Hundetagebuch 01.09.15

Lieber Hansjürgen,

wir sind aus dem kühleren Norden zurück in Berlin. Es sind die vermutlich letzten tropischen Tage dieses Sommers, es ich also heiß. Ich sitzen am PC und lese noch einmal Deinen Brief über Mikas Tod, bin noch immer betrübt, während Emma in ihrer neusten Lieblingsecke in meinem Arbeitszimmer lagert und mich ahnungslos betrachtet. Ahnungslos, warum wir ihr sofort ihren Lieblingsball weggenommen haben, einen kleinen Hartgummi-Flummi, der in seinen unberechenbaren Sprüngen eine echte Herausforderung ans Hundereaktionsvermögen war, aber, wie wir nun wissen, auch eine Gefahr fürs Hundeleben. Ahnungslos auch, weil sie nicht weiß, dass es keine Hundespaziergänge mit Mika mehr geben wird und ahnungslos, weil sie vermutlich diese Spaziergänge als selbstverständlich hingenommen hat, so wie sie deren Nichtmehrstattfinden selbstverständlich nicht wahrnehmen wird. Oder doch?

Die Zusammentreffen mit Mika waren nicht wie die mit anderen Hunden. Wenn Mika und Emma aufeinander zuliefen, wussten sie vermutlich nicht mehr, dass sie einmal geschwisterlich zusammen in der Welpenhundekiste lagen, aber es war da ein ‚Man kennt sich’, anders als bei den Begegnungen mit anderen Hunden.

So wie ich – anders als ihr – Mika vermissen werde, Mikas und Emmas so selbstverständliches Nebeneinaderhertrotten, während wir unter Grunewald-Kiefern die Welt gerettet haben, oder doch zumindest ziemlich einmütig wussten, was zu tun wäre um sie zu retten, wird Emma sich an eine neue Begleiterin gewöhnen.

Denn das ist das Tröstende und Erleichternde an Deinem Brief: Es wird einen neuen Hund geben. Es wird weitere Hundebriefe geben, und die Welt kann beruhigt sein: Wir werden sie auf Waldspaziergängen mit Hunden auch in Zukunft retten, zumindest aber wissen, wie dies zu bewerkstelligen wäre, und in unserem Blog werden wir auch zukünftig das Weltgeschehen kommentieren, wo es uns angezeigt scheint.

Und noch etwas ist anzumerken, etwas, dass wir nicht wussten, als wir sie schrieben, jedenfalls nicht so: Die Hundebriefe der zurückliegenden Jahre wird man jetzt anders lesen. Sie halten Mika in Erinnerung.

Herzlich

Dein Ulrich

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