Das Sommerloch

Dieses Jahr scheint das „Sommerloch“ besonders groß zu sein. Da ist dann Platz für viele schöne Geschichten, die sonst keinen Hund (!) hinterm Ofen hervorlocken würden. Nachdem hinreichend beschrieben worden war, dass der SPD-Vorsitzende Gabriel gegen die CDU-Vorsitzende Merkel keinerlei Chance bei der nächsten Bundestagswahl haben wird – auch sonst niemand aus der SPD, obwohl der Berliner Fraktionsvorsitzende Saleh schon Gesine Schwan vorgeschlagen hatte – ließ nun die Kanzlerin durchblicken: Sie sei angesichts solch schöner Prognosen durchaus zur erneuten Kandidatur bereit.

Da tun jetzt alle wieder ganz überrascht, obwohl schon bei der letzten Kandidatur klar war, dass es der CDU, was das Kandidatenpotential betrifft, genauso geht wie der SPD. Die Vorsitzende muss es machen, weil sonst niemand da ist – in der CDU. Das wäre also – zwei Jahre vor der nächsten Bundestagswahl schon mal geklärt. Jetzt warten wir mal ab, was noch so alles passiert, bis dann tatsächlich gewählt wird.

Interessant wäre noch zu erfahren, wie so eine Kanzlerinentscheidung abläuft: Die Merkels sind beim Wandern in Tirol, der mitgereiste Pressemensch erzählt so nebenbei was so geschrieben wird. Die Kanzlerin ist genervt, weil schon wieder de Maiziere, von der Leyen und jetzt auch Kauder als noch nicht tauglich gekennzeichnet werden, will den Quatsch nicht den ganzen Urlaub über hören und sagt zu ihrem Mann, der gerade ein Bier aus der Kühltasche holt: „Das wird mir jetzt zu blöd! Dann mach’ ich es halt wieder. Dann is a Ruh!“

Dann haben wir jetzt schon seit Tagen diesen Fall von „Landesverrat“, der politisch gesehen gar keiner ist. Juristisch ist das natürlich differenzierter zu sehen, was dazu führt, dass die Politiker sich distanzieren oder aufregen, die Juristen von Rechtstaat und normalen Abläufen sprechen. Die veröffentlichte Meinung aber, – schließlich geht es um „uns“, die Pressefreiheit, die Demokratie, die Welt – sich von Aufregung zu Aufregung steigert, statt zu konstatieren, dass es einfach doof vom Generalbundesanwalt war, das ganze Spektakel los zu treten, nur weil die Ämter schlicht genervt sind von der Tatsache, dass als geheim eingestufte Papiere es besonders schnell in die Öffentlichkeit schaffen. Das ist auch in diesem Fall gut so, „Netzpolitik“ und Markus Beckedahl sei Dank. Aber jetzt ist genug demonstriert und protestiert, lass uns über die Ukraine, Syrien, die Flüchtlinge, das Klima reden. Und warum auch gleich wieder jemand zurückgetreten werden muss, leuchtet überhaupt nicht ein. Wenn die Logik der Netzpolitiker zutrifft, dass schon die angekündigten Ermittlungen als Abschreckung auf sie wirkten (wirken sollten), dann ist die berechtigte Reaktion darauf an Schreckenswirkung kaum zu überbieten. Also alle wieder hinlegen, es ist Sommer und sehr heiß!

Auch in der schönen Landeshauptstadt Potsdam haben sie das Sommerloch entdeckt. Der Oberbürgermeister, eigentlich ein netter, ruhiger Mensch, schießt mit allem was seine Pressestelle hergibt gegen die Staatsministerin für Kultur, Monika Grütters, weil die u.U. daran Schuld sein könnte, dass das künftige Kunstmuseum von Hasso Plattner leere Wände haben würde, wenn ein geplantes Gesetz über Kunstschätze von nationaler Bedeutung ohne Änderungen Gesetz werden könnte, wovon aber niemand, der sich mit der Entwicklung von Gesetzesvorhaben auskennt, im Ernst ausgeht. Da aber die Potsdamer sonst nicht immer nett zu ihren Mäzenen sind, kann der OB ja mal eben kräftig auf die Pauke hauen, wenn es nichts kostet. Das ist ja ohnehin die Hauptsache.

Und dann hat irgendjemand in der Landes-CDU entdeckt, dass die jungen, schulpflichtigen Menschen im Land erst später am Vormittag im Vollbesitz ihrer geistigen Fähigkeiten sind. Woran das liegt? Keine Ahnung – Internet? Drogen? Keine Lust? Jedenfalls wird vorgeschlagen, die Schule künftig später anfangen zu lassen. Also auf jeden Fall nach 8:00 Uhr. Wann genau? Keine Ahnung! Was soll passieren? Landesregierung, Bundesregierung, Europäische Kommission, Europäischer Gerichtshof, UNESCO? Alles falsch: die Schulen könnten schon jetzt in eigener Verantwortung festsetzen, wann es los geht mit der Bildung und Ausbildung. Die wollen aber gar nichts ändern. Und da jetzt zufällig gerade Ferien sind, wird danach auch niemand mehr über diesen tollen Vorschlag sprechen, es sei denn, die Landesregierung versucht sich einzumischen. Dann aber!

HR

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