TV-Entschleunigung

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Neu ist die Programmidee nicht, aber offenbar noch immer anregend und einen Artikel im Berliner „Tagesspiegel“ wert: Der Norwegische Rundfunk (NRK) bietet seit Jahren „Slow TV“: Landschaften, Schiffsreisen – stundenlang. Das soll beruhigen, Gegenprogramm im hektischen Fernsehalltag.

Beim Ostdeutschen Rundfunk Brandenburg (ORB) in Potsdam, der 2003 mit dem Sender Freies Berlin (SFB) zum Rundfunk Berlin/Brandenburg (rbb) fusionierte, hatten wir das 1992 auch schon: Das ORB-Aquarium, nachts nach Sendeschluß (so etwas gab es damals noch) unterlegt mit klassischer Musik. Die Quote nach Marktanteil war verblüffend hoch, Zuschauer gaben den Fischen Namen, bedauerten das Verschwinden eines besonders schönen Exemplars (was nicht möglich war, da es sich um eine Dauerschleife vom Server handelte). Es war letztlich nur Ersatz für das bis dahin übliche Testbild, inspiriert von flackernden TV-Kaminen.

Was ist so reizvoll an einer abgefilmten Landschaft, in der sich Kühe von links nach rechts bewegen? Setzen sich Menschen wirklich stundenlang davor und warum? Gibt es Untersuchungen darüber, was das für Zuschauer sind? Leben sie in düsteren Wohnblocks oder in Einfamilienhäusern, eher in der Stadt oder auf dem Land? Sind es Rentner, Arbeitslose oder Berufstätige? Jung, alt? Welche Einkommensgruppen sind besonders stark vertreten? Gibt es schon Fanclubs zum gemeinsamen „slowen“? Lesen die selben Menschen auch Bücher? Ist „Slow

TV“ gerade angesagt, so wie „Slow Food“? Findet das alles auf dem „first screen“ statt, und was machen die „Slow User“ auf ihren Pads und Phones? Nichts als Fragen!

Der Bayerische Rundfunk will in der Karwoche „Menschen bei der Arbeit“ zeigen, als „Kontrapunkt zur permanenten Beschleunigung des Alltags“. Toll! Wie wäre es statt dessen mit einer Ausstrahlung von guten Dokumentationen aus aller Welt, da sind eine Menge dabei, die sich mit der Arbeitssituation von Menschen beschäftigen. Aber das könnte vielleicht zu aufregend sein.

hr

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