SOCKEN

Eben im Café, zwei ältere Herren an benachbarten Tischen, beide zeitunglesend, offenbar beim Tausch der Gazetten gut eingespielt, sagt der eine: ‚Bin gleich durch, steht nichts drin.’ Darauf der andere: ’Hier auch nicht. Wird immer langweiliger.’

Das verwundert. Denn in den letzten Tagen ist ja doch einiges geschehen.

Der Rüpel in Washington hat seinen liebsten Raufbold verloren, weil der plötzlich nicht mehr mit Atomkanonen sondern mit Biathlon-Flinten schießen will, der andere Rüpel schickt seinen Außenminister nach Goslar, um mal zu schnuppern, wie die Luft da ist, der dritte Rüpel tut so als ob er sein Kabinett umbilden lässt, sägt aber munter weiter an EU-Justizstandarts, im Iran fordern die Menschen mehr Lebensqualität, und dann ist da ja noch die Sache mit den weißen Socken, die es immerhin auf die Frontseite eines serösen Blatts geschafft haben.

Sie kommt nämlich wieder, die weiße Socke, war da zu lesen. Jenes Accessoire, das bei modebewussten Menschen je nach Temperament zum Schmunzeln oder zum Würgen führte.

Unwillkürlich fallen einem da noch andere Socken ein. Zuerst natürlich die Rote Socke. Sie wurde den Vertretern einer Weltanschauung zugeschrieben, die ihre Sockenfarbe jetzt ins Violette spielen lassen, ohne an der Weltanschauung Erhebliches geändert zu haben. Es gibt die Blaue Socke, bei der das Blau wegen des prominenten braunen Musters kaum wahrnehmbar ist, des Weiteren die Gelbe Socke, die zum Erhalt ihrer Leuchtkraft mit keiner anders gefärbten Socke auftreten möchte, die Grüne Socke, wegen des Proporzes mit unterschiedlichen Grüntönen für den rechten und den linken Fuß und schließlich die Schwarzen Socken. Die schwarzen und die ganz schwarzen, was natürlich Unsinn ist, denn schwarz ist nun mal schwarz, obwohl die einen ihre Socken gerne noch schwärzer hätten als die anderen.

Nein, ich habe sie nicht vergessen. Denn wem gebühren wohl die weißen Socken, wenn nicht jenen, die sich ganz neu erfinden wollen?! – Wollten. Zurück zu den Wurzeln. Godesberg. Mindestens. Nie wieder schwarz. Martinus Candidus, der Heilsbringer aus Brüssel. Wir wollen aber nicht ungerecht sein. Vor der Wäsche sehen die Socken eben manchmal anders aus als hinterher. Andererseits: Wer was vom Waschen versteht, wird weiße und schwarze Socken nie in eine Trommel schmeißen. Was dabei rauskommt? Grau.

 

UdM

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