HÄNDE HOCH ODER ICH PINKLE

Heute Morgen, ich schicke mich gerade an, mit Emma Gassi zu gehen, sehe ich, wie Dan, mein Mitschüler aus alten Tagen, einen großen Zettel an der Wand seines Wohnhauses anbringt. Ich bin neugierig. ‚Bitte nicht gegen die Wand pinkeln!’ darunter eine Telefonnummer.


– Hallo, Dan, – lese gerade, was Du da an die Wand pinnst – ist das hier so ein Problem? Emma zum Beispiel halte ich immer an, nicht an Hauswände –
– Großes Missverständnis, wiegelt Dan ab. Ich meine keine Hunde. Der Zettel richtet sich an Polizisten.
– Also, wirklich, Dan, ist das nicht ein bisschen übertrieben?!
– Weiß man’s?
– Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Polizeiführung – gesetzt den Fall, es käme mal vor – da nicht scharf einschreiten würde.
– Die findet so was ‚nicht schön’ oder ‚misslich’. Aber einschreiten? Sieht nicht so aus. Und scharf schon gar nicht.
– Und die Telefonnummer auf dem Zettel?
– Ist meine. Wenn ein Polizist es gar nicht mehr aushalten kann, biete ich ihm mein WC an. Keine Bitte ohne alternatives Angebot, verstehst du?
– Du spielst auf diese Sache in Hamburg an. Vielleicht gab es in diesem Containerdorf für so viele Beamte nicht genügend Toiletten.
– Und zu schmale Betten, meinst du? Wobei ich es übrigens bei meiner Toilette belassen muss, mein Bett zum ‚bumsen’ biete ich nicht an.
– Dan! Solche vulgären Ausdrücke kenn ich von dir gar nicht.
– Benutze ich auch nie. Ich zitiere den Pressesprecher der Berliner Polizei. Der hat das so genannt, als er sich zum öffentlichen Sex eines Polizistenpaares geäußert hat. Die Beamtin, die im Bademantel auf einem Tisch getanzt hat, war übrigens nicht bewaffnet.
– Na, siehst du. Die Menschen übertreiben gern.
– Man sollte die Sache also nicht so hoch hängen.
– Hoch hängen nicht, aber angemessen behandeln natürlich schon.
– Der Polizeipräsident wurde gefragt, ob er an Rücktritt denkt. Wegen der Blamage. Immerhin wurden zweihundertzwanzig Berliner Polizisten wegen ihrer aus dem Ruder gelaufenen Party nach Hause geschickt.
– Wäre ein Zeichen gewesen. Wo kriegt man aber so schnell einen neuen Polizeipräsidenten her?
– Fand er auch. Er soll sich vor Lachen fast verschluckt haben. ‚Berliner Polizisten als Botschafter jugendlichen Lebensstils: Man arbeitet um zu feiern’.
– Das hat der Polizeipräsident gesagt?
– Hat er vielleicht gedacht, aber geschrieben hat es ein Kommentator im Berliner ‚Tagespiegel’. Übrigens: Dein Hund –
– Emma! Kommst du mal da weg!
– Sei nicht so streng! Sie ist ja nicht bei der Polizei.

UdM

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