Hundetagebuch 38

Lieber Ulrich,

heute ist Mika zum ersten Mal im offenen Cabriolet gefahren (worden). Sie war nicht besonders beeindruckt. Hat sich sofort von der Rückbank, wo sie sonst auf ihrer Decke liegt, nach vorne vor den Beifahrersitz begeben und nur gelegentlich die Schnauze nach oben gerichtet. Lediglich das sich öffnende Dach hat sie beeindruckt. Da Hunde angeblich zugempfindlich sind, müsste ich ihr ja auf der Rückbank ohnehin eine Mütze aufsetzen und einen Schal umbinden.

Über Ostern waren wir auf dem Land und es gab Rückfälle in längst vergessen geglaubte Zeiten, d.h. es gab nicht nur Rück- sondern sogar Vorfälle. Seit Mika Anfang Dezember zum ersten Mal das Haus in der Prignitz betreten hat, ist klar, dass sie nicht in den ersten Stock darf. Zum einen weil Treppensteigen für die Gelenke unserer ja nicht ganz kleinen Hunde nicht gut sein soll, zum anderen, weil sich oben die Rückzugsräume der Katzen und unser Schlafzimmer befinden.

Du ahnst, was passiert ist. Mitten in der Nacht hören wir ein vorsichtiges Trappeln vor unserer offenen Tür. Ein wenig zu laut für Tom oder Lucy. Dagmar schreckt aus dem Schlaf auf, Mika steht in der Tür, die Katzen erstarren vor Schreck, Mika wird die Treppe herunter getragen, ermahnt, schlafen gelegt. Alles ist wieder gut! – Natürlich nicht, denn wenig später, wieder leises Getrappel, wieder Mika, dieses Mal laute Verbotsanweisungen, Rücktransport. Beim dritten Mal erfolgt die „Verbannung“ in den Vorraum, wo sie dann klaglos einschläft, sich nicht mehr muckst und am Morgen ganz erstaunt ist, dass die Begrüßung nicht gerade euphorisch ausfällt.

Das also war neu und wiederholte sich in der nächsten Nacht zu allem Überfluss auch noch. Du kannst Dir vorstellen, dass wir einigermaßen besorgt waren, wie sich dieses Verhalten nach der Rückkehr in die Stadt auswirken würde, wo die Treppe noch entschieden leichter zu erklimmen ist und der Teppich ein unbemerktes Anschleichen ermöglicht. Zum Glück fand aber nichts derartiges statt. Die Nächte sind also ohne Hundestörungen, dafür kratzen jetzt mit dem ersten Vogelzwitschern unsere Katzen an der Tür. Irgendwie ist dieser Frühling anstrengend.

Wie wir aus der einschlägigen Literatur wissen, sollen Welpen und junge Hunde möglichst nicht oder nur im äußersten Notfall gebadet werden. Der Notfall trat an Ostern gleich zweimal ein. Beim gemeinsamen Querfeldeinlauf mit Dagmar stürzte sich Mika voller Begeisterung in einen der Entwässerungsgräben, was noch nicht weiter dramatisch gewesen wäre, hätte die Agrargenossenschaft nicht kurz zuvor Dünger ausgebracht und wäre der Graben nicht regelrecht verschlammt gewesen.

Mika wurde abgeduscht, shamponiert, abgeduscht, gefönt, abgebürstet. Sie sah danach nicht nur er erbärmlich aus, sie stank auch wie ein ganzer Kuh-, Pferde- und Schweinestall. Am nächsten Tag verzichtete sie zumindest auf den Graben und stürzte sich nur in den kleinen Bach, der durch die Felder und an unserem Grundstück vorbei fließt. Es steht jedenfalls nach den entsprechenden Erlebnissen an der Ostsee fest, dass dieser Hund Wasser liebt! Das kann ja noch heiter werden.

Ich weiß nicht, wie Ihr Euch inzwischen entschieden habt. Wir wollen nach Rücksprache mit der Tierärztin, Ende Mai „den Eingriff“ vornehmen lassen. Das bedeutet dann zehn Tage „Tüte“ und Betreuung. Kein Auslauf im Rudel, keine der üblichen sozialen Kontakte bis die Fäden gezogen werden. Wir werden auch das überstehen.

Nun aber zu Deinen „Schirmerlebnissen“. Beim nächsten Zusammentreffen mit Deiner Familie werde ich versuchen herauszufinden, mit welchen ähnlichen Elementen Du versucht hast, Deine Töchter zu erfreuen und welche Verhaltensmuster daraus resultierten. Mir scheint Emmas Reaktion durchaus verständlich, haben doch Hunde weit empfindlichere Ohren als wir, sind außerdem Knallgeräuschen gegenüber besonders sensibel, weshalb ja auch an Silvester zu besonderen Schutzmaßnahmen geraten wird. Die Vorstellung allerdings, Dir beim Zerbeißen eines Regenschirms zuschauen zu dürfen, finde ich ausgesprochen reizvoll. Können wir daraus nicht ein Ereignis, vielleicht sogar ein Eventprogramm im ZDF machen, das damit gegen den denaturierten Eisbären Knut in der ARD ansendet?

Denk mal darüber nach. Ich würde meine Kontakte in die Hierarchie gerne für Dich nutzen. Wir könnten das Ganze u.U. auch im Sommergarten des ZDF oder bei der diesjährigen Funkausstellung, bei der ohnehin nicht mehr viel los ist, einplanen. Aber wenn Du das alles nicht möchtest, gäbe es immer noch die Möglichkeit, einen Eurer Schirme mit Leckerli zu füllen, mit Leberwurst einzureiben und Emma zum Zerbeißen zu überlassen. Mika würde auch gerne mitmachen.

Sag mir Bescheid. Wau, Wau!

Hansjürgen

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