Hundetagebuch 8

Lieber Ulrich,

bis vorgestern lautete die erste Hund bezogene Frage von Freunden und Bekannten: „Wie groß wird er denn?“ Seit heute, seit dem ersten Spaziergang durchs Dorf, hat sich die Frage zur Behauptung verwandelt: „Der wird aber groß!“ Wenn nicht in bisher allen Fällen vorausgeschickt worden wäre, was für ein schöner Hund dies doch sei, hätten wir uns mit Sicherheit inzwischen zu wölfischen Verteidigern unseres Sternhageners entwickelt.

Geradezu versöhnt mit der Welt der Hundebeurteiler fühlten wir uns, als der Besitzer eines Beagels, unsere Mika mit den Worten adelte, sie sei eine richtige Prinzessin. Ja, so ist der Prignitzer. Das musst Du in Berlin erst mal finden!

Die zweite Nacht, wir waren durch Eure Erlebnisse vorgewarnt, verlief unruhig. D. analysierte die alle zwei Stunden erneut unternommenen Versuche auf ihre Couch zu gelangen, als „Phase der Selbstvergewisserung“. Hoffentlich handelt es sich auch um eine Phase und nicht um ein genetisch angelegtes, unkontrollierbares Verhalten.

Während der Hund nicht auf die Couch darf, haben einen Stock höher Tom und Lucy freie Bettenwahl. Tom entscheidet sich so gegen vier Uhr morgens zu, von heftigen Brummgeräuschen begleitetem, Trampeln auf meiner Brust oder meiner Schulter, Lucy sorgt dafür, dass ich keine kalten Füße bekomme. Und ich sorge wiederum dafür, dass unser süßes kleines Hündchen seine Vorliebe für Katzen- statt Hundefutter nicht völlig ungebremst ausleben kann. Diese Probleme hast Du ja nun nicht!

Im übrigen folgen wir natürlich den Anweisungen der Hundesachverständigen, setzen Mika möglichst vielen neuen Erfahrungen und Erlebnissen aus. Nach dem dritten knurrenden und bellenden Hofhund wollte sie nicht mehr sofort zurücklaufen oder auf den Arm (10 Kilo Hund). Dabei half auch die Tatsache, dass angesichts der dichten Hundepopulation, vorn und hinten Hunde lauerten, also nur absoluter Stillstand die Reaktion hätten sein können, was Mika dann doch zu blöd war.

Wir haben gemeinsam Hühner, Enten, Pferde und andere Menschen kennen gelernt, sind vor einem frei laufenden kleinen schwarzen ältlichen Nachbarshund zurückgewichen und haben dafür die Enkeltochter fast umgeworfen. Die wollte dann, ebenso wie ihr Brüderchen, die neue Dorfprinzessin nicht mehr streicheln.

Da Mika das anweisungsgemäß gekaufte Trockenfutter nicht besonders goutiert, bekam sie heute Teilportionen unseres Mittagessens (Karotten und Pellkartoffel), was zur Folge hatte, dass das Gemüse nicht ordentlich gewürzt werden durfte, bis es gekocht und aufgeteilt war. Ab und zu lasse ich mir das ja gefallen, aber nicht als Dauerzustand. Dass D. meine Kochkünste – für uns Menschen, nicht für Mika – in den höchsten Tönen lobte, obwohl erst Nachwürzen den gewünschten Geschmack hervorrief, hat mir natürlich gefallen. Außerdem gab es die marinierten Hühnerbeine (Olivenöl, Dijonsenf, Curry, Pfeffer, Salz, Sojasoße, Rum, dünne Knoblauchscheiben unter der Haut) nur für Zweibeiner.

Im Garten hat Miss Mika auch schon geholfen. Die Tulpenzwiebeln, die D. eingrub, buddelte sie mit großer Konsequenz wieder aus. Mit dem besagten WM-Ball spielt sie nach wie vor gern (inzwischen gibt es noch einen zweiten, größeren). Sie übt mit D. Strickknäuelziehen, was angeblich auch gut für die Zahnreinigung ist. (Hast Du in der bei Tierärzten verteilten Broschüre auch gelesen, dass wir unseren Hunden möglichst täglich zur Vermeidung von Zahnstein die Zähneputzen sollen?) Die Informationen über die unzähligen Krankheiten, die auf unsere Hundemädels lauern, haben mich kurz schockiert. Dann habe ich entdeckt, dass das Informationsheft von einer Pharmafirma gesponsert wird. So eine Art Apotheken-Umschau für Hunde.

Mika schläft jetzt, nicht im Körbchen, dass ihr offensichtlich weit weniger gefällt als eine alte Decke (Vollsynthetik, vor 35 Jahren während meiner Korrespondentenzeit in Prag gekauft), sowie auf einer für unsere schmutzigen Gartenschuhe bestimmten Fußmatte (vermutlich auch Vollsynthetik). D. fragt gerade, ob ich mit meiner Jahresendkolumne für die „Fernsehinformationen“ fertig sei. Nein, ich habe noch nicht angefangen. Und jetzt müffelt es zu meinen Füssen auch schon wieder…

Wau!

Hansjürgen

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