirklichkeit älter sei, da sonst ein Softwarefehler meine Registrierung verhindere.

Ich habe verschiedene falsche Altersangaben ausprobiert. Jetzt warte ich, bis meine Hausärztin impfen darf!

H.R.

SÖDERS ZUGDEPOT

– Herr –

– Bitte keine Namen – nennen Sie mich einfach Depotleiter.

– Herr Depotleiter, Sie verwalten also hier die Züge, auf die Markus Söder bei Bedarf aufspringt.

– Ich halte sie für den sofortigen Gebrauch bereit. Man muss da ja genau so geschmeidig sein wie der Chef selbst.

– Hier vorne sehen wir einen ganz schwarz lackierten Zug –

– Ja, das ist der Strenge-Vater-Zug, der muss ständig unter Dampf gehalten werden, genau so wie gleich daneben der weiß lackierte, der Gütige-Vater-Zug.

– Dann haben wir hier einen Zug mit sehr unterschiedlichen Waggons, etwas verwirrend –

– Nicht für den Chef. Das ist der Virologen-Zug. Da springt der Chef jeweils entsprechend der öffentlichen Sympathie der Virologen auf. Hintendran hängt der Leopoldina-Waggon, da ist der Chef seit einiger Zeit nicht mehr aufgesprungen.

– Ganz da hinten fast auf dem Abstellgleis sehen wir einen Zug mit weiß-blauen Rauten lackiert.

– Das – ja – den halten wir etwas im Hintergrund, das ist der Wir-in-Bayern-Zug, eigentlich der Lieblingszug vom Chef, bis bei uns die Infektionszahlen explodiert sind, da hat der Chef ihn – also – aber ich glaube, jetzt werden wir ihn bald wieder nach vorn holen.

– Dann sehen wir einen ganz putzigen, kleinen Zug, gelb-schwarz lackiert –

– Den mögen wir hier alle besonders: Das ist unser Biene-Maja-Zug. Den holt der Chef sicher im Frühling wieder vor.

– Der Zug macht einen recht zarten Eindruck, hält der das denn aus, wenn da so ein schwerer Mann draufspringt.

– Da springt der Chef nicht. Da legt er sich ganz behutsam drauf. Das kommt sehr gut an bei den Wählern.

– Vermutlich wie auch gleich daneben der grünlackierte –

– Genau. Unser Klima-Zug. Da wartet der Chef ab, ob die Grünen irgendetwas in der Richtung äußern, und schwupp, ist er drauf.

– Hier  ganz auf der rechten Seite haben wir einen sehr repräsentativen Zug mit allerdings sehr vielfarbigen Waggons.

– Das ist unser Merkel-Zug, die farbigen Waggons stehen für die verschiedenfarbigen Jacken der Kanzlerin.

– An diesem Zug fällt uns auf, dass es nur eine Tür gibt und die ist so weit oben angebracht, dass man sich fragt, wie kommt man da hoch?

– Das ist eine Spezialanfertigung vom Chef. Die Tür ist so gestaltet, dass der Lachet nicht aufspringen kann.

– Außerdem fällt uns auf, dass die Züge vorn alle einen sehr großen, fast übergroßen Rückspiegel haben.

– Nein, nein, das sind keine Rückspiegel. Das sind Übungsspiegel. Vor denen übt der Chef, bevor er aufspringt seine Mimik: Ernst, gütig, Kopf rechts, Kopf links, linke Augenbraue hoch, recht Augenbraue hoch, Kopf nach vorn, tiefer Blick – und so weiter.

– Ah, ja. Sagen Sie, gibt es denn eigentlich keinen Original-Söder-Zug.

– Doch. Aber möchten Sie den wirklich sehen?

UdM 18.02.2021

TULPENZEIT

Ich kann im Schreibwaregeschäft, das in Berlin geöffnet haben darf spontan einen Farbkasten kaufen und mir ein paar Tulpen tuschen. Spontan Tulpen kaufen kann ich keine. Ich könnte welche vorbestellen. Blumenläden sind in Berlin geschlossen. Auch auf einem Berliner Wochenmarkt kann ich zwar Blumenkohl kaufen, Blumen aber nicht. Eben komme ich an einem eigentlich geschlossenen Blumengeschäft vorbei, in dessen offenem Türbereich dicht gedrängt Tulpensträuße in Eimern stehen. Vorbestellte. Davor drängen sich Vorbesteller zum Abholen und tauschen sich über die Sinnhaftigkeit der eigentlich geschlossenen Blumenläden aus. 

Blumen bringen etwas Lebendiges, Farbiges in die trostlose Corona-Isolation. Ein bisschen Lebensfreude.

Wissen das unsere Lebensbeschränker? Vielleicht nicht. Vielleicht sollten sie deshalb vor dem nächsten Lockdown mit ein paar ganz gewöhnlichen Menschen reden und – es muss ja nicht öffentlich geschehen – beherzt zugeben, dass manche Corona-Maßnahmen schlicht Blödsinn sind.

UdM 16.02.2021

CORONAVAL

Im Fernsehprogramm der ARD zogen gestern nach der TAGESSCHAU seltsame Menschen durch die leere Mainzer Innenstadt. Manche trugen Kostüme, Phantasieuniformen, schwenkten Fahnen. Es war ein trauriges Häuflein. Noch trauriger wurde es, als das Häuflein in den Saal des Schlosses eingezogen war. Dort präsidierte ein stark übergewichtiger Mann umgeben von Menschenpuppen, Attrappen und einigen lebendigen Mitstreitern über ein Trauerspiel der besonderen, öffentlich-rechtlichen Art: MAINZ BLEIBT MAINZ. Man mochte gar nicht hinschauen, so deprimierend und so überflüssig war die Veranstaltung, für deren Zustandekommen ganz besonders dem Intendanten des SWR gedankt wurde. Er war zusammen mit seiner Frau auf dem heimischen Sofa zu sehen. Danke Professor Gniffke, vielen Dank ARD. Helau!

H.R.

IMPFPRIVILEG

Sollten sich die Befürworter eines Impfprivilegs entgegen der Auffassung des Ethikrat mit ihrer Meinung durchsetzen, dass Geimpfte umgehend am wieder hochgefahren kulturellen Leben teilnehmen dürfen, bereitet sich die Clubszene schon jetzt auf einen Ansturm von 80- bis 90jährigen vor. DJs bitten Keller und Hängeböden nach alten Schellackschallplatten zu durchforsten. Gewünscht sind Ländler, Polka, Langsamer Walzer und Slowfox. Die Clubbetreiber fragen nach langsam drehenden Partykugeln und Beständen von noch nicht allzu sehr vergilbten Tanzkarten. Die jungen Ungeimpften werden um Geduld gebeten. Vor den Clubs wird für Freiflächen gesorgt, auf denen sie sich derweil unter Einhaltung der Mindestabstände sowie Mund- Nasenbedeckung die Beine vertreten können.

UdM 04.02.2021