DREHBUCH ZUM ZWEITEN

Zum Treffen der Regierungschefs am 28. Juni fehlt noch das Drehbuch.

So war es in einer Berliner Tageszeitung zu lesen. Drehbuchautoren, aufgeatmet!

Während das Fernsehen den ersten Anlauf unternimmt, das Drehbuch beim ‚Tatort’ abzuschaffen, gewinnt es in der Politik zusehends an Bedeutung. Immer öfter lesen und hören wir, dass bestimmte Abläufe bei politischen Frage- und Problemstellungen einem Drehbuch folgen.

Es scheint zwar schon eine Reihe von Autoren zu geben, die da, wie bei Drehbuchautoren nicht unüblich im Verborgenen und kaum wahrgenommen, tätig sind, Spezialisten für Krisendramen, Finanzkrimis, Kränkungskomödien mit den dazu gehörigen Protagonisten und Nebenrollen, aber es müssen auch mal neue Leute ran, zum Beispiel welche, die früher Fernsehkrimis geschrieben haben. Denn manche Endprodukte des Politschauspiels sind ausgesprochen missraten, – was nicht immer am Drehbuch liegen muss.

Erfahrene Drehbuchautoren wissen, dass auch das gelungenste Buch durch schlechte Regie und miese Darsteller verdorben werden kann. Hinzu kommt der offensichtliche Zeitdruck unter dem gearbeitet werden muss: Am Abend vor dem oben genannten Treffen – es geht um den Brexit, worum sonst in diesen Tagen – liegt also noch kein Drehbuch vor. Nun aber hurtig, lieber Autor, möchte man ausrufen. Das Ding will nicht nur ausgedacht und niedergeschrieben sein, die Darsteller sollen ja auch noch ihre Rollen lernen. Müssen wir uns also Sorgen machen, dass das Script nicht rechtzeitig vorliegt? In diesem Fall eher nicht. Denn eigentlich kennen alle Darsteller ihre Rollen. Es gibt Schurken, der ihren Text schon seit langem auswendig können, es gibt ihre erbitterten Widersacher, es gibt zur Milde Mahnende. Auch sie haben schon Proben ihrer Texte abgeliefert, sodass der Drehbuchautor trotz der Kürze bis zum Abgabetermin sich vermutlich die Frage stellen wird, ob er die Dialoge und den Handlungsverlauf überhaupt noch beeinflussen kann. Ist seine Arbeit vielleicht gar nicht erwünscht wie beim drehbuchlosen Ludwigshafen-Tatort?

Wohl doch. Denn im Gegensatz zu Fernseh-Kommissarin Odenthal, die zwar das Opfer kennt, die Täter aber erraten muss, kennt man beim Brexit-Krimi zwar

die Täter, ob die Opfer aber am Ende tot oder schwer verletzt sind oder nur ein blaues Auge haben ist noch vollkommen offen. Da fällt dem Drehbuchautor oder den Drehbuchautoren hoffentlich was Gescheites ein.

UdM

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