POWER AND THE DOG

Washingtoner Politiker haben Hunde. Bei Berliner Politikern und Politikerinnen scheint das eher selten vorzukommen. Seit Johannes Rau Bundespräsident war (und das ist lange her), wurden Hunde im Schloss Bellevue nicht öffentlichkeitskundig. Im Zusammenhang mit Angela Merkel werden auch keine Haustiere erwähnt, und dass sie Angst vor Hunden hatte, wußte Putin bei einem Staatsbesuch in Moskau auf unangenehme Weise zu nutzen.

Da es um die Popularität des derzeitigen Bundeskanzler nicht sehr gut bestellt ist, könnte möglicherweise die Anschaffung eines passenden Hundes sein Image aufbessern. Aber welcher Hund passt zu Olaf Scholz? Eine nicht unerhebliche Frage, da oft Rückschlüsse vom Hund auf den Herrn gezogen werden.

Dina meint, ein Dackel sei der geeignete Partner. Dackel seien stur und eigenwillig, keine Schoßhunde, ausdauernd, mutig und beharrlich. Sie seien als Hunde Alleingänger, aber vom Wesen her treue Begleiter. Mit dem berühmten Dackelblick und ausdauerndem Schweigen könnten sie viel erreichen. Würden sie allerdings schlecht erzogen, wüchsen in einem ungünstigen Umfeld auf, würden sie schnell eigenwillig und stur.

Auf jeden Fall ist der von der Keltenbracke abstammende Dackel bei den Deutschen (im Prinzip) sehr beliebt.

H.R.

IM TUNNEL

Eben auf dem U-Bahnhof Deutsche Oper. Der Zug fährt ein, Fahrgäste steigen ein und aus, der Warnton blökt, die Türen schließen sich. Der Zug steht. Die Türen gehen wieder auf, die scharfe Berliner Stimme des Zugführers schnauzt:

– Derjenige, der eben seinen Müll auf den Bahnsteig jeschmissen hat, aufheben! Sofort!

Nichts geschieht. Der Bahnsteigvermüller baut offensichtlich auf seine Anonymität, jedenfalls steigt niemand aus, um Müll zu entfernen. Nochmal die Schnauzstimme:

– Aufheben! Der Bahnsteig is’ kein Mülleimer!

Dann schließen die Türen und der Zug fährt ab, ohne dass die leere Zigarettenschachtel, oder was auch immer es gewesen sein mag aufgehoben wurde.

Der Zugführer hatte Recht. Nur ehe er seinen strickten Befehl bellte, hätte er überlegen müssen, was er im Fall einer Nichtbefolgung für Durchsetzungsmöglichkeiten hat. Keine nämlich, er musste weiterfahren.

Mir kamen Corona-Maßnahmen in den Sinn.

Zudem fuhr der Zug in Richtung Pankow, obwohl die Leuchtschrift vorn am Zug die Gegenrichtung, Theodor Heuss Platz, anzeigte. Der Zugführer, im Kleinen eifrig, war beim Großen Ganzen also eher schlampig.

Auch das kam mir irgendwie bekannt vor.

Die Richtung stimmt, aber es hapert an der Zielgenauigkeit.

UdM

PROTEST

Eben kam die Postbotin. Ihr gelbes E-Auto ist für Dina eine Provokation. Wenn es noch gar nicht zu sehen ist, rennt sie bereits laut bellend los, um den Eindringling zu vertreiben. Ist die Postbotin dann an der Tür, wird sie leise protestierend akzeptiert.

Heute begrüßte uns die Dame von der Post mit dem Satz: „Richtiges Hundewetter!“ Stieg in ihr gelbes Mobil und fuhr lautlos davon. Dina sah mich fragend an. „Hundewetter? Wieso Hundewetter!“ Ganz offensichtlich empfand sie diesen Begriff als diskriminierend.

„Was,“ so entnahm ich ihren Blicken, „haben Hunde mit schlechtem Wetter zu tun?“ Wenn schon, gehe das doch eher zu Lasten der umweltzerstörenden menschlichen Rasse. Also weg mit Hundewetter, temps de chien und hondenwetter.

„Wie,“ fragte ich, „wäre es denn mit Sauwetter?“ Dina ging kurz am Wassernapf vorbei und brummte leise vor sich hin. Wenn ich sie richtig verstanden habe, hätte sie keine Einwände, wenn der Begriff sich auf bestimmte, unangenehme Exemplare der Gattung Mensch bezöge.

Anschließend riefen wir im Internet den Begriff „Hundewetter“ auf. Als ersten Eintrag fanden wir:

„Salonlöwe – die ideale Matte bei Hundewetter. € 39,95 plus Versandkosten.“ Dina schüttelte den Kopf und legte sich schlafen.

H.R.

SCHWERER TRAUM

Bei Tiefdruck träume ich schwer. Oder auch schlecht, man könnte auch sagen, ich albträume. Mir träumte, ich hätte mit dem Minister gesprochen.

– Herr Minister, es hat sich herausgestellt, dass die gesetzliche Impfpflicht für das Personal im Gesundheitswesen bis zum 16.März nicht realisiert werden kann. Aus organisatorischen Gründen. Wäre es da nicht klüger gewesen, zuerst die organisatorischen Möglichkeiten zu prüfen und dann erst einen Termin gesetzlich vorzuschreiben, und droht dasselbe Problem nicht auch bei einer Allgemeinen Impfpflicht? Also sollten nicht erst die Umsetzungsmöglichkeiten geprüft werden, ehe man sie beschließt und auch schon einen Termine für das Inkrafttreten festlegt?

– Das wäre eine sehr also naive Herangehensweise. Ich werde Ihnen ein sehr einfaches Beispiel nennen. Sie kaufen sich einen Hund, weil Sie sich davon allerlei also Positives versprechen. Nun ist der Hund aber sehr ungehorsam, er beißt den Postboten und vergrault Ihre Freunde. Das erfahren Sie aber erst, wenn Sie sich den Hund angeschafft haben. Und so ist es auch mit der Impfpflicht. Egal ob wir uns hinterher über sie ärgern, oder ob sie organisatorisch überhaupt also umsetzbar, nützlich oder vielleicht vollkommen nutzlos ist, das also wissen wir erst, wenn wir sie haben.

– Ja, aber einen Hund kann ich doch nicht einfach wieder abschaffen, den hab ich dann für Jahre, vielleicht Jahrzehnte.

– Sehen Sie, und genauso ist es mit der also Impfpflicht, verstehen Sie was ich meine?

– Ich fürchte, ja.

Wie gesagt, es war nur ein schwerer Traum.

UdM

DER TRAUERDONGO

Der Trauerdrongo ist, ganz anders als sein Name vermuten lässt, ein außerordentlich lustiger, mehr noch listiger Vogel. Er kann, wird berichtet, die Alarm- und Warnrufe von bis zu fünfzig Tierarten imitieren, nicht nur die von anderen Vögeln, sondern, wird ebenfalls berichtet, beispielsweise auch die von Erdmännchen. Stößt der Trauerdongo deren Warnruf, wie sie ihn bei der Bedrohung durch einer Schlange nutzen aus, flüchten die Erdmännchen unter Zurücklassung ihrer Nahrung. Über die macht sich dann der Trauerdongo her.

Menschliche Trauerdongos sind in Zeiten von Corona ebenfalls Meister im Warnen. Sie klauen ihren Mitbürgern zwar nicht das Frühstück, rauben ihnen aber Lebensfreude. Mitunter erwarnen sie sich sogar ein Amt.

UdM

FUTTERVERWEIGERUNG

Vorgestern war es soweit: Nach Wochen klaglosen Verzehrs ihres Diätfutters, verweigerte Dina jede weitere Mahlzeit. Abrupt hörte sie nach wenigen Bissen auf, zu fressen. Hatte sie entschieden, ihr Idealgewicht erreicht zu haben? Hatten sich fremde Geschmacksnoten ins Trockenfutter eingeschlichen? Gab es in den von Futalis in Einzeltüten abgepackten Tagesportionen Veränderungen? Stimmte etwas mit dieser speziellen Tüte nicht? Fragen über Fragen.

Eine neue Tüte brachte keine Veränderung. Hunde, insbesondere Collies, können sehr verächtlich gucken. Dina tat es.

Könnte der Hund krank sein? Trinkt sie? Spielt sie? Rennt sie? Schmust sie? Ist die Nase feucht? Zwei Tage ging das so. Dina wirkte völlig normal, nur von ihrem Futter wollte sie absolut nichts wissen. Zur Sicherheit bekam sie ein wenig vom allseits beliebten Allheilmittel für magenkranke Hunde – körniger Frischkäse. War sofort weg!

Besorgter morgendlicher Anruf bei der Tierärztin: Anrufbeantworter. Anruf auf dem Handy: Keine Reaktion. SMS-Nachricht: Was sollen wir tun? Endlich am Abend die Botschaft aus dem Skiurlaub:

„Ignorieren!“

Haben wir gemacht. Dina frisst wieder!

H.R.

FINANZAUSGLEICH

„Ein Friseur“, lese ich im Internet, “ ist eine Fachkraft für die Pflege des Kopfhaares und die Gestaltung der Frisur.“ Friseur kommt aus dem Französischen und ist abgeleitet von „friser“ – kräuseln. Ein besserer Friseur ist ein „Coiffeur“, wie Friseure in der Schweiz genannt werden. Ein noch besserer Friseur ist ein „Hairstylist“ und besonders teuer.

Weder Friseure noch Stylisten waren bisher für Geschlechtergerechtigkeit zuständig. Das will ein Berliner Coiffeur, der sich im oberen Preissegment bewegt, nun ändern. Er findet es nicht länger zeitgemäß, dass ein Damenhaarschnitt teuerer ist als ein Herrenhaarschnitt. Damen zahlen bei ihm €90, Herren €70.

Nun gäbe es ja diverse (!) Möglichkeiten diese Ungerechtigkeit aus der Welt zu schaffen. Damen wie Herren könnten künftig €70 zahlen, was aber erhebliche Einkommensverluste zur Folge hätte. Auch eine Absenkung des Damenhaarschnittpreises auf €80 und eine Anhebung bei den Herren auf die selben €80 Euro wäre eine Möglichkeit.

Der Hauptstadtcoiffeur, der – wie der Volksmund weiß – es „schwör“ hat, entschied sich für einen geschlechtergerechten Finanzausgleich zu seinen Gunsten: Männer wie Frauen zahlen künftig €90!

H.R.

EINEINHALB BVG-METER

Weil, grade auch im Berufsverkehr, die Eineinhalbmeter-Coronaabstandsregel immer wieder missachtet wird, hat die BVG zur Orientierung, worum es sich bei Eineinhalbmetern handelt auf die U-Bahnsteige unübersehbare große gelbe Kreise, geklebt, auf denen sich neben dem Hinweis auf die Abstandsregel die Aufschrift ‚Fünf Kästen Bier sind 1,5 Meter’ befindet. Dazu, zur Veranschaulichung, ein stilisierter liegender Turm aus fünf Getränkekisten.

Ist man kein habitueller Biertrinker, geht man, um in Zukunft bei der Nutzung der BVG keinen Fehler zu begehen wie folgt vor:

Man ordert bei einem Getränkeservice fünf Kästen Bier. Wenn man nach zwei bis drei Tagen seinen Rausch ausgeschlafen hat – auch für gewohnheitsmäßige Biertrinker sind sechzig Flaschen keine Kleinigkeit – entfernt man, wenn sie nicht ohnehin in der Wohnung verstreut liegen, die leeren Flaschen aus den Bierkästen, die man sodann sauber zu einem Turm übereinander stapelt. Nun legt man den Turm vorsichtig auf die Seite. (Achtung: Das gelingt selten schon beim ersten Mal.) Liegt der Turm gerade und mit korrekt ineinandergeschobenen Kästen, lehnt man gegen die eine Schmalseite einen Besen und zwar so, dass der Besenstiel absolut senkrecht steht. Schon eine geringe Schieflage verfälscht das Ergebnis.

Sich selbst stellt man dem Besenstiel aufrecht gegenüber und achtet darauf, wegen möglichen Restalkohols, nicht zu schwanken. Fixiert man nun den Besenstil, hat man eine sehr genaue Vorstellung von Eineinhalb BVG-Metern.

Man trinkt dann zwar für lange Zeit kein Bier mehr, nutzt die U-Bahn nur noch Sonntags früh oder kurz vor Betriebsschluss, wenn die Eineinhalbmeter- Abstandsregel zu anderen Fahrästen eingehalten werden kann, gratuliert der BVG aber unbedingt zu dieser gelungenen Abstandsregelwerbung.

UdM

MÜLL

Auf dem Mittelstreifen-Fußgängerübergang Kant-/Ecke Bleibtreustraße liegt seit geraumer Zeit ein Türblatt. Ein zerschrammtes, großes Berliner Altbautürblatt, das dort eindeutig nicht hingehört. Nun ist die Kantstraße nicht irgendeine verborgene vermüllte Berliner Ecke, wo sich Ordnungskräfte selten hinverirren, sondern an diesem Türblatt, das inzwischen mit Graffiti verziert ist, und an dem Hunde Informationen austauschen, fahren in etwa Halbstundenabständen Polizeifahrzeuge vorbei, etwas seltener, aber doch häufig genug Fahrzeuge des Ordnungsamtes, kurz: Es handelt sich um eine der Hauptverkehrsstraßen der Hauptstadt. Auch wenn die Polizei-und Ordnungsamtsfahrzeuglenker gehalten sind, geradeaus zu sehen, kann ihnen das gegen die Mittelstreifenumzäunung gelehnte Türblatt nicht entgangen sein, denn an dieser Kreuzung wird der Verkehr durch eine Ampel geregelt. Polizei und Ordnungsamt sind also gezwungen dort zuweilen zu halten, was die Möglichkeit einschließt, nach rechts und links aus dem Fenster zu sehen. Für das Entfernen von auf Fußgängerüberwegen an Hauptverkehrsstraßen abgelegte Türblätter sind also offenbar weder Polizei noch Ordnungsamt zuständig.

Ganz anders ist es da zum Beispiel in Essen. Da sieht die Polizei nicht nur aus ihren Autos zum Erspähen von Unzulässigem, auch von Müll hinaus, sie sieht auch in andere Autos hinein. Und dabei fiel ihr ein nebenher fahrendes, bis in den Fußraum des Fahrers vermülltes Auto auf. Das missfiel den Ordnungshütern so sehr, dass sie eine ‚Aufräumfrist’ setzten.

Vielleicht hat ja die Berliner Polizei oder das Ordnungsamt am Fußübergang Kant-/Ecke Bleibtreustraße wem auch immer auch eine Aufräumfrist gesetzt. Nur dauert es dann wohl, wie häufig in Berlin, mit der Umsetzung etwas länger. Abwarten.

Den Hunden übrigens gefällt’s.

UdM

LETZTE WAHRHEITEN

Der härteste Knüppel war am Ende nicht immer das intelligenteste Schwert.

Annalena Baerbock

Außenministerin

Die dickste Harpune fängt am Ende nicht immer die leckerste Sprotte.

Manne Sievers

Fischfachverkäufer

UdM