SCHAD’T DIR JANISCHT ?

Wenn ich als Kind trotz eindringlicher Warnung meiner strengen Großmutter der Versuchung durch eine Pfütze zu laufen nicht widerstehen konnte, ich darauf, wie vorhergesagt, nasse Füße hatte, die sehr schnell kalt wurden, was häufig zu Tränen führte, bekam ich das heute kaum noch gebräuchliche ‚Schad’t dir janischt!’ zu hören. Gemeint war: Das hast du nun davon. Eine logische Verbindung zwischen einem Fehlverhalten und seinen unangenehmen Folgen. Ursache erzeugt Wirkung.

Dazu gibt es eine Berliner Variante. Sie geht so: Ein Kind sagt anklagend zu seinen Eltern: ‚Schad’t euch janischt, wenn mir die Finger frier’n, warum kooft’er mir keene Handschuhe!’

Der Witz besteht darin, dass das Prinzip Ursache erzeugt Wirkung auf den Kopf gestellt ist: Schuldlos bestraft. Warum die Eltern dem Kind keine Handschuhe kaufen kann verschiedene Gründe haben. Vielleicht findet der Vater, die Mutter müsste die Handschuhe vom Haushaltsgeld bezahlen, vielleicht findet die Mutter, der Vater sei für derartige Ausgaben zuständig. Wie auch immer: Leidtragend ist das Kind mit seinen frierenden Händen, machtlos gegenüber dem Streit ums Portmonee.

Das kam mir in den Sinn, als ich gestern Fernsehaufnahmen und Bilder von deutschen Flughäfen sah: Weit über zweihunderttausend ratlose, verzweifelte, wütende Menschen, die ihre Geschäftstermine nicht wahrnehmen konnten, Familienbesuche absagen mussten, Urlauber, die ihr Ferienziel nicht erreichten, In- und Ausländer, die ihren Rückflug nicht antreten konnten.

 

UdM  16.01.19

NUN ABER WIRKLICH?

Auch Nichthundebesitzer mag interessieren, wie man etwas gesetzlich verbieten und zugleich erlauben kann. So etwas gibt’s nicht? In Berlin schon.

Ab 1.1.2019 soll nun aber wirklich der Leinenzwang, der bereits für den 1.1.2018 angekündigt war auch in Berlin gelten. Ehe ich Emma, zehn Jahre alt, sehr friedlich, ihre bisherige Freiheit nehme, möchte ich wissen, was nun im einzelnen Sache ist. Gelesen habe ich in der Presse recht viel, zum Teil Widersprüchliches. Dass die Anleinpflicht für so alte Hunde, wie Emma einer ist nämlich gar nicht gilt. Das man sich das aber bei einer Behörde bestätigen lassen muss. Bei welcher? Ich werfe das Notebook an und suche im Internet BERLIN.DE. Klappt auf Anhieb. Suchbegriff eingeben: Leinenzwang. Das ist zwar der falsche Begriff, aber die Berliner Website öffnet dennoch ‚Hundegesetz von Berlin’. Zehn Seiten! Leinenpflicht dankenswerter Weise schon auf Seite 2. Sie besteht in öffentlichen Grünflächen, Waldflächen, auf Sport und Campingplätzen, in Treppenhäusern und, und, und. Von öffentlichen Straßen, dort, wo ich mit Emma Gassi gehe, keine Rede. Ich durchforste den Gesetzestext bis zum Ende. Kein Wort über Leinenzwang auf öffentlichen Straßen. Dann auf Seite 9:

Das vorstehende Gesetz wird hiermit verkündet. Der Regierende Bürgermeister –Nanu: Klaus Wowereit. Klaus Wowereit – das ist eine Weile her. Mindestens solange wie der BER nicht eröffnet wurde.

Der Amateur im Lesen von Gesetzestexte hat Seite 10 nicht beachtet:

Die im Internetauftritt der Senatsverwaltung für Gesundheit, Soziales und Verbraucherschutz abrufbaren Gesetzestexte sind nicht die amtliche Fassung. Ich lese es einigermaßen fassungslos. Was denn nun? Diese finden Sie nur im Berliner Amtsblatt, das vom Berliner Kulturbuchverlag herausgegeben wird.

Wäre es nicht schön, wenn so ein Satz nicht erst auf Seite 10, sondern schon auf Seite 1 stünde? Nur mal so als kleine Anregung.

Also: Internetsuche nach Berliner Kulturbuchverlag. Gibt es tatsächlich. Im Bereich Verbraucherschutz gebe ich jetzt gleich den korrekten Begriff ein: Leinenpflicht.

Und da steht:

Nach dem neuen Hundegesetz gilt eine allgemeine Leinenpflicht im öffentlichen Raum. Mit Inkrafttreten der Durchführungsverordnung sind Hunde danach außerhalb von ausgewiesenen Hundeauslaufgebieten/Hundegärten und Privatgrundstücken GRUNDSÄTZLICH AN DER LEINE ZU FÜHREN. Ausnahmeregelungen von dieser allgemeinen Leinenpflicht gelten ebenfalls erst mit Inkrafttreten dieser Rechtsverordnung. Bis dahin gelten die Regelungen zur Leinenpflicht des bisherigen (alten) Hundegesetzes weiter, wonach Hunde in bestimmten Bereichen der Stadt (unbelebte Straßen und Plätze, Brachflächen etc.) NOCH UNGELEINT GEFÜHRT WERDEN DÜRFEN.

Gilt ab dem Inkrafttreten der Rechtsverordnung am. 01.Januar 2019.

 

Ich habe beschlossen, dass die Straßen, in denen ich mit Emma Gassi gehe, unbelebt sind, solange nicht amtlicherseits beschrieben wird, was eine belebte Straße ist.

Den aktuellen Text trage ich ausgedruckt für den Konfliktfall mit einer Ordnungskraft bei mir und freue mich als Bürger dieser Stadt, dass bei aller vorangehenden Aufgeregtheit doch so angenehm Vieles bis auf weiteres beim Alten bleibt.

 

UdM  08.01.19

WILL SCHOLZ KANZLER?

„Bild am Sonntag“ hat unter der Schlagzeile „Scholz will Kanzler“ ein langes Interview mit dem Bundesfinanzminister abgedruckt. Auf die Frage: „Trauen Sie sich Bundeskanzler denn zu?“ antworte Olaf Scholz laut „Bild“: „Ja.“ Dieses „Ja“ führte zu Erregungszuständen in der veröffentlichten Meinung und natürlich in der SPD. „Der spinnt. Die SPD liegt bei 15%. Was soll der Quatsch. Der will die Nahles fertigmachen…“

Hier ist der Wortlaut des Interviews, wie es wirklich stattgefunden hat.

Frage: Trauen Sie sich Bundeskanzler denn zu?

Scholz: Nein!

Frage: Aber als Vizekanzler müssen Sie sich das doch zutrauen.

Scholz: Quatsch! Als Vizekanzler ist man bei Merkel und Nahles doch der letzte Depp.

Frage: Aber Sie sind doch Finanzminister, waren Bürgermeister von Hamburg.

Scholz: Na und!

Frage: Können wir das Interview, ob Sie sich Bundeskanzler zutrauen, nochmal wiederholen?

Scholz: Ja. Das traue ich mir zu.

H.R.

 

 

 

HUNDE IN DER NACHT

Im Zusammenleben von Mensch und Hund gibt es Situationen, die dazu geeignet sind auch die Mensch-Mensch-Beziehungen auf die Probe zu stellen. Eine solch kritische Situation entsteht zum Beispiel, wenn der Familienhund ein Verdauungsproblem hat.
Nach dem abendlichen Gassigang legen sich Hund und Mensch zur Ruh, machen ihre Äuglein zu, bis gegen Mitternacht ein leises Wimmern ins Schlafzimmer dringt.
Dann stellt sich meist die Frage, wer dieses Wimmern am längsten ignorieren kann. Bei gemischt geschlechtlichen Paaren ist die Frage geklärt: Der Mann hört schlecht, die Frau steht auf. Der Mann hat ein schlechtes Gewissen, die Frau streift Jeans und Pullover übers Nachthemd und verläßt das Haus.
Wenn die Sache damit erledigt ist, kann die Nachtruhe entspannt fortgesetzt werden. Leider ist das häufig nicht der Fall, so dass weitere Notgassigänge erforderlich sind, was besonders bei Minustemperaturen oder starkem Regen zu wachsender Verbitterung führen kann.
Männer behaupten gern, dass sie auch mit dem Hund hätten gehen können, da an Schlaf ohnehin nicht mehr zu denken gewesen sei. Frauen halten bei ihrer Rückkehr laut vernehmbare Schnarchgeräusche dagegen.
Als Wiedergutmachung empfiehlt es sich nicht, an Weihnachten mit dem Hinweis auf künftige nächtliche Gänge, Funktionswäsche zu verschenken. Auch der freundliche Tipp, dass die Partnerinnen anderer, unter den Verdauungsstörungen gemeinsamer Hunde leidender Männer, sich bei sehr kaltem Wetter mit Wärmflaschen im Gürtel den Erleichterungsgang erträglicher machen, sollte lieber von besagten Partnerinnen besagter Männer kommen.
H.R.

WELTRAUMGEMÜSE

China hat eine Raumsonde auf der Rückseite des Monds gelandet und erwägt dort Ackerbau.

Während die deutsche Agrarindustrie mit Schikanen wie Kückenschredderverbot  und Gülleverordnung genervt wird, ist China wieder einmal im wahrsten Wortsinn hunderttausend Meilen weiter. Wenn der deutsche Markt mit billigem Mondsalat geflutet wird, wird man hierzulande vermutlich noch über Gütesiegel für Grünkohl diskutieren. Wann endlich nimmt die Politik die Biotomaten von den Augen und schießt für den Anfang wenigstens mal ein Mondkalb auf unseren Trabanten.

UdM

04.01.19

Neujahrswunsch 2019

Wir in Zeiten von Heuchelei, Demagogie, Hass und ihren schrecklichen Folgen Geborene hofften die Bestie besiegt. Aber nein: Sie höcket im Gauland und weidelt ihre Pegiden. Nehmt ihr die Prozente mit denen sie sich mästet!

UdM

3.Januar 2019

WARUM NICHT GLEICH SO ?

Eine Reihe von Problemen, die uns lange Zeit bedrückt haben, können kurz vor Jahresende auf überraschende Weise gelöst werden: Die Dieselproblematik (böswillig auch Dieselskandal genannt), die Parkprobleme in Innenstädten, eine sichere Altersversorgung und die Verlängerung unserer Lebenszeit.

 

Beginnen wir mit der Dieselproblematik. Ihr Ursprung ist nicht der Dieselmotor sondern es sind die Werte, mit denen seine angebliche Schädlichkeit für Lebewesen gemessen wird. Sie sind wirklichkeitsfremd. Sie gehören dem tatsächlichen Schadstoffausstoß angepasst, also heraufgesetzt. Außerdem müssen Messstationen von viel befahrenen Straßen in Parkanlagen und Fußgängerzonen verlegt werden. Zurzeit stehen sie unsinnigerweise dort wo viele Autos fahren anstatt an Orten wo viele Menschen spazieren gehen.

Der ADAC weist darauf hin, dass Autos einem Naturgesetz gehorchend größer und vor allem immer breiter werden. Namentlich die sogenannten SUVs. Einparken ist zwar noch möglich, Ein- und Aussteigen kaum noch. Schuld sind die zu engen Parkmarkierungen. Dies zu beheben genügen ein paar Eimer Farbe. Die alten Markierungen werden übermalt und durch neue, der SUV-Breite angepasste ersetzt.

Genauso einfach ist es mit einer sicheren Altersversorgung, empfiehlt ein Kandidat für den Vorsitz einer großen Volkspartei: Alle Menschen, ob Mittelstandsmillionäre oder Hartz IV-Empfänger sichern ihren Lebensabend zukünftig mit Aktien ab.

Wie man den Aktienkauf durch eine lebensverlängernde Maßnahme hinausscheiben kann, hat ein älterer Holländer ersonnen: Man geht mit seinem Ausweis zur zuständigen Behörde und bittet um einen neuen Ausweis mit einem um zwanzig oder mehr Jahre nach vorn versetzten Geburtsdatum.

Die Dinge können so einfach sein, wenn man sich nur ein wenig Mühe gibt.

 

UdM  06.12.18

LECKERLIKUNSSTÜCKE

Liebe Dina-Chefs,

unsere Mischlings-Emma, zwar kein Hunde-Nerd, wie Eure Dina, aber doch mit der Bauernpfiffigkeit ihrer uckermärkischen Heimat begabt, konnte in jüngeren Jahren neben Dummheiten, wie Wertvolleres zerkauen oder Steaks vom Tisch angeln auch nicht nur für sie nützliche Dinge, wie beispielsweise Türen öffnen, gegen deren Öffnen nichts einzuwenden war. An die Türklinke kommt Emma wegen ihres fortgeschrittenen Alters nun nicht mehr. Allerdings drückt sie problemlos angelehnte Türen auf, selbst wenn der Türspalt noch so schmal ist. Theoretisch.

Praktisch stellt sich Emma mit aufforderndem Blick vor angelehnte Türen, wenn sie nicht hurtig genug für sie geöffnet werden, deutlich ungehalten. Ist kein Mensch in der Nähe, übernimmt sie das Türaufdrücken selbst.

Daraus folgt, übertragen auf Eure Dina, dass sie das Leckerli sehr wohl noch immer unter der Dose hervorholen könnte, nur: Warum die Mühe, wo ihr doch direkt daneben steht? Ihr habt Dinas vorwurfsvollen Blick also vollkommen korrekt gedeutet. Und das heißt, ihr seid keineswegs mehr die Chefs, wie ihr irrtümlich meint, sondern inzwischen das Personal. Chef ist Dina.

Verhaltet Euch also in Zukunft auch so. Denn was mit in Ungnade gefallenem Personal geschieht, hat die US-First-Lady gerade gezeigt. Ihr wollt doch nicht in den Keller verbannt werden, weil Ihr der Guten Stube nicht mehr würdig seid?!

Ich hätte Euch oben eigentlich mit ‚Liebes Dina-Personal’ ansprechen müssen, allerdings auf Kosten der Pointe.

Viele Grüße vom Emma-Personal

 

UdM  15.11.18

HUND UND MENSCH

Es ist Zeit, wieder einmal über Dina zu berichten, denn es sind Fragen aufgetaucht. Hat unser superschlauer Collie Dinge wieder verlernt, die schon einmal beherrscht wurden? Zum Beispiel das Umdrehen einer Plastikdose unter der ein Leckerli versteckt ist. Nach zwei vergeblichen Versuchen, weil die Dose auf dem Holzboden einfach wegrutschte, legte sich Dina vor die Dose und starrte sie nur noch an. Daraufhin wurde die Dose auf einen Teppich gelegt, um das Wegrutschen zu verhindern. Kein Erfolg. Dann wurde ein kleines Stück des Leckkerli (Rinderlunge) unter den Rand der Dose geklemmt. Kein Erfolg. Der Hund starrte die Dose an, schaute uns an, ihr Gesichtsausdruck schien zu sagen: „Leute, was soll der Scheiß?“

Nun begann eine Diskussion darüber, ob der Hund regrediert sei oder einfach zu bequem? Oder ob sie einfach zu gut erzogen sei und nur von Hand gereichte Leckerli als zum Verzehr freigegeben betrachte? Zwischen den beiden anwesenden Menschen (Chef und Chefin) gab es unterschiedliche Meinungen. Derweil starrte Dina weiterhin die Plastikdose an. Schließlich resignierten die Chefs. Gesichtswahrend wurde die Dose umgedreht. Das Leckerli war jetzt frei zugänglich, musste allerdings noch mit der Schnauze aus der Dose geholt werden. Eher gelangweilt wurde diese Pseudoaufgabe gemeistert.

Fürs Wochenende sind weitere Prüfungen der Leckerli-Intelligenz geplant. Wir berichten!

 

DAS ANONYME VOLK

Gestern ging ich hinter einem jungen Mann her, der am Gürtel eine Tasche mit der Aufschrift „Nazis aufs Maul“ trug. Das fand ich spontan ziemlich mutig in den Straßen von Berlin. Wer weiß schon, wem er so begegnet!
Auf der anderen Seite ist es eine Aufforderung zum körperlich auszutragenden Konflikt. Allerdings erfolgt diese Aufforderung und Herausforderung nicht anonym, unter dem Deckmäntelchen des Internet, sondern ganz persönlich, unmittelbar am Körper. Das ist dann schon mutiger, wenn auch nicht gerade ein Aufruf zum friedlichen Austragen von politischen Meinungsverschiedenheiten.
Es ist überhaupt seltsam. Den Parteien jenseits der AfD (die CSU erlaubt sich gezielte Ausrutscher) wird vorgeworfen, dass sie vorgeben, was gedacht und gesagt werden soll. Immer weitere Bereiche werden sprachlich „korrekt“ gemacht. Aber gleichzeitig explodiert der Hass im Internet, in den Netzwerken, beim elektronischen Stammtisch. Die anonyme Volksstimme!
Und die Gaulands unserer Republik arbeiten fleißig daran, dass die anonyme Hetze auch offen daher kommen darf, wenn sie von gewählten Volksvertretern mit Anzug, Krawatte und grauen Haaren fein abgestuft vorgetragen wird.
Warum eigentlich muss Meinung im sozialen Netzwerk, bei Twitter und Co anonym geäußert werden können? Ist die Redefreiheit eingeschränkt, wenn wir hören, sehen oder lesen können, wer sich wozu wie äußert?
H.R.