DER WITZ

Der „Kölner Stadtanzeiger“ hat uns zum Schluß noch die Enthüllung des Jahres geliefert. Worüber hat Armin Laschet im Sommer im Flutgebiet gelacht? Über einen Witz des Landrats des Rhein-Erft-Kreises, Frank Rock, der über die mangelnde Körpergröße Laschet und Steinmeiers gespottet haben soll. Demnach hätte Laschet also über sich selbst gelacht?

Die Sache bedarf der Aufklärung durch mindest einen Untersuchungsausschuss. Es liegt Respektlosigkeit gegenüber dem Staatsoberhaupt vor, in Verbindung mit der Diskriminierung von Menschen, die nicht dem statistischen Mittelmaß entsprechen. Armin Laschet, der im Gegensatz zu Frank-Walter Steinmeier die Äußerung über sich ergehen lassen mußte, bewies mit seiner Reaktion Souveranität und Humor.

Wäre die Sache vor der Wahl enthüllt worden, hätte Olaf Scholz garantiert keine Chance gehabt!

H.R.

MEINUNGSUNFUG

Das Meinungsforschungsinstitut Civey wollte gestern wissen, ob Annalena Baerbock als Außenministerin eine gute Krisenmanagerin sein werde. Echt jetzt? Nach drei Wochen im neuen Amt sollen wir das beurteilen, um Civey dann eine Meldung zu ermöglichen, die in der Zeitung steht?

Das hat mit seriöser Meinungsforschung nichts mehr zu tun. Es ist schlicht und ergreifend Unfug!

H.R.

GEWICHTSPROBLEME Update

Die Umstellung von Barf auf individualisiertes Trockenfutter ist geschafft. Es gab Anfangsprobleme. Die ersten beiden Nächte waren sehr kurz. Der Hund wollte wiederholt raus. Aber das ist jetzt vorbei!

Dina bekommt „Diätalleinfuttermittel“ der Firma „Futalis“ aus Leipzig. Es wird in praktischen Tagestüten aus recyceltem Papier angeliefert. Auf jeder Tüte steht: „Dina, Collie Langhaar, weiblich, 24,5 kg, adult“. Entscheidend sind die 24,5 kg aus denen irgendwann in ferner Zukunft maximal 22 kg werden sollen. Das wird dauern.

Die Zusammensetzung des Futters ist beeindruckend. Damit könnten wir mit Sicherheit in jede „Selbsthilfegruppe für gesunde Ernährung, Abteilung Haustiere“aufgenommen werden. Dina bekommt: Reis, getrocknetes Huhn, Grieben, Möhren, Vollei, Hühnerfett, Cellulosepulver, Rübenschnitzel, Rapsöl, Lachsöl, Inulin, Grünlippmuschelextrakt, Chondrotinsulfat, Brennnesselkraut, Natriumpolyphosphat, Eukalyptusöl und Hefe. Die Rohstoffbasis besteht aus Huhn und Reis.

Ich habe Dina die Zusammensetzung vorgelesen. Sie hat gerülpst!

H.R.

LAMETTA

In der ARD-Mediathek ist noch ein paar Tage „Weihnachten bei den Hoppenstedts“ verfügbar, Loriots wunderbare Satire von 1978, die in einer verkürzten Fassung 1997 erneut – und dieses Mal nicht nur im NDR sondern auch in der ARD – ausgestrahlt wurde. Großartig, wie der Großvater immer wieder „Früher gab es mehr Lametta!“ ruft, dabei zu Marschmusik durch die Wohnung stelzt und das Kinderatomkraftwerk schließlich „puff“ macht.

Dass die öffentlich-rechtlichen Sender inzwischen von den kommerziellen Streamingdiensten die Unsitte übernommen haben, einem ungefragt das nächste Video aufzudrängen, erwies sich dieses Mal als Vorteil: Das nun folgende Soloprogramm des Allgäuer Kabarettisten Maximilian Schafroth ist von einer brillanten Hinterfotzigkeit, wie sie nun einmal nur in Süddeutschland entstehen kann. Sehr zu empfehlen!

H.R.

DER MÜLL UND DIE STADT

Kürzlich ging ich in unserem Kiez hinter einer Frau mit einer großen, übervollen Papiertragetasche her. Am Mülleimer an der Ecke ließ sie die Tasche beiläufig fallen und schlenderte weiter.

Um die Ecke ist seit Monaten eine große Baustelle. Teile der Straße sind durch Gitter abgesperrt. Zwischen den Gittern sammelt sich Sperrmüll. Beim Ordnungsamt werden Hinweise der Anwohner entgegengenommen, aber es passiert nichts.

Vermutlich werden sie ausgedruckt und dann in einer Tüte zum Papiereimer an der Ecke getragen.

H.R.

WOW

Friedrich Merz hat „WOW!“ gesagt, aber nur für sich und ganz still. Sagt er.

Endlich, im dritten Anlauf, ist er von den Parteimitgliedern mit 62,1 % zum designierten neuen Vorsitzenden der CDU bestimmt worden. „WOW“ hat er gesagt und keine „Triumphgesänge“ angestimmt, weil ihm das fremd sei.

Ein ganz neuer Merz! WOW!

H.R.

GEWICHTSPROBLEME

Dina hat ein Problem mit ihrem Idealgewicht. Richtig muss es heißen: Dina hat überhaupt kein Problem mit ihrem Gewicht. Ihr wirkliches Problem ist, dass es nie genug zu essen gibt. Das Gewichtsproblem tauchte auf, als wir kürzlich bei einer anderen Tierärztin waren, weil unsere reguläre Ärztin vier Wochen in Urlaub ist (vier Wochen!) und die jährliche Impfung fällig war.

Dina wurde geimpft, untersucht und – gewogen. Ihr Idealgewicht liegt zwischen 20 und 22 kg, die Wage zeigte knapp 25. Alarm! Ausführlich wurde die Ernährungsfrage diskutiert: Barf, Feuchtfutter, Trockenfutter, Eigenherstellung? Was Hundebesitzer so beschäftigt, wenn es ums Wohlbefinden ihres vierbeinigen Familienmitglieds geht.

Dina wird seit längerem „gebarft“. Das Futter wird tiefgefroren in Einzelportionen geliefert, das Fleisch angereichert mit Gemüse und Kräutern zu den unterschiedlichsten Menüs. Dina findet das super, fürs Klima ist es natürlich nicht super: Fleisch, eingefroren, in Styropor verpackt, durch die Republik transportiert. Man mag gar nicht über den CO2-Abdruck nachdenken.

Aber das ist jetzt bald vorbei! Die neue, äußerst kompetente und sympathische Tierärztin, die aus Berlin in die Prignitz gezogen ist und die Haustierhaltung nicht ganz so robust begleitet wie die bisherige Ärztin, klärte uns über Herstellung und Zusammensetzung der meisten Feucht- und Trockenfutter schonungslos auf. Sie hat selbst in einem Schlachthof gearbeitet. Alles was dort übrig bleibt wird zu Tierfutter, Antibiotika, Hormone etc. inbegriffen.

Jetzt wird Dina auf Trockenfutter umgestellt, das von einem Startup von Tierärzten an der Universität Leipzig entwickelt wurde. Nach ausführlicher Online-Beratung wird es individuell angepasst und in Tagesportionen monatlich geliefert. Wir sind gerade in Phase Eins, allmähliche Umstellung auf die neue, wegen der Gewichtsproblematik stark Reis basierte Ernährung.

Dina, die derzeit keine Leckeres mehr bekommt, ist froh, dass überhaupt etwas Essbares in ihrem Napf liegt. Und wir haben ein viel besseres Klimagewissen.

H.R.

FRAGE

Werden die Pflanzen für Biokraftstoffe (Raps, Mais etc.) eigentlich ökologisch angebaut? Und welchen Kraftstoff benutzen die landwirtschaftlichen Maschinen?

H.R.

SPRACHE

Mitte des vergangenen Jahrhunderts gab es eine Bewegung, die Groß- und Kleinschreibung im Deutschen abzuschaffen. Einige Schriftstellerinnen und Schriftsteller praktizierten diese Schreibweise. Auch unter Schülerinnen und Schülern war die Variante beliebt, sie half Fehler zu vermeiden und war eine Möglichkeit, sich abzuheben. Es gab auch Pädagogen, die sich dafür aussprachen. Aus dem Vorschlag ist nichts geworden.

Die SPD-Familienministerin Christine Lambrecht hat sich nun gegen die Verwendung eines anderen Neuerungsversuchs der deutschen Schriftsprache gewandt – Gendersternchen und andere Gendersonderzeichen. Diese Schreibweisen seien nicht „allgemein verständlich“.

Was sie nicht erwähnt: Sie sind, anders als bei der Groß- und Kleinschreibung, auch schwer zu sprechen und ideologisch belastet. Mehrheitsfähig sind sie ebenfalls nicht, taugen aber dazu sich als progressiv abzuheben.

Die Frauenministerin plädiert dennoch für eine geschlechtergerechte Sprache, also die Vermeidung des „generischen Maskulinums“. Das ist zwar ein wenig mühsamer, dafür wird die geschlechtliche Diversität aber auch nicht auf *, :, I oder _ reduziert. Weiblich und männlich und anders respektiert die Menschen in ihrer individuellen Ausprägung auf jeden Fall mehr, als ein vereinfachendes Sonderzeichen. Es ist allerdings mit mehr Aufwand verbunden.

P.S.

Schon Mitte des vergangenen Jahrhunderts erklärte uns unser Biologielehrer, dass es von Natur aus keine hundertprozentigen Männer und keine hundertprozentigen Frauen gäbe, sondern dass wir uns alle irgendwo zwischen diesen beiden Polen bewegen, alle ein bißchen * : I _ .

H.R.

KANZLERWAHLVEREIN

Von der CDU heißt es immer, sie sei eigentlich nur ein „Kanzlerwahlverein“. Es gehe ihr weniger ums Parteiprogramm als um die Macht im Land. Darum geht es natürlich auch allen anderen Parteien, aber sie gelten als weniger flexibel, wenn das, was im Programm versprochen wurde, nach der Wahl nicht mehr so wichtig ist.

Seit einigen Wochen wird mit Blick auf die anstehende Bundestagswahl diskutiert, ob CDU/CSU und Bündnis 90/Die Grünen die richtigen Personen als Spitzenkandidatin und Spitzenkandidat nominiert haben. Beim Kandidaten der SPD heißt es, er sei zwar der kompetenteste, aber leider in der falschen Partei.

Wer auch immer aufs Plakat gedruckt wird, mit der Zweitstimme gewählt wird die Partei. Und erst wenn feststeht, welche Parteien genügend Abgeordnete im neuen Parlament haben, um eine Mehrheit zu bilden, können ein Kanzler oder eine Kanzlerin gewählt werden.

Sollte die notwendige Mehrheit nur zustande kommen, indem sich die Parteien von einer Person trennen, die fürs hohe Amt als zu leicht befunden wurde, dann könnte durchaus jemand anderes gewählt werden.

Ist zwar in der Bundesrepublik noch nie passiert, aber einen Versuch wäre es dieses Mal vielleicht wert.

H.R.