DREI FRAGEN ZUR ZWEITEN CORONAWELLE

Wie viele Maskenverweigerer müssen das Södersche 250-Euro-Bußgeld zahlen, um die Millionenkosten des durch CSU-Verkehrsminister erzeugten Mautdebakels gegenzufinanzieren?

Wie viele Monate müssen coronafreie schleswig-holsteinische Marschbauern in Neukölln beherbergt werden, um dort unter die magische Infektionszahl von 50 pro 100 000 Einwohner pro Woche zu kommen?

Um wie viele Tage muss in Mecklenburg-Vorpommern der Kalender zurückgestellt werden, damit coronafrei getestete Urlauber nach zwei Wochen Quarantäne den dort für diese zwei Wochen geplanten Urlaub verbringen können?

UdM

OMG*

Die katholische studierende Jugend schreibt jetzt Gott*. Soll wohl heißen: Gott ist nicht männlich und nicht weiblich, Gott ist divers. Weniger divers ist die katholische Kirche: Keine Priesterin, keine Bischöfin und schon gar keine Päpstin. Gott, ganz gleich welche Bilder sich die Menschen gemacht haben, war schon immer nur einfach Gott.

H.R.

 

HUNDEPOLIZEI

Die Bundesregierung will gesetzlich regeln, dass Hunde zweimal am Tag an die frische Luft kommen (Balkon gilt nicht). Kommen Hundehalter oder Hundehalterin dem nicht nach, machen sie sich strafbar. Im Grunde soll hier eine Selbstverständlichkeit geregelt werden, aber das gilt ja auch für andere Bereiche des Zusammenlebens.
Wie z.B. beim Einhalten von Verkehrsregeln, bei Steuerehrlichkeit, Gewaltausübung oder Versicherungsbetrug deutlich wird: Ohne staatliche Kontrolle oder Anzeige durch Dritte (offen oder anonym), lässt sich das nicht durchsetzen.
Konsequent wäre daher die Einrichtung einer Sondereinheit „Gassikontrolle“, die auch gleich die Kotbeutelpflicht überprüft, Hundesteuermarken abgleicht und vor allem die Leinenpflicht durchsetzt. Für fürsorgliche Meldungen aus der Nachbarschaft wird eine Hundehotline eingerichtet. Ohne zusätzliches, speziell geschultes Personal geht das natürlich nicht. Auf keinen Fall Hundehasser!
Wie der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ zu entnehmen ist, gibt es genügend führende Politiker, die selbst Hundehalter sind (Söder, Ramelow, Kramp-Karrenbauer), die ein solches Gesetzesvorlagen unterstützen könnten. Ob die Genannten allerdings persönlich der Gassipflicht nachkommen würden, wurde nicht erörtert.
Aber dafür gibt es sicher Personal! Oder den Park der Staatskanzlei? Mal abwarten, was aus der Sache wird.
H.R.

MARMELADE

Heute morgen meldete der Deutschlandfunk, dass die US-Regierung im Herbst deutsche Marmelade mit Strafzöllen belegen will. Ich wußte gar nicht, dass deutsche Marmelade in den USA so ein Hit ist. Was kommt als nächstes: Frankfurter Würstchen?
H.R.

AUF DU UND DU

Mein Stromanbieter duzt mich neuerdings. Es ist ein neuer Versorger. Mein alter mußte seine Kunden aus kartellrechtlichen Gründen abgeben. Jetzt bin ich bei LichtBlick und bekomme Ökostrom. Gefragt wurde ich nicht. Wechseln konnte ich auch nicht. Mein alter Vertrag wurde einfach übernommen.
Ich habe nichts gegen Ökostrom, aber ich möchte nicht geduzt werden. Angeblich soll es gut fürs Wir-Gefühl der Ökostromgemeinde sein, schreibt LichtBlick. Auch in meinem Berliner Programmkino wird von LichtBlick geworben. Das klingt nach alternativem Kleinunternehmen. Soll es zumindest.
In Wirklichkeit gehört das ehemals deutsche Unternehmen inzwischen zur niederländischen Eneco, und die wiederum gehört dem Autokonzern Mitsubishi. Also: Hört auf mich zu duzen!

DER TAG AN DEM BERLIN EIN CORONASONDERREGELUNG BEKAM

Bis gestern musste Bürgermeister Müller mit waagerecht gezogenem Mund von der Seitenlinie des Coronainfektionsgeschehens aus tatenlos mitansehen, wie Söder und Laschet einen Punktum nach dem anderen mit Sonderregelungen für sich verbuchen konnten. Nun endlich stürmt auch Berlin aufs Lockerungsfeld. Die Zurückhaltung hat sich gelohnt, denn was der Senat sich ausgedacht hat, dürfte schwer zu toppen sein: Die Coronaampel. Sie funktioniert so: Wenn sie von grün zwei Mal auf gelb springt, schaltet sie auf Rot. Springt sie zwei Mal auf Rot, geht Berlin zurück in den Lockdown.

Die jeweiligen Ampelfarben ergeben sich aus drei Parametern. Dem Faktor R, der Anzahl der zur Versorgung von Coronapatienten zur Verfügung stehenden Krankenhausbetten und der Zahl der Neuinfektionen pro Hunderttausend Einwohner. Letztere wird in Berlin anders als vom Bund beschlossen von 50 auf 20 herabgesetzt. Damit unterbietet Berlin sogar die von Kanzleramtsminister und Altenkasernierer Helge Braun geforderte 35ger Grenze.

Das Ergebnis der drei Parameter wird mühelos von einer noch zu bildenden Task-Force, bestehend aus drei Diplommathematikern in seiner ampeltauglichen Korrelation errechnet und jeweils täglich um 00.00 Uhr an die Ampelwarte weitergegeben.

Zusätzlich gilt: Wenn mindestens drei für die Berliner Sonderregelung Verantwortliche zwei Mal hintereinander wegen des Vorwurfs des groben Verwaltungsunfugs einen roten Kopf bekommen und sich mindestens zwei Mal hintereinander mindestens drei Millionen Berliner grün und gelb geärgert haben, geht der gesamte Senat einschließlich Bürgermeister Müller bis zum Ende der Coronapandemie in den Lockdown.

UdM 13.05.20

MASKENPFLICHT

Man darf wieder zum Friseur! Ich begebe mich zwecks Termin zu dem meinen. Die Tür steht einladend offen, ich werde aber von einer Vermummten mit Maske, Muster Sechzigerjahre Kittelschürze, nur derberes  Material, mit entschiedener Geste am Betreten des Salons gehindert. Es löst sich von einer vor der Spiegelwand sitzenden, nasshaarigen, ebenfalls Vermummten ein Besatzungsmitglied von Star Treck 7 und stapft auf mich zu. Nein! Es ist Mario, Friseur, ich erkenne ihn an den tätowierten Händen. Er trägt zusätzlich zur Maske einen Plastikhelm aus dem schwer Verständliches hervordringt. Ich höre heraus, ob ich eine Maske hätte, bejahe und verhülle Mund und Nase. Marios Helm nickt, wankt zurück zur vermummten Kundin. Ich mache einen zweiten Versuch, den Salon zu betreten, werde von der Sechzigerjahre Kittelschürzenmaske erneut gehindert, obwohl ich meine, vernommen zu haben ‚Bitte defilieren’, was etwas seltsam, aber doch wie eine Aufforderung zum Verbeigehen klingt. Gemeint ist aber ‚Bitte desinfizieren’. Jetzt erkenne ich in dem, was ich für einen im Weg stehende Limonadenspender gehalten habe, eine Desinfektionsstation. Mit nunmehr feuchten und unangenehm riechenden Händen darf ich endlich zum Tresen und meine Bitte nach einem Termin vortragen. Eine über den Kalender gebeugte weitere Vermummte, Maske aus einem Stoff, der in einem früheren Leben ein T-Shirt mit dem Aufdruck ‚Hardrock Café’ gewesen sein mag, richtet sich auf und murmelt ‚Macht zehn Ei’. Ich blicke ratlos. Sie wiederholt mehrmals und nun verstehe ich ‚Achtzehnter Mai’. Das ist in zwei Wochen, und die Haare wachsen mir jetzt schon über den Kragen. Ich akzeptiere seufzend, verlasse an der Sechzigerjahre Kittelschürzenmaske vorbei den Salon und denke, kein Wunder, wenn mir ein paar aus der Isolation entlassene Kids hinterherrufen ‚Seht mal, Ötzi lebt!’ Aber Spaß muss sein und besser in Berlin Behaarter, als in Tübingen Bejahrter.

Übrigens muss in Mecklenburg-Vorpommern, wenn die Restaurants dort wieder öffnen, das Personal Maske tragen, die Gäste brauche es aber nicht. Das ist löblich und sollte Schule machen, denn wer zahlt schon gerne für ein Schnitzel, das er nur angucken darf. Jedenfalls ist MeckPomm damit vorgeprescht und man darf gespannt sein, wie Bayern jetzt kontert. Vielleicht mit einer Maske, die in Mundhöhe aufgeschnitten ist. Das würde dann in seiner Genialität zu Recht als Söder’scher Fressschlitz in die Coronaannalen eingehen.

UdM 06.05.20

AM TAG DER CORONAAUSGANGSSPERRE AN DEM DEM LÄDEN UNTER 800 QM LADENFLÄCHE WIEDER ÖFFNETEN

Ja, das ist ein schöner Schritt in Richtung ‚Neue Normalität’. Aber wenn man, wie ich, keine neue Taucherbrille braucht oder keine bunten Sommersocken, dann bleibt man in seinen vier Wänden, weil man, Brot und Käse sind vorhanden, keinen konkreten Grund hat, das Haus zu verlassen und liest mal die ganze Zeitung durch. Und manchmal, wie heute, an diesem eigentlich schönen Tag, fällt einem Bedenkenswertes auf. Da ist zum Beispiel aus Schwesigs Verbotenem Land ein Rostocker Mediziner, der nicht Ruhe geben will, bis die ganze Nation durchgetestet ist. Gut, der Mann führt jetzt ein Unternehmen, das Tests herstellt und das an der Börse gerade nicht so gut läuft, aber in Zeiten der Pandemie wäre es kleinlich hier das hehre Motiv anzuzweifeln.

Auf einer anderen Zeitungsseite finden sich zwei Schaubilder, in denen es ebenfalls um Coronatests geht, graphische Darstellungen, die Geübte sicher leicht entschlüsseln können. Der Ungeübte begnügt sich damit, zu lernen, dass es bei Tests ‚falsch positive’ und ‚richtig positive’ Ergebnisse gibt, ist allerdings verblüfft zu erfahren, dass man, wenn man, wie der Rostocker Doktor es empfiehlt, heute Flächentests durchführen würde, ebenso gut eine Münze werfen könnte, denn die Fehlerquote läge bei ca. 50 Prozent.

Und dann gibt es da noch den Infektiologen und Intensivmediziner, der mitteilt, Zitat: ‚Wenn Ihnen ein Wanderer oder Jogger entgegenkommt, ist es völlig unwahrscheinlich, dass relevante Virusmengen über einen relevanten Zeitraum vom Gegenüber in Ihre Atemwege kommen oder die eines Gegenübers. Unter freiem Himmel wird die ausgeatmete Luft sofort verdünnt.’

Ich jedenfalls, gehe jetzt zu meinem Reinigungsgeschäft. Da ist eine clevere Mannschaft auf die Idee gekommen, Gesichtsmasken nach Farbwunsch zu nähen. Ich habe mich, weil es zu meiner Kleidung passt, für schwarz entschieden. Dazu Sonnenbrille, ein federnder Gang, und dann soll mich nochmal jemand Risikogruppe nennen.

Was ist eigentlich mit dem Vermummungsverbot?

 

UdM 22.04.20

ZEHNTER TAG DER CORONAAUSGANGSSPERRE

Ein Vorstandsmitglied der Fußgängerlobby FUSS empfiehlt Fußgängern im Fall von schmalen Bürgersteigen, die einen Corona-Sicherheitsabstand von 1,5 Metern nicht zulassen, auf die Fahrbahn auszuweichen, weil wegen des durch die Coronakrise zurückgegangen Verkehrs die Gefahr von einem Auto angefahren zu werde geringer sei als die Infektionsgefahr durch einen zu nahen Passanten. FUSS lässt offen, ob die dabei dennoch um Leben kommenden zu den Verkehrstoten oder den Coronatoten gezählt werden sollen.

Da es sich offenbar nicht um einen Aprilscherz handelt, wies die Polizei die Empfehlung umgehend als gesetzwidrig zurück.

 

UdM 01.04.20