LESERBRIEF ZUM BLOGBEITRAG HOLLÄNDER SIND DIE GRÖSSTEN

Ich habe gestern zum ersten Mal in Ihren Blog HUNDUNDWELT geschaut und bin dabei auf den Beitrag ‚Holländer sind die Größten’ von UdM gestoßen. Mir ist rätselhaft, was der Autor mit seinem Beitrag sagen wollte. Er bezieht sich offenbar auf einen Artikel in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG vom 8.4.15 in dem es um ein bisher ungeklärtes Wachstum holländischer Männer seit 1935 geht. UdM zieht aus diesem Beitrag eigene Schlüsse, wobei er die dort genannten Fakten auf geradezu skandalöse Weise verzerrt und missinterpretiert. UdM behauptet, holländische Männer seien 20 Zentimeter größer als Weltdurchschnitt. Nichts dergleichen wird in dem Artikel behauptet.

Lediglich ein Größenunterschied von vier Zentimetern wird dort im Vergleich zu deutschen Männern angegeben. Die 16 bis 20 Zentimeter beziehen sich auf die Zeit um 1853, als holländische Männer noch kleiner waren, wie zum Beispiel der Maler Vincent van Gogh als noch beide Ohren hatte. Mit dem Größenunterschied von lediglich 4 Zentimetern zum deutschen Durchschnittsmann entfällt auch UdMs absurde Erklärung, die Körpergröße holländischer Männer sei darauf zurückzuführen, dass weite Teile Hollands unter dem Meeresspeigel liegen, und weil Holländer deshalb niedriger auf dem Erdboden stünden, handele es sich um einen genetischen Ausgleich. Wollte man einer solchen Theorie ernsthaft folgen, müssten die Männer von Equador, dessen Metropole bekanntlich sehr hoch in den Anden liegt, die Größe von Mainzelmännchen haben.
Mit keinem Wort geht UdM auf die naheliegende Vermutung ein, die Größe holländischer Männer sei möglicherweise auf den überproportionalen Verzehr von Milchprodukten zurückzuführen, oder die alternative Theorie, größere Männer würden sich erfolgreicher fortpflanzen. Mag UdM keinen Käse? Ist er ein kinderloser Frauenhasser?
Dafür langweilt er den Leser mit einer, wie er selbst einräumt, vollkommen willkürlichen Aufzählung kleinerer erfolgreicher Männer. Ich erspare mir, im Einzelnen auf die Beispiele einzugehen. Bei Hartmut Mehdorn unterschlägt der Autor, dass es Mehdorn beinahe gelungen wäre, Air Berlin zu sanieren. Auch hinterlässt Mehdorn auf dem Flughafen BER geordnete Kabelschächte. An unserem allseits geschätzten Norbert Blüm mäkelt UdM herum, Blüm habe den Begriff ‚sicher’ in Bezug auf Renten nie eindeutig definiert. Warum auch? Sicher ist sicher. Blüm hat nie behauptet, dass die Renten auch ausreichend seien.
Geradezu grotesk wird es, wenn UdM sich auf Napoleon bezieht. Dabei verortet er dessen Sarg im Pariser Pantheon. UdM war offenbar nie in Paris, hat sich, sollte es so sein, nicht einmal die Mühe gemacht, einen Reiseführer aufzuschlagen. Sonst wüsste er, das Napoleons Granitsarg im Zentrum des Invalidendoms steht, diverse Metrostationen vom Pantheon entfernt. Man sollte Pont Saint Michel aussteigen, den Boul’ Miche’ in Richtung Luxembourg hinaufgehen, und dann in die Rue Soufflot links einbiegen, von wo sich ein sehr schöner Blick auf das Pantheon eröffnet. Nach wenigen Metern befindet sich übrigens linker Hand ein kleines Eiscafé, in dem man das meiner Meinung nach beste Mangoeis von Paris bekommt, weit besser als das in dem von Touristen überlaufenen Café an der Spitze der Ile Saint Louis und nur halb so teuer. Mit deutlicher Häme weist UdM darauf hin, dass Napoleon die Ehre der herausgehobenen Bewunderung eigentlich nicht verdient. Er übersieht dabei vollkommen Napoleons Verdienste um Europa und hebt auf den missglückten Marsch auf Moskau ab. Ich verweise in diesem Zusammenhang auf meinen Essay ‚Wenn Napoleon Zar geworden wäre’ in der Monatsschrift ‚Der Amateurhistoriker’.

Wäre nämlich Napoleons Russlandfeldzug erfolgreich gewesen, hätte es eine Sowietunion nie gegeben, würde Russland heute zur EU gehören, die Flanke nach China absichern und UdM müsste sich nicht mit einem albernen Kommentar zu Wladimir Putin aufhalten, der vermutlich genau so handeln würde, wie er es jetzt tut, wenn er die Körpergröße eines Holländers hätte.

Erwin Hellwig, Tirschenreuth

1 Response

  1. Edith

    O je – bislang habe ich mich ja jeglichen Kommentars enthalten, nur amüsiert die witzigen Pointen goutiert. Dass da ein ernsthaft genommen werden wollendes Antworten entsteht, ist halt in Zeiten des Internets wohl unvermeidlich. Jedenfalls erfreue ich mich stets an den Neuigkeiten aus der Hunde – und Menschenwelt.

    Liken

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