PANAMA

Telefongespräch zwischen einem Briefkasteninteressenten und einem Bankangestellten.

– Trostmann hier, Privatkundenservice, was kann ich für Sie tun?

– Ich hätte gerne eine Briefkastenfirma in Panama.

– ( Kleine Pause ) Mit wem spreche ich bitte?

– Krause. Gernot Krause.

– Sie müssen sich da verwählt haben, Herr Krause, ich arbeite für eine Bank.

– Deshalb rufe ich ja an. Ihr Bankensprecher hat im Radio gesagt, es gibt gute, legale Gründe für Briefkastenfirmen. Zum Beispiel wenn man Reeder ist und sein Schiff nach Panama ausflaggt, dann ist es sinnvoll, da einen Briefkasten zu haben.

– Sind Sie denn Reeder, Herr Krause?

– Noch nicht. Aber einer zu werden, dabei können Sie mir vielleicht auch behilflich sein.

– Haben Sie denn ein Schiff, Herr Krause.

– Selbstverständlich. Sonst könnte ich ja kein Reeder werden.

– Und was für ein Schiff, wenn ich fragen darf?

– Eine Hansa-Jolle. Mahagoni. Ein sehr schönes Schiff.

– Eine Jolle? Und damit wollen Sie Reeder werden?

– Warum nicht?

– Herr Krause: Ein Reeder transportiert etwas mit seinem Schiff.

– Tu ich.

– Was denn ?

– Mich.

– Aber damit erzielen Sie doch keinen Gewinn. Sie zahlen doch sicher nicht sich selbst Geld.

– Das stimmt. Aber ich könnte jemand mitnehmen, der mir ein bisschen was zahlt. Wenn das die Voraussetzung ist, dass ich Reeder werde und eine Briefkastenfirma gründen kann.

– (Lacht) Herr Krause, ich habe Ihnen eine Weile zugehört, Sie hatten Ihren Spaß, und wir beenden das jetzt.

– Meine fünf Millionen interessieren Sie also nicht.

– (Pause) Fünf Millionen? Sie haben mit Ihrer Jolle fünf Millionen eingenommen?

– Nicht mit der Jolle. Ich habe im Lotto gewonnen.

– Herzlichen Glückwunsch. Dann haben Ihre fünf Millionen also gar nichts mit Ihrer Jolle zu tun.

– Doch. Ich möchte mit meiner Jolle Reeder werden und dann meine fünf Millionen in einer Briefkastenfirma – verstehen Sie? Das hat Ihr Bankensprecher ja so dargestellt. Wenn ich Reeder bin, ist es vollkommen legal –

– Ja, ja, das stimmt schon. Aber in Ihrem Fall –

– Und außerdem soll meine Frau nichts von den fünf Millionen wissen.

– Ihre Ehefrau.

– Das ist der andere legale gute Grund für eine Briefkastenfirma. Das hat ein anderer Banker gesagt.

– Sie sind also verheiratet.

– Nein.

– Sie haben aber doch eben gesagt –

– Ich habe gemeint für den Fall, dass ich mal heirate.

– Steht denn eine Heirat im Raum?

– Corinna möchte mich heiraten. Ich bin nicht abgeneigt, aber wenn wir uns scheiden lassen, möchte ich nicht, dass sie etwas von meinen fünf Millionen weiß, die ich als Reeder in Panama habe.

– Das verstehe ich, Herr Krause, und deshalb mache ich Ihnen jetzt ein Angebot, zu dem Sie nicht nein sagen werden: Sie überweisen uns Ihre fünf Millionen und wir legen Sie bei einem Reeder mit nach Panama ausgeflaggten Containerschiffen an, der in Panama Briefkastenfirmen hat.

– Und was wird aus meiner Jolle?

– Die segeln Sie weiter unter deutscher Flagge. Und wenn Sie ihre Corinna geheiratet haben und sich wieder scheiden lassen, dann denken Sie an den guten alten Janosch: O, wie schön ist Panama.

UdM

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