DER TIERZAHNARZT

Dina ist jetzt acht Jahre alt. Ihre Zähne waren schon länger nicht mehr die besten. Sie wurden regelmäßig gebürstet, mit Mineralpaste behandelt, einmal wurde auch Zahnstein entfernt. Die Zähne wurden nicht besser, vor allem die unteren Vorderzähne sahen besorgniserregend aus.

In Charlottenburg gibt es einen auf Tiere spezialisierten Zahnarzt, dessen Kollegin, unterstützt von zwei Assistentinnen, sich Dinas Gebiss anschaute. Ergebnis: Totalsanierung unter Narkose. Zähne entfernen, Zahnfleisch zurückschneiden, Zähne freilegen. Das ganze Programm!

Vor der OP musste geklärt werden, welche Narkosemittel Dina bekommen darf (irgendetwas mit einer Hirnschranke, die nicht durchbrochen werden darf). Wir waren nervös, verunsichert und fanden im Netz neben vielen sehr guten, auch eine schlechte Beurteilung der Praxis. Auch die robuste Brandenburger Züchterin äußerte sich skeptisch. Die Nacht vor dem Termin war schlaflos.

Alles ist gut verlaufen, Dina planmäßig eingeschlafen und wieder aufgewacht. Beim Abholen zeigte uns der Arzt eine Powerpoint Dokumentation des Eingriffes. Wir hatten keine Ahnung was da in Dinas Maul so alles versteckt war. Zum Abschied gab uns der Arzt mit auf den Weg: „Und frischer aus dem Maul riechen wird sie auch!“

Dina hat jetzt ein paar Zähne weniger, aber alle anderen sehen ganz toll aus!

H.R.

DIE TOILETTE

Es gibt öffentliche Institutionen, die eine Toilette für Frauen haben (herkömmlich mit einem D gekennzeichnet) und eine für Männer. Es gibt öffentliche Institutionen, die über drei Toiletten verfügen. Eine für Frauen, eine für Männer und eine für Menschen, die sich diesen beiden Kategorien nicht zugehörig fühlen.

Und es gibt Institutionen, wie das Theater der Berliner Festspiele in der Schaperstrasse, die eine Toilette mit Pissoir und eine ohne Pissoir haben.

Das Verschwinden der mit einem D gekennzeichneten Toilette hat zur Folge, dass die Toilette „ohne Pissoir“ auch von Menschen mit männlichen Geschlechtsmerkmalen, die sich als männlich identifizieren benutzt wird. Vielleicht weil die Schlange vor der Pissoirtoilette länger war. Oder weil sie nicht gerne ein Pissoir benutzen. Oder weil sie Frauen beim Schminken zusehen wollen.

Jedenfalls haben Menschen mit weiblichen Geschlechtsmerkmalen, die sich als Frauen identifizieren, einen ehemals geschützten Raum verloren und müssen sich damit abfinden, dass Toilettenbrillen nicht heruntergeklappt werden und sich auch andere Spuren männlichen Pinkelverhaltens finden.

Der Versuch, eine Lösung für die berechtigten Anliegen einer Minderheit zu finden, führt also ausgerechnet zu einer Privilegierung der Männer und einer Benachteiligung der Frauen.

H.R.

HUNDEKOT

Der Balettdirektor der Staatsoper Hannover hat eine Journalistin, die seine Arbeit kritisch begleitete, im Theater mit Hundekot beschmiert. Die Aktion hat ihn über Nacht weltbekannt gemacht.

Dina meint: „Wäre es nicht konsequent gewesen, die Kritikerin mit den eigenen Exkrementen zu attackieren?“

H.R.

WILL NICHT MEHR

Anne Will hört Ende des Jahres als Moderatorin ihrer Sendung auf. Das ist eine gute Nachricht! Für die Moderatorin, die im sonntäglichen Ritual zunehmend erstarrt, genervt und angeödet wirkte.

Es ist eine gute Nachricht für die ARD, die künftig viel Geld sparen kann, indem sie die Sendung nicht mehr als Auftragsproduktion an die Firma der Moderatorin oder des Moderators vergibt. Ein geeignetes Studio, z.B. beim rbb in Berlin, sollte sich finden lassen und genügend qualifizierte Redakteurinnen und Redakteure gibt es auch.

Es ist eine gute Nachricht für Zuschauerinnen und Zuschauer. Nicht nur können sie auf eine neue Gesprächsleitung hoffen, sondern vielleicht sogar auf ein neues Konzept: mehr Journalismus, weniger Talk. Mehr Erkenntnisgewinn, weniger zugespitzte, populistische Einspielfilmchen.

Und wenn es beim Sendeplatz am Sonntagabend um 21:45 bleibt, kann quotenmäßig nicht all zu viel schief gehen. Der „Tatort“ als Vorlauf ist eine sichere Bank.

H.R.

BOULEVARD DER DÄMMERUNG

Es gibt Fernsehsendungen, die man sich trotz der Moderatorinnen anschaut. „Maybrit Illner“ zum Beispiel und „Anne Will“. Diese Art, gesellschaftspolitische Themen zu diskutieren, ist so aus der Zeit gefallen, dass es einen wundert, weshalb in den Sendeanstalten nicht längst über Alternativen nachgedacht wird. Die besserwisserisch-ironische Fragehaltung, die durchschaubaren Versuche, Schlagzeilen und Klicks statt Erkenntnisgewinn zu produzieren, wirken zunehmend peinlich.

Sich auf Argumente einzulassen, gehört ebenfalls nicht zu den Stärken. Gnadenlos wird der von einer vielköpfigen Redaktion erstellte Fragenkatalog abgearbeitet. Hinweise auf nicht zutreffende Tatsachenbehauptungen durch die geladenen Gäste lassen gelegentlich erkennen, wie wenig die Moderatorinnen tatsächlich „im Stoff“ sind. Da hilft in der Not ein als Provokation konzipierter Einspielfilm, der mit dem tatsächlichen Gesprächsverlauf nur noch wenig zu tun hat. Aber um darauf zu verzichten, war er dann zu teuer.

Vielleicht sollten die Sender mit wöchentlich wechselnder Moderation für ein bißchen internen Wettbewerb sorgen. Etwas sachlicher, weniger eitel, insgesamt frischer und frecher, statt beleidigt und schulmeisterlich. Wenn die nun wirklich nicht kompliziert zu produzierenden Sendungen in der ARD auch noch von eigenen Redaktionen hergestellt würden, wäre schon wieder Geld gespart.

H.R.

IDEALHUND

Ein Kölner Freund hat mir ein Video geschickt. Darin macht ein Hund auf Kommando Schubladen zu. Ob das nicht etwas für Dina sei? Ich habe Dina das Video gezeigt. Sie hat mich verständnislos angesehen. Dann ging sie zur angelehnten Tür des Wintergartens, schubste sie mit der Schnauze auf und liess sie wie immer offen stehen.

Ich zeigte ihr das Video noch einmal. Sie stöhnte leise, kreiste kurz bevor sie sich hinlegte und brummelte: „Chef, kannst Du bitte die Tür ein kleines bisschen zumachen?“

H.R.

IDEALGEWICHT

Es ist viel passiert oder eben auch nicht. Dina war wandern in Südtirol. Dina war in einem neuen Hundehotel. Dina war bei der Tierärztin. Dina wurde gewogen. Zweimal im Hunde-Wald-Hotel, einmal bei der Ärztin. Das zusammengefasste Ergebnis: Jubel, Ernüchterung, Resignation.

Dina wiegt mal mehr mal weniger, mal 23 Kilo, mal 24 Kilo, meist irgendwo dazwischen. Egal ob es hoch durch die Berge geht oder schnellen Schrittes durch die Prignitz. Ob es dreimal am Tag der Park ist oder ausnahmsweise der Gang um den Block. Im Schnitt kommt sie auf 10 Kilometer plus Ballspielen. Aber es ändert alles nichts: Trotz sorgfältig angepasstem Futter, trotz reduzierter Menge und so gut wie keinen Leckerlis: Die Pfunde purzeln nicht, sie bleiben einfach da!

Es dauerte, bis wir ihre Botschaft verstanden hatten: Das Idealgewicht beträgt 24 Kilo. Über ein paar Gramm mehr oder weniger läßt sie mit sich reden. Und die Waagen die Tierärztinnen stimmen sowieso nicht. Wir finden unser Hund sieht gut aus!

H.R.

DINA UND DIE PFUNDE

Es gab lange keine Neuigkeiten über Dinas Gewichtsproblemen. Das hatte Gründe. Vor einigen Wochen musste Dina wieder auf die Waage der Tierärztin. Es ging im Grunde nur noch um die Bestätigung, dass sie mindestens ein weiteres Pfund abgenommen hatte und das Wunschgewicht von ca. 22 kg in greifbarer Nähe sei.

Es kam anders! Dina hatte zugelegt! Bestürzung, Verwirrung, Ratlosigkeit – auch bei der Ärztin und ihrer Assistentin. Dina wurde nochmals gewogen, dieses Mal ohne Geschirr. Die Waage ließ sich nicht überlisten. 24 kg blieben 24 kg.

Weshalb kommt dieser Gewichtszustandsbericht gerade heute: Soeben ist Dina unterwegs zum Wiegen. Dieses Mal sind wir ganz sicher: Sie hat dramatisch abgenommen.

H.R.

DIE HAUBITZE

Wie ich den Nachrichten entnehme, ist die deutsche Panzerhaubitze 2000 endlich in der Ukraine angekommen. Das russische Militär hatte also Zeit genug, sich zu überlegen, wie sie so schnell wie möglich unschädlich gemacht werden kann. Eine neue Haubitze zu bauen, dauert etwa zwei Jahre. Aber wie der Generalsekretär der NATO gestern erklärt hat, kann der Krieg noch Jahre dauern. Na, dann!

H.R.