UMBENNEN

Vor sechsundvierzig Jahren, im Januar 1979 wurde im Deutschen Fernsehen die amerikanische TV-Serie Holocaust in die deutschen Wohnzimmer gesendet. Das Schicksal des jüdischen Berliner Arztes Weiss und seiner Familie war ein Fernseh-Ereignis. Es war ein Ereignis, weil die Ermordung der europäischen Juden auf ungewöhnliche Weise vermittelt wurde. Als Unterhaltungsserie. Es war ein Ereignis, weil dieser Serie gelang, was sehr vielen vorangegangenen, zum Teil sehr guten Dokumentationen über die Vernichtung der Juden in Auschwitz und an vielen anderen Schreckensorten verwehrt geblieben war: Sie hat die Menschen bewegt, erschüttert, hat bei den deutschen Zuschauern zum ersten Mal fühlbar gemacht, wie verbrecherisch der deutsche Faschismus Leben zerstört hat. Was für eine nie wieder gut zu machende Schuld wir Deutsche auf uns geladen haben.

Durch die Serie Holocaust wurde das Wort zum Synonym für diese Schuld. Vor fast einem halben Jahrhundert stand das Wort Holocaust im Bewusstsein der Bevölkerung für das Schreckliche, für die nationalsozialistischen Verbrechen schlechthin.

Tut es das heute auch noch? Hat das Wort nicht seinen Schrecken verloren? Ist Holocaust, ein Fremdwort, im Klang nicht viel zu geschmeidig für heutige Ohren?

Wird es überhaupt noch verstanden, in einer Zeit, in der Rechtsradikale der AfD längst begonnen haben, die Schuld-Geschichte der Deutschen zum Fliegenschiss umzuschreiben? Sollte man den Holocaust-Gedenktag nicht endlich umbenennen zu dem, was er wirklich sein sollte: 

Gedenktag an die Judenermordung?!

UdM   

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