Schmähkritik (türkisch)

Lieber Ulrich!

Ein Bekannter aus Ankara hat mir heute einen Link zu der Sendung eines türkischen Satirikers geschickt, der ein Gedicht vorträgt, bei dem es sich ebenfalls um sogenannte Schmähkritik handeln soll. Allerdings ist Gegenstand des Gedichts nicht der türkische Präsident, sondern in diesem Fall die deutsche Bundeskanzlerin.

Leider kann ich den Link nicht öffnen. Vielleicht ist das Gedicht auch schon von der Regierung gelöscht worden, eine in der Türkei übliche Praxis, die bei uns in Deutschland sofort das Bundeverfassungsgericht in Aktion treten lassen würde. Jedenfalls geht es in dem Gedicht, das aus unerfindlichen Gründen vor einem Foto des Kölner Doms rezitiert wird, musikalisch untermalt von Heinos Version von „Schwarzbraun ist die Haselnuss“, vor allem um den Intimbereich von Angela Merkel.

Orientalisch breit ausholend und in vielen schönen sprachlichen Wendungen, werden dort Mutmaßungen über Körbchengröße, Fruchtbarkeitsstatus, Häufigkeit ehelichen Verkehrs, ungewöhnliche Sexualpraktiken und die „besonderen“ Beziehungen zu Putin und Obama angestellt.

Im Anschluss an den Vortrag werden dann Karikaturen eingeblendet, die auf den christlichen Glauben der Kanzlerin Bezug nehmen, aber das im Zuge der Eurokrise so beliebt gewordene Hakenkreuzmotiv hinzufügen. Die von der EU finanzierten neuen Flüchtlingscamps werden in einer Fotomontage den Nazi-Konzentrationslagern gleichgestellt. Das Bundeskabinett ist in SS-Montur mit Schäferhunden abgebildet.

Der türkische Satiriker rechnet nun fest mit einer Einbestellung des türkischen Botschafters ins Auswärtige Amt. Mein Bekannter geht in seiner Mail sogar so weit zu vermuten, dass eine solche Einbestellung vom Autor geradezu erhofft wird, um für eine angemessene Weiterverbreitung des Gedichts zu sorgen.

Aus Kreisen der türkischen Regierung, sowie aus dem Präsidentenpalast sei allerdings zu hören, dass eine Kontaktaufnahme mit der Kanzlerin oder ihrem Vorgesetzten, dem Bundespräsidenten (oder gar ein entschuldigender Anruf), nicht ins Auge gefasst werde. Dies umso weniger, als die Kanzlerin nicht nur eine Frau sei, sondern auch noch das Kopftuch verweigere. Allerdings lässt der Präsident über seine Gattin mitteilen, beim nächsten Besuch Angela Merkels in Ankara werde eine solche Kopftuchverweigerung nicht mehr hingenommen. Sie stelle aber gerne ein paar abgelegte Kopftücher ihrer Tante zur Verfügung.

Inzwischen versuche ich immer noch den Link irgendwie zu öffnen, möchte ihn gerne an Friede Springer, Mathias Döpfner und die Bildzeitung weiterleiten.

HR

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