EMMA UND DIE CHAMPIONS LEAGUE

Emma mag keinen Fußball, genauer keinen TV-Fußball. Was ihr an Fußball nicht gefällt, wissen wir nicht. Ist es der dem immer unvorhersehbaren Spielgeschehen geschuldete, plötzlich zu gewaltiger Emotionalität anschwellende Reportertonfall, der sich so deutlich vom üblichen Sprachgestus der sonst in der Röhre zu Wort Kommenden unterscheidet? Ist es das unruhige Bild?

Sind gar wir es als Zuschauer mit unkontrollierten Zuckungen und für den Hund ungewohnten spontanen Ausrufen?
Jedenfalls verlässt Emma, kaum laufen zehn Sekunden Fußball den Fernsehraum und verkriecht sich in einer schallarmen Ecke der Wohnung.
Dabei wird in Emmas Haushalt nicht einmal viel Fußball gesehen. Eher sogar sehr wenig, abgesehen von Ereignissen, bei denen es um Ruhm und Ehre des Vaterlands geht.
In Emmas Haushalt triumphiert ARTE, wenn in der Saison an gefühlten sieben Tagen der Woche Fußball eines der Hauptabendprogramme von ARD und ZDF bestimmt und der jeweils keinen Fußball ausstrahlende Sender im Kontrastprogramm Sachen wie ‚Der große Fußmattentest’ oder ‚Das geheime Leben der Grottenolme’ anbietet.
Nun also keine Champions League mehr im ZDF. Emma das zu erzählen, würde bei ihr nicht annähernd so viel Interesse wecken wie in der großen Fußballgemeinde, schon gar nicht das Entsetzen, das diese Nachricht dort ausgelöst hat.
Der Intendant, befragt, was denn nun mit den 50 Millionen geschieht, die plötzlich ungenutzt herumliegen, versprach eine zusätzliche Sendung Verbrecherjagd und mehr Fiktionales. Das wird alle daran Beteiligte zu Recht freuen. Vielleicht gibt es ja sogar freundlichere Verträge für die Künstler.
Allerdings haben sportaffine Kreise bereits angemahnt, dass die frei werdenden Millionen beim Sport bleiben müssen. Nischensportarten, die das Programm wegen des allgegenwärtigen Fußballs bisher vernachlässigen musste, sollten nun auf dem Bildschirm erscheinen. Was da im Einzelnen gemeint ist, blieb noch ungesagt.
Für Emma würden wir es gerne mal mit Windhundrennen versucht sehen.
Wir schlagen es hiermit vor, ehe andere Interessengruppen sich in den Vordergrund drängen.
Egal was kommt, Emma mag wie wir ARTE.

UdM

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