TV -ERSCHEINUNGEN

Der englische Fernsehkommissar Fitz war der erste mit Erscheinungen, an den ich mich erinnere. Ihm erschien seine bei einem Sprengstoffattentat umgekommene Ehefrau, zwar nicht in Person, aber in rückerinnerndem Aufscheinen der Explosion, der sie zum Opfer fiel. Seither haben die Erscheinungen auch bei deutschen Fernsehkommissarinnen und -kommissaren erheblich zugenommen. Einigen erscheinen die Gemeuchelten als Wiedergänger in den Situationen, die ihnen zum Verhängnis wurden und tragen so zur Aufklärung ihres gewaltsamen Todes bei. Anderen Kommissarinnen und Kommissaren erscheinen unfreiwillig dahingegangene Familienangehörige, Ehemänner und Ehefrauen, geliebte Kolleginnen und Kollegen, Kinder, häufig auch, eher bei Kommissarinnen, verblichene, bewunderte Väter, die ehemals Kommissare waren und, wenn die Ermittlungen stocken, aus dem Jenseits aufgetaucht, mit der Tochter auf einer Parkbank sitzend, mit Rat zur Seite stehen.

Besonders anrührend sind diese Erscheinungen, wenn sich die Kommissarin oder der Kommissar am Tod der geliebten Person schuldig, zumindest aber mitschuldig fühlt. Das gibt ihr oder ihm die Möglichkeit neben dem routinierten Handwerk Gefühle zu zeigen, meist zum Depressiven neigend, was beim Zuschauer mitleiderregenden Medikamentenmissbrauch oder schweren Alkoholismus oder beides rechtfertigt.

Gestern Abend hatte eine Kommissarin sogar eine Vision: Sie sah eine an ihr später begangene Untat ziemlich präzise als Erscheinung voraus, eine weitere Dimension, die für die Zukunft des Genres neugierig macht.

Denn die Erscheinung als Phänomen im Fernsehkrimi ist noch keineswegs ausgereizt. Wie wäre es zum Beispiel mit Erscheinungen ehemaliger beliebter Fernsehkommissare? Wäre es nicht schön, weil mit den heutigen technischen Möglichkeiten durchaus machbar, wenn bei einem der allgegenwärtigen Temperamentsausbrüche des bayrischen Kommissars Batic plötzlich der sanfte Erik Ode erschiene und sagte ‚Leitmayerchen, bring uns doch erst mal einen Kaffee.’ Oder wenn bei Lena Odenthals verbissenem Dauerlauf auf einem Deich der Kaiserslauterner Hafenanlagen das erwartbare Handy mit der erwartbaren Leiche klingelt, sich Odenthal im für die Tatortbesichtigung ungeeigneten Outfit verärgert umsähe und da Horst Tappert erschiene und freundlich anböte ,Lena, ich hol schon mal den Wagen.’

Oder noch anders: Die Kölner Kommissare Freddy Schenk und Max Ballauf stehen an der Imbissbude mit Blick auf den nächtlichen Rhein. Und weil Max mal wieder mit halb offenem Mund in die Nacht starrt, fragt Freddy ‚Is’ was, Max?’, und Ballauf antwortet ,ich weiß jetzt wer der nächste Kanzler wird!’. ‚Willst Du mich verarschen?!’ raunzt Freddy dann in seiner liebevoll-ruppigen Art’. ,Nein!’, ruft Ballauf und zeigt auf den Rhein, ‚ich werde das!’ Da erscheint über den Wassern Klaus J. Behrendt als Bundeskanzler aus der Fernsehserie ‚Kanzleramt’, und das wäre dann eine Option die bisher noch niemand auf dem Schirm hatte.

 

UdM 17.02.20

DIE SCHULDFRAGE

Gestern Abend erklärte der Ministerpräsident von Sachsen, Michael Kretschmer (CDU), bei Maybrit Illner im ZDF, wer für das Wahldebakel in Thüringen verantwortlich ist: Bodo Ramelow, der sich unverschämter Weise zur Wiederwahl stellte und seine unbürgerliche Koalition aus SPD, Grünen und Linke.
Hätte Ramelow nicht den skandalösen Versuch unternommen ohne eigene Mehrheit wiedergewählt zu werden, wäre es gar nicht erst zu der Zusammenarbeit der „bürgerlichen“ Kräfte gekommen. Dass er sich durchaus als Teil der „Bürgerlichen“ sieht, bekräftigte der ebenfalls anwesende Alexander Gauland ausdrücklich. Auch wenn das CDU und FDP ungern hören wollten.
H.R.

GESCHICHTE WIEDERHOLT SICH (NICHT)

Am 23. März 1933 verabschiedete der Reichstag in Berlin das „Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Staat“, das als „Ermächtigungsgesetz“ in die Geschichte einging. Die Abgeordneten der Kommunistischen Partei waren verhaftet oder untergetaucht, die SPD hatte erklärt, sie werde nicht zustimmen. Hitler brauchte die Stimmen der „bürgerlichen“ Parteien.
Die katholische „Deutsche Zentrumspartei“ setzte sich „aus nationaler Verantwortung über parteipolitische und sonstige Bedenken hinweg“ und stimmte zu. Auch die Liberalen knickten ein. Sie stellten fünf Abgeordnete, darunter den späteren Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland, Theodor Heuss.

H.R.

SCHLÜSSELERLEBNIS

Die deutsche Öffentlichkeit wurde mit etwas sehr Seltenem erfreut, mit einem Schlüsselerlebnis nämlich. Unser Außenminister Heiko Maas hatte es, und er hat es mit uns geteilt, im Fernsehen unter anderem, wo er vom ZDF-Moderator etwas herablassend als deutscher Chefdiplomat bezeichnet wurde, dennoch nicht ohne den ihm eigenen bescheidenen Stolz verlautbarte, er habe nach Abschluss der Berliner Libyenkonferenz nun den Schlüssel zur Lösung der Krise in der Hand. Der Schlüssel ist zwar ein gängiges Symbol für allerlei, aus dem immer um Zurückhaltung bemühten Mund des Außenministers entfaltete er allerdings ein ganz neue nachahmenswerte metaphorische Wucht, sodass wir für die nahe Zukunft weitere Schlüsselfinder erwarten dürfen, ähnlich wie man eine Zeitlang in Politik und Medien Drehbücher schrieb, Weckrufe hörte, ermahnt wurde, nicht untätig an der Seitenlinie zu stehen, oder sich gar feige wegzuducken, sehr dürftige Bilder im Vergleich zum ministeriellen Schlüssel, mit dem für seine Funktion allerdings unerlässlich hinzugehörenden Schloss nebst Schlüsselloch ohne das der schönste Schlüssel nutzlos ist. Vom Schlüsselloch und Schloss war beim Minister nicht explizit die Rede, gemeint aber war ein Waffenstillstand und ein Waffenembargo, ein Schloss also in dessen Schlüsselloch der Schlüssel erst noch gesteckt und gedreht werden will.

Der Komponist Carl Orff fand in seiner Erfolgsoper Die Klugefür die Bedingtheit des einen für das andere ein ähnliches Bild: Ein Bauer hat auf königlichem Besitz einen goldenen Mörser, allerdings ohne den dazugehörigen Stößel gefunden und will ihn, gegen den Rat seiner klugen Tochter, dem König bringen. Sie fürchtet, man werde in den Verdacht geraten, den Stößel unterschlagen zu haben, wie der König es in der Tat auch unterstellt und den Bauer einkerkern lässt. Als er erfährt, dass dieser eine hübsche Tochter hat, bestellt er sie zu sich und verspricht hintersinnig: Den Stößel werden wir gemeinsam finden. Das happyendliche Ergebnis ist im Opernführer oder bei WikipediA nachzulesen.

Wenn Heiko Maas’ Schlüsselerlebnis, also wenn das Schlüsselloch zum Schlüssel tatsächlich gefunden würde, und so zum Frieden beitrüge, wäre das sehr wünschenswert und es wäre in seiner beinahe poetischen Bildsprache vielleicht sogar operntauglich. Wenn nicht: Nächster Akt einer Welttragödie.

UDM 20.01.20

LOST BEFORE TRANSPORTATION

Fasst hatte ich mein kleines Lufthansa Problem vergessen, da erzählt mir ein guter Freund die folgende Geschichte:
Zwei Tage vor Weihnachten will sein Bruder mit Lufthansa nach Kapstadt fliegen. Am Vortag checkt er sich elektronisch ein. Alles funktioniert, bis er aufgefordert wird, seine Reisepapiere ein zu scannen. Da ihm das nicht gelingt, beschließt er, am nächsten Tag extra früh am Flughafen zu sein, um das Ganze am Schalter zu erledigen. Dort wird ihm kühl mitgeteilt, er sei von dem Flug gestrichen worden, da er sich ja nicht elektronisch eingecheckt habe.
Seine Proteste führen schließlich dazu, dass er auf der Warteliste landet. Das kostet Nerven. Der Flug wird aufgerufen. Er wartet. Schließlich dämmert der Lufthansa, dass etwas schief gelaufen sein könnte. Ohne Anerkennung von irgendwas – das versteht sich von selbst – wird er upgegradet. Erste Klasse! Schön! Glück gehabt!
Aber so viel Champagner, liebe Leute von Customer Relations, kann man gar nicht trinken, wie das Warten an Nerven gekostet hat. Und was wäre eigentlich passiert, wenn kein Platz mehr frei war?
H.R.

TIEF GESPALTEN

Nichts ist in der Welt, der alten,

Nichts ist heil und nichts ist schön.

Alles ist zutiefst gespalten,

Wenn wir’s journalistisch sehn.

 

Es beginnt schon bei den Tieren.

Wer liebt Hunde, wer liebt Katzen

Wer hält was auf allen Vieren:

Tief gespalten bei den Tatzen.

 

Ähnlich ist es bei den Moden:

Röcke glatt, gerüscht, in Falten,

Der trägt Leinen jener Loden:

Kleidungsmäßig tief gespalten.

 

Isst man lieber Steaks von Rindern

Oder lebt man streng vegan,

Der Konflikt ist nicht zu lindern,

Tiefer Spalt von Anfang an.

 

Nichts ist heute ungespalten,

Setzt man diese Liste fort.

Will man Wichtiges gestalten:
Tief gespalten ist das Wort.

 

Auch wer nicht zu sagen weiß,

Was von irgendwas zu halten,

Ist es gar nichts, ist es heiß,

Sicher aber ist es tief,

Wenn nicht abgrundtief gespalten.

 

UdM  23.12.19

TOTALE TRANSPAFRENZ

– Schluss mit der Geheimnistuerei: Jetzt wird alles offengelegt!

– Sieh mal an, der Scheuer. Also doch.

– Scheuer doch nicht ! Der Papst.

 

UdM 19.12.19

HAARIG

Die Älteren unter uns erinnern sich vielleicht an eine Varieté-Nummer aus der Zeit als es noch Varietés gab, in der ein Mann und eine Frau in Streit gerieten, dabei handgreiflich wurden, sich, wenn auch bald durchschaubar zirzensisch, zu prügeln begannen, bis der Mann die Frau schließlich an ihrem Haarschopf packte und von der Bühne schleifte. Das Publikum, vermutlich eher das männliche, konnte sich an solchen heute nur noch schwer vorstellbaren Darbietungen sogar auf den damals noch schwarzweißen Fernsehbildschirmen bei Varieté-Sendungen ergötzen.

Nun haben Wissenschaftler der University of California in Versuchen, deren Erkenntnisinteresse auf Anhieb nicht so recht einleuchten will, die Reißfestigkeit von Behaarungen einer genauen Prüfung unterzogen. Zur Auswahl standen Borsten von Elefanten, Giraffen und Wildschweinen – von Hunden ist nicht die Rede – sowie im Vergleich die Haare von Pferd und Mensch. Dabei stellte sich heraus, dass trotz größeren Querschnitts das, was die erstgenannten Tiere auf der Haut tragen in punkto Reißfestigkeit ziemlicher Mist ist, im Gegensatz zu den sehr viel dünneren Pferde- und Menschenhaaren.

Überraschend ist das eigentlich nicht, denn schon im Alten Testament, im Buch Richter, wird Samson als in seiner Stärke unbesiegbar wegen der Zauberkraft seines Haupthaars beschrieben. Allerdings nur so lange es ihm niemand abschnitt, was bekanntlich einer gewissen Dalila gelang, weil Samson ihr sein Geheimnis, durch vorgetäuschter Liebe verblendet, eines Nachts ausplauderte. Für eine Reaktion in der Art der oben beschriebenen Varieté-Nummern war es für Samson dann natürlich zu spät.

Die wissensdurstigen Forscher der University of California haben schließlich herausgefunden, dass man an einem menschlichen Schopf zwei Elefanten aufhängen könnte.

Ich geh dann mal zum Friseur.

 

UdM 16.12.19

PATT IM PARK

Auf einem Fußgängerpfad im Park kommen ein Mann mit Hund und ein Mountainbiker auf einander zu. Der Biker ruft: „Nehmen Sie gefälligst Ihren Hund an die Leine. Hier ist Leinenpflicht!“
Der Mann mit Hund stutzt, geht ein Stück weiter, dreht sich um und ruft: „Nehmen Sie erst mal Ihr Fahrrad auf den Arm!“
H.R.