KARRIERE

Auch Wörter können Karriere machen, zum Beispiel das Wort „resilient“. In der Statistik des deutschen Wortschatzes, die einen Überblick von 1600 bis heute bietet, läßt sich an Hand einer Wortverlaufskurve die Häufigkeit des Gebrauchs nachvollziehen. Bei „resilient“ ist erst ab dem Jahr 2000 eine statistisch relevante Verwendung nachgewiesen, die jedoch von da an geradezu exponentiell zunimmt. Die Tatsache, dass das Autokorrekturprogramm „resilient“ durch „resistent“ zu ersetzen versucht und „Resilienz“ durch „Renitenz“, spricht dafür, dass der Begriff in der Alltagssprache noch nicht ganz angekommen ist.

In der Psychologie bedeutet „resilient“ die Fähigkeit, „Belastungen und negativen Einflüssen zu widerstehen und sich von Ereignissen wie schweren Erkrankungen, Katastrophen, Schicksalsschlägen wieder zu erholen.“ Eine „resiliente“ Stadt kennt zum Beispiel ihre Schwachstellen und unternimmt alles, um sich vor Katastrophen und schleichenden Veränderungen zu schützen.

Ob der Berliner Mietendeckel ein Zeichen der Resilienz des Senats ist, darüber gehen die Meinungen auseinander.

H.R.

TSCHÜSS, MR. PRESIDENT

Es ist vorbei. Wir können uns den wirklich wichtigen Fragen zuwenden. Davon gibt es im Verhältnis zu den USA genug. Aber diese unwürdige Präsidentschaft und die Lügenkampagne gegen den Ausgang der Wahlen, haben uns auf gravierende Fehler im demokratischen System der Vereinigten Staaten aufmerksam gemacht. Im Grunde wußten wir auch vorher schon, dass das mit den fairen und gerechten Wahlen, mit „one man one vote“ nicht der Realität entsprach. Diese letzte Wahl hat nur besonders klar gemacht, wie überholt das US-System ist und wie anfällig für Manipulationen unterschiedlicher Art.

Das beginnt beim Zuschnitt der Wahlbezirke, die von der im jeweiligen Bundesstaat herrschenden Partei zum eigenen Vorteil neu bestimmt werden können. Das setzt sich bei der geographischen Verteilung von Wahllokalen fort. Dass an einem Arbeitstag gewählt wird und Briefwahlen umstritten sind, kommt hinzu. Schließlich, dass nicht wer die meisten Stimmen gewonnen hat als gewählt gilt, sondern wer die meisten Wahlmänner und -frauen je nach Wahlrecht des einzelnen Bundesstaat zuerkannt bekommt.

Ob es im Kongress nach dem letzten Debakel Mehrheiten geben würde, um das gemeinsam mit den Bundesstaaten zu ändern? Kaum. Ob es bei den nächsten Wahlen in zwei Jahren besser läuft? Eher nicht. Ob wir in „Good Old Germany“ auf unser Wahlrecht stolz sein können? Schon. Obwohl: Dass Gerangel um eine Verkleinerung des – wegen der Überhangmandate ständig größer gewordenen – Bundestages zeigt, frei von Fehlern ist unser System auch nicht. Wer die Macht hat, möchte sie eben behalten.

H.R.

WAU

Emsdetten liegt südlich von Karlsburg, westlich von  Saerbeck und östlich von Steinfurt, alles Orte, die einem, ist man nicht selbst Emsdettener auf Anhieb wenig sagen. Allerdings liegt Emsdetten nur wenige Kilometer vom Münster Osnabrück International Airport entfernt. Und selbst dies würde einen vielleicht mit den Schultern zucken lassen, wüsste man nicht, dass in Emsdetten, anders als die Menschenfriseure in ganz Deutschland, auf Grund eines Verwaltungsgerichtsurteils Hundefriseure ihrem Beruf nachgehen dürfen. Mein Flugticket liegt bereit und ich belle schon ganz ordentlich.

UdM 18.01.2021

3 x CDU

So richtig spannend war der Wettbewerb um die Nachfolge von AKK nun wirklich nicht. Eigentlich fragte man sich nur, wann es endlich vorbei ist.

Aber jetzt, kurz vor Schluß, nimmt die Sache noch einmal Fahrt auf. Norbert Röttgen, der Kandidat der aus dem Nirgendwo kam, hat sich mit der FDP angelegt. Mit ihr könne die CDU nach der Bundestagswahl nicht koalieren: „Unsichere Kantonisten“, denen ein „historisches Versagen“ vorzuwerfen sei, weil sie sich einem Neuanfang mit den Grünen verweigert hätten.

Die FDP ist wütend. Röttgen agiere „taktisch unglaublich dumm“, sei für die „Habeckisierung“ der CDU und habe am Samstag schlechte Karten. Die Wut ist verräterisch, denn ohne die Option auf Jamaika oder noch besser, eine schwarz-gelbe Koalition, hat auch die FDP schlechte Karten.

Friedrich Merz wiederum hat Ärger mit der Nachhaltigkeit. Die Investmentfirma Blackrock, deren deutscher Aufsichtsratschef er war, hat zwar Nachhaltigkeit und Klimaschutz zum neuen Ziel ihrer Geschäfte erklärt, aber offenbar ist das Ziel noch in sehr weiter Ferne. Der Verweis des Kandidaten auf seine wertvollen Erfahrungen bei Blackrock, ist jetzt nicht mehr ganz so hilfreich.

Und was ist mit Armin Laschet, dem netten Menschen aus Aachen, der vor langer Zeit einmal die Hausarbeiten seiner Studenten verräumt hatte und dann – freihändig und unbeeinflußt von jeglicher Leistung – Zensuren vergab? Der NRW-Ministerpräsident hat still und leise schon die CDU-Fraktionsvorsitzenden aus fünf Bundesländern hinter sich versammelt. Wenn er jetzt einfach nichts mehr tut, hat er schon gewonnen. Wetten?

H.R.

IMAGESCHÄDLING

Jetzt trifft es ihn da, wo es wehtut: Beim Geschäft. Die Professional Golf Association of America P.G.A., Ausrichter der wichtigsten und prestigeträchtigsten Golfturniere in der Vereinigten Staaten, hat den Vertrag mit der Firma des US-Präsidenten gekündigt. In Trumps „National Golf Club“ in Bedminster New Jersey, auf dem er viele Tage seiner Präsidentschaft verbrachte, wird 2022 keines der vier wichtigsten Turniere ausgetragen.

Der Eigentümer des Platzes beschädige das Image der P.G.A., lautet die Begründung. Vom Präsidenten zum Imageschaden – auch eine Karriere. Trump ist „incredibly disappointed“. Vermutlich waren es die Demokraten, die ihm das Turnier gestohlen haben. GOLF FRAUD!

H.R.

HUND IM LOCKDOWN

Unser Hund findet die Verlängerung des Lockdowns ganz in ihrem Sinne. Es ist jetzt immer jemand zu Hause. Sie kommt viel an die frische Luft. Die Futterversorgung ist gesichert.

In Paris sollen Hundebesitzer ihr Tier an Bekannte ausleihen, damit diese einen guten Grund haben das Haus zu verlassen. Dina hätte nichts gegen eine solche Gefälligkeit, solange sie bestimmen kann, welche Leckerlis es unterwegs gibt.

H.R.

ACH SO

Dieser fanatische Mop!

Unglaublich.

Vor dem Allerheiligsten sozusagen.

Seh ich genauso.

Dieser Sturm auf die Treppen!

Empörend!

Wo war die Polizei?

Ja. Wo war die Polizei?

Es waren einfach zu wenige.

Genau. Absolut unterbesetzt.

Nicht vorbereitet.

Obwohl man damit rechnen musste.

Vordringen bis ins Innere des Gebäudes!

Belästigen und bedrohen von gewählten Volksvertretern!

Ein Angriff ins Herz der Demokratie!

Eindeutig.

Wie war so etwas möglich?

Das muss man sich ernsthaft fragen.

Und dabei diese Fahnenschwingerei!

Abstoßend. Und brandgefährlich.

Trump, Trump, Trump!

Wieso Trump? – Achso! Das meinst du! Das natürlich auch.

Was meinst du denn?

Ich meine den Sturm von Schwarzweißrot schwingenden Neonazis und Konsorten auf die Treppen des Reichstags bei den Anticoronademos und die von der AfD in den Reichstag eingeschleusten Pöbler, die unsere Volksvertreter angegangen sind.

Achso –

UdM 07.01.2021

ZWANGSMASKE

Ich habe mir in der Apotheke meine drei aus Steuergeldern (also von mir) bezahlten, ansonsten kostenlosen FFP2 Masken geholt. Die Masken kommen aus China. Vielleicht sind sie für Chinesen mit kleinen Köpfen gemacht. Wenn ich sie anziehe, stehen meine Ohren ab und ich bekomme Kopfschmerzen. Wer ist dafür verantwortlich? Ich vermute die SPD, weil sie nicht aufgepasst hat, was der Bundesgesundheitsminister so alles bestellt – oder auch nicht bestellt.

Die Chinamasken liegen jetzt in der Schublade. Vielleicht schenke ich sie meinen Enkeln. Ich benutze eine israelische Maske. Meine Ohren stehen nur ein bißchen ab. Es dauert eine halbe Stunde bis mir der Kopf wehtut. Immerhin!

H.R.

DIE VERLORENE EHRE DES TILO SARRAZIN

Aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung wissen wir jetzt, dass der ehemalige Berliner Finanzsenator eine Wette verloren hat, bei der es darum ging, wie sich die Eingriffe der Europäischen Zentralbank im Dezember 2012 auf die Inflationsrate auswirken würden. Sarrazin rechnete mit einer Steigerung um 2 bis 3 Prozent – und lag damit falsch. Das passierte auch anderen prominenten Ökonomen, aber das ist auch nicht die Geschichte.

Mit der rechthaberischen Besserwissergeste, die ihm eigen ist, erklärte Sarrazin laut FAZ: „Wenn wir innerhalb der nächsten zehn Jahre keine starke Inflation bekommen, gebe ich mein Diplom als Bonner Volkswirt zurück!“ Die zehn Jahre sind Ende 2021 um, aber eine Inflation von 2 bis 3 Prozent ist nicht in Sicht. Die angekündigte Rückgabe des Diploms allerdings auch nicht. Das komme natürlich nicht in Frage, sagt Sarrazin heute, er „versuche gleichwohl, ständig neu zu lernen.“

Grundsätzlich ist derartige Lernbereitschaft bei einem wirtschafts- und gesellschaftspolitischem Populisten wie Sarrazin zu begrüßen. Seine Wettschuld jedoch kann er als Ehrenmann dadurch nicht begleichen. Entweder ist das Diplom futsch oder die Ehre. Sarrazin entscheiden Sie sich!

H.R.

KUNSTHANDWERK

Ein Holzkünstler aus dem Erzgebirge hat den Virologen Christian Droste von der Berliner Charité als Räuchermännchen verewigt. Angeblich ist die Nachfrage im In- und Ausland überwältigend. Die Grundidee läßt sich ausweiten und damit auch andere Kunsthandwerker ins Geschäft bringen.

Zum Beispiel der Chefredakteur der Bildzeitung als wütender Gartenzwerg, der Bundeswirtschaftsminister als Nussknacker, der Bundesgesundheitsminister als Pfeifenkopf, der bayerische Ministerpräsident als Bierkrug mit Deckel und Friedrich Merz als Türstopper.

H.R.