PAPIERMANGEL

Die Krankenkassen halten die Einführung einer allgemeinen Impfpflicht für nicht umsetzbar. Es gäbe nicht ausreichend Papier, die Betroffenen anzuschreiben, berichtet die Bild-Zeitung aus gut unterrichteten Krankenkassenkreisen. Der Vorschlag, das Erscheinen der Bild-Zeitung für einen Tag einzustellen und das so freigewordenen Papier für den guten Zweck zu verwenden steht im Raum. Dem Ansinnen, die Benachrichtigungen auf derzeit ausreichend vorhandenem Toilettenpapier zu drucken wurde eine Absage erteilt, da allein die Veröffentlichung einer solchen Nachricht zu ähnlichen Hamsterkäufen wie bei Beginn der Pandemie führen würde.

Demnächst in der Bild-Zeitung: BITTERE TRÄNEN IM HORT. Die kleine Silke fragt ihre Erzieherin schluchzend: Wenn es kein Papier mehr gibt, kann ich dann Omi keinen Brief aus den Osterferien schreiben?

UdM

ANSICHTSSACHE

Meine Frau ist letzte Woche beim Hundespaziergang einem kleinen Mädchen mit seiner Mutter begegnet. „Guck mal, ein großer dicker Hund!“ sagte das Mädchen zur Mutter. „Der Hund ist nicht dick. Er hat nur ein dickes Fell!“ antwortete die Mutter, als sei sie sich unserer Sensibilität bewußt, was Dinas aktuelles Gewicht betrifft.

Seit sich herumgesprochen hat, dass Dina abnehmen soll, vergeht kaum ein Tag, an dem nicht ungefragt Freunde oder Bekannte (selbst sehr flüchtige Bekannte) anmerken, Dina sei schlanker geworden, ihre Taille sei deutlich sichtbarer. Ich höre mir das an und plädiere für eine Objektivierung durch die Waage der Tierärztin.

Möglicherweise gehen wir diesmal zu unserer früheren Tierärztin. Dort gibt es eine andere Waage.

H.R.

PERSPEKTIVWECHSEL

Gestern stand ich in einem dieser Flughafenaufzüge in die 20 Menschen passen. Es war ziemlich voll. Dann kamen noch drei Russen. Plötzlich waren wir alle Ukrainer.

So sind die Menschen!

H.R.

RÜCKSCHRITT

Die Corona bedingten Einschränkungen werden gelockert, russische Panzer ziehen sich von der Grenze der Ukraine zurück, die Schneeglöckchen blühen. Alles könnte gut sein, hätte Dina nicht wieder zugenommen. Sie wiegt jetzt mehr als vor Beginn der Diät.

Für übergewichtige Menschen dürfte das keine besondere Überraschung sein. Sie kennen das Auf-und-Ab, auch Yoyo-Effekt genannt. Uns hat Yoyo heute morgen völlig unerwartet erwischt. Und natürlich ist Dina völlig unschuldig, denn sie bekommt ihre Futterrationen ja nur zugeteilt.

Um Dina das Futter nach der Fressweigerung schmackhaft zu machen, hatten wir einem Tipp der Futterhersteller folgend, mal ein wenig Rinderbrühe, mal ein wenig Frischkäse darunter gemischt. Offenbar zu viel! Und nun? Antwort der Tierärztin auf die Frage, was wir denn jetzt machen sollen, falls Dina wieder das Futter verweigert: „Wie schon beim letzten Mal – einfach ignorieren. Tiere wie Menschen können bis zu drei Wochen ohne Essen auskommen.“

An der Stelle fiel mir die Äußerung unseres früheren Hundesitters Jazek ein: „Die Menschen sind das Problem, nicht die Hunde.“

H.R.

POWER AND THE DOG

Washingtoner Politiker haben Hunde. Bei Berliner Politikern und Politikerinnen scheint das eher selten vorzukommen. Seit Johannes Rau Bundespräsident war (und das ist lange her), wurden Hunde im Schloss Bellevue nicht öffentlichkeitskundig. Im Zusammenhang mit Angela Merkel werden auch keine Haustiere erwähnt, und dass sie Angst vor Hunden hatte, wußte Putin bei einem Staatsbesuch in Moskau auf unangenehme Weise zu nutzen.

Da es um die Popularität des derzeitigen Bundeskanzler nicht sehr gut bestellt ist, könnte möglicherweise die Anschaffung eines passenden Hundes sein Image aufbessern. Aber welcher Hund passt zu Olaf Scholz? Eine nicht unerhebliche Frage, da oft Rückschlüsse vom Hund auf den Herrn gezogen werden.

Dina meint, ein Dackel sei der geeignete Partner. Dackel seien stur und eigenwillig, keine Schoßhunde, ausdauernd, mutig und beharrlich. Sie seien als Hunde Alleingänger, aber vom Wesen her treue Begleiter. Mit dem berühmten Dackelblick und ausdauerndem Schweigen könnten sie viel erreichen. Würden sie allerdings schlecht erzogen, wüchsen in einem ungünstigen Umfeld auf, würden sie schnell eigenwillig und stur.

Auf jeden Fall ist der von der Keltenbracke abstammende Dackel bei den Deutschen (im Prinzip) sehr beliebt.

H.R.

IM TUNNEL

Eben auf dem U-Bahnhof Deutsche Oper. Der Zug fährt ein, Fahrgäste steigen ein und aus, der Warnton blökt, die Türen schließen sich. Der Zug steht. Die Türen gehen wieder auf, die scharfe Berliner Stimme des Zugführers schnauzt:

– Derjenige, der eben seinen Müll auf den Bahnsteig jeschmissen hat, aufheben! Sofort!

Nichts geschieht. Der Bahnsteigvermüller baut offensichtlich auf seine Anonymität, jedenfalls steigt niemand aus, um Müll zu entfernen. Nochmal die Schnauzstimme:

– Aufheben! Der Bahnsteig is’ kein Mülleimer!

Dann schließen die Türen und der Zug fährt ab, ohne dass die leere Zigarettenschachtel, oder was auch immer es gewesen sein mag aufgehoben wurde.

Der Zugführer hatte Recht. Nur ehe er seinen strickten Befehl bellte, hätte er überlegen müssen, was er im Fall einer Nichtbefolgung für Durchsetzungsmöglichkeiten hat. Keine nämlich, er musste weiterfahren.

Mir kamen Corona-Maßnahmen in den Sinn.

Zudem fuhr der Zug in Richtung Pankow, obwohl die Leuchtschrift vorn am Zug die Gegenrichtung, Theodor Heuss Platz, anzeigte. Der Zugführer, im Kleinen eifrig, war beim Großen Ganzen also eher schlampig.

Auch das kam mir irgendwie bekannt vor.

Die Richtung stimmt, aber es hapert an der Zielgenauigkeit.

UdM

PROTEST

Eben kam die Postbotin. Ihr gelbes E-Auto ist für Dina eine Provokation. Wenn es noch gar nicht zu sehen ist, rennt sie bereits laut bellend los, um den Eindringling zu vertreiben. Ist die Postbotin dann an der Tür, wird sie leise protestierend akzeptiert.

Heute begrüßte uns die Dame von der Post mit dem Satz: „Richtiges Hundewetter!“ Stieg in ihr gelbes Mobil und fuhr lautlos davon. Dina sah mich fragend an. „Hundewetter? Wieso Hundewetter!“ Ganz offensichtlich empfand sie diesen Begriff als diskriminierend.

„Was,“ so entnahm ich ihren Blicken, „haben Hunde mit schlechtem Wetter zu tun?“ Wenn schon, gehe das doch eher zu Lasten der umweltzerstörenden menschlichen Rasse. Also weg mit Hundewetter, temps de chien und hondenwetter.

„Wie,“ fragte ich, „wäre es denn mit Sauwetter?“ Dina ging kurz am Wassernapf vorbei und brummte leise vor sich hin. Wenn ich sie richtig verstanden habe, hätte sie keine Einwände, wenn der Begriff sich auf bestimmte, unangenehme Exemplare der Gattung Mensch bezöge.

Anschließend riefen wir im Internet den Begriff „Hundewetter“ auf. Als ersten Eintrag fanden wir:

„Salonlöwe – die ideale Matte bei Hundewetter. € 39,95 plus Versandkosten.“ Dina schüttelte den Kopf und legte sich schlafen.

H.R.

SCHWERER TRAUM

Bei Tiefdruck träume ich schwer. Oder auch schlecht, man könnte auch sagen, ich albträume. Mir träumte, ich hätte mit dem Minister gesprochen.

– Herr Minister, es hat sich herausgestellt, dass die gesetzliche Impfpflicht für das Personal im Gesundheitswesen bis zum 16.März nicht realisiert werden kann. Aus organisatorischen Gründen. Wäre es da nicht klüger gewesen, zuerst die organisatorischen Möglichkeiten zu prüfen und dann erst einen Termin gesetzlich vorzuschreiben, und droht dasselbe Problem nicht auch bei einer Allgemeinen Impfpflicht? Also sollten nicht erst die Umsetzungsmöglichkeiten geprüft werden, ehe man sie beschließt und auch schon einen Termine für das Inkrafttreten festlegt?

– Das wäre eine sehr also naive Herangehensweise. Ich werde Ihnen ein sehr einfaches Beispiel nennen. Sie kaufen sich einen Hund, weil Sie sich davon allerlei also Positives versprechen. Nun ist der Hund aber sehr ungehorsam, er beißt den Postboten und vergrault Ihre Freunde. Das erfahren Sie aber erst, wenn Sie sich den Hund angeschafft haben. Und so ist es auch mit der Impfpflicht. Egal ob wir uns hinterher über sie ärgern, oder ob sie organisatorisch überhaupt also umsetzbar, nützlich oder vielleicht vollkommen nutzlos ist, das also wissen wir erst, wenn wir sie haben.

– Ja, aber einen Hund kann ich doch nicht einfach wieder abschaffen, den hab ich dann für Jahre, vielleicht Jahrzehnte.

– Sehen Sie, und genauso ist es mit der also Impfpflicht, verstehen Sie was ich meine?

– Ich fürchte, ja.

Wie gesagt, es war nur ein schwerer Traum.

UdM

DER TRAUERDONGO

Der Trauerdrongo ist, ganz anders als sein Name vermuten lässt, ein außerordentlich lustiger, mehr noch listiger Vogel. Er kann, wird berichtet, die Alarm- und Warnrufe von bis zu fünfzig Tierarten imitieren, nicht nur die von anderen Vögeln, sondern, wird ebenfalls berichtet, beispielsweise auch die von Erdmännchen. Stößt der Trauerdongo deren Warnruf, wie sie ihn bei der Bedrohung durch einer Schlange nutzen aus, flüchten die Erdmännchen unter Zurücklassung ihrer Nahrung. Über die macht sich dann der Trauerdongo her.

Menschliche Trauerdongos sind in Zeiten von Corona ebenfalls Meister im Warnen. Sie klauen ihren Mitbürgern zwar nicht das Frühstück, rauben ihnen aber Lebensfreude. Mitunter erwarnen sie sich sogar ein Amt.

UdM

FUTTERVERWEIGERUNG

Vorgestern war es soweit: Nach Wochen klaglosen Verzehrs ihres Diätfutters, verweigerte Dina jede weitere Mahlzeit. Abrupt hörte sie nach wenigen Bissen auf, zu fressen. Hatte sie entschieden, ihr Idealgewicht erreicht zu haben? Hatten sich fremde Geschmacksnoten ins Trockenfutter eingeschlichen? Gab es in den von Futalis in Einzeltüten abgepackten Tagesportionen Veränderungen? Stimmte etwas mit dieser speziellen Tüte nicht? Fragen über Fragen.

Eine neue Tüte brachte keine Veränderung. Hunde, insbesondere Collies, können sehr verächtlich gucken. Dina tat es.

Könnte der Hund krank sein? Trinkt sie? Spielt sie? Rennt sie? Schmust sie? Ist die Nase feucht? Zwei Tage ging das so. Dina wirkte völlig normal, nur von ihrem Futter wollte sie absolut nichts wissen. Zur Sicherheit bekam sie ein wenig vom allseits beliebten Allheilmittel für magenkranke Hunde – körniger Frischkäse. War sofort weg!

Besorgter morgendlicher Anruf bei der Tierärztin: Anrufbeantworter. Anruf auf dem Handy: Keine Reaktion. SMS-Nachricht: Was sollen wir tun? Endlich am Abend die Botschaft aus dem Skiurlaub:

„Ignorieren!“

Haben wir gemacht. Dina frisst wieder!

H.R.