Welt

Lieber Hansjürgen,

hast Du das gelesen? Das von dem polnischen Hund, den sein Herrchen als Riesenspinne verkleidet hat, um damit nächtens Passanten zu erschrecken? Und schlimmer noch, die schrecklichsten der Schrecken ( Schiller, Die Glocke ) zu filmen und ins Internet zu stellen und – nun kommt es: Damit das am meisten angeklickte Video des Jahres erklickt hat!

Nicht nur, dass wir Emma nie in irgendwas verkleiden würden, es sei denn in ein ihrem Charakter gemäßes Lamm, bin ich damit fast automatisch bei anderen erschreckenden Tieren, in diesem Fall Heuschrecken, und damit wiederum beinahe zwangsläufig in London, GB.

Dort, im Finanzbezirk sitzen bekanntlich viele dieser Heuschrecken und laben sich an der dortigen Börse, die Aktien von britischen Unternehmen in Umlauf bringen, von denen behauptet wird, dass es sie seit langem gar nicht mehr gibt. Aktien von stillgelegten Bergwerken und anderen virtuellen Industrien, die zu Finanzprodukten mit anderem faulen Zeug zusammengeschnürt als angeblich lukrative Investments blöden Festlandeuropäern angedreht werden.

Wenn die das merken, werden regelmäßig zwei Prozesse in Gang gesetzt.

Der erste geht so: Die Londoner Finanzwelt schließt sich dem Wehklagen der Festlandsregierungen mit krokodilstränengeschwängerter Treuherzigkeit an, fordert harte Maßnahmen (gegen sich selbst), erntet Lob, besteigt in Brüssel die Privatjets in Richtung British Virgin Islands, lässt die Champagnerkorken knallen, lacht sich scheckig, wie bei einem gute Monty-Python-Sketch und bestellt ein paar hundert neue Porsche fürs Personal.

Der zweite geht sehr viel einfacher: London droht mit dem Austritt aus der EU. Seltsamerweise bekommen dann alle Festlandeuropäer einen Schreck, als sei ihnen nächtens ein als Spinne verkleideter polnischer Hund begegnet und fragen artig, was man denn machen könne, um den Londoner Finanzdistrikt einschließlich aller Heuschrecken zu versöhnen. Den dann vorgetragenen Wünschen wird in der Regel entsprochen, was relativ gut geht, solange der Kraut-Finanzminister sich an seiner schwarzen Null berauscht.

Nun hat London aber auch noch ein Hinterland, das von Briten bewohnt wird. Vielen geht es nicht sehr gut. Um denen zu erklären, warum das so ist, und warum die jeweilige britische Regierung damit rein gar nichts zu tun hat, wird wiederum die EU mit ihren scheußlichen Diktaten in Haftung genommen. Und um das Volk zu beruhigen wird ihm ein über das andere Mal versprochen, künftigen britischen Wohlstand mittels Austritt aus der Gängeltruppe in Brüssel zu erzeugen.

Natürlich denkt in London niemand ernsthaft an einen solchen Schritt, dafür sorgen schon Börse, Banker und Heuschrecken, die sich ihren gut bestellten Festlandsacker um nichts in der Welt nehmen lassen würden.

Die Brüsseler geben den Londonern aber immer wieder törichte Steilvorlagen, die man auf der Insel prächtig zur Stimmungsmache nutze kann. So eine Verordnung aus der EU-Bürokratie, die allerdings auch Festlandseuropäer stutzig machen könnte.

Es geht um eine Verordnung zur Beschaffenheit von Ofen- und Spülhandschuhen. Nein, das ist jetzt kein Monty-Python-Sketch, sondern die pure Brüsseler Wahrheit.

Nun wird das hierzulande, bei einer relativ großen Spülmaschinendichte niemanden so richtig schrecken, weil bei uns, wenn überhaupt, die Frauen spülen, und wir uns deshalb um deren Spülhandschuhe keine wirklichen Sorgen machen. Was die Ofenhandschuhe betrifft, gibt es bei uns nicht mehr genug Öfen, um ernsthaft auf die Barrikaden zu gehen.

Ganz anders in England. Die Bevölkerung ist ärmer, hat wenige Spülmaschinen und noch sehr viele Öfen, meist allerdings gasbetrieben.

Die Ofen- und Spülhandschuh-Richtlinie muss also auf der Insel in diesem Fall wohl zu Recht als Provokation empfunden werden.

Haben die das in Brüssel nicht bedacht ?

Vielleicht doch. Vielleicht wollte man mit den zukünftig asbestbewehrten Ofenhandschuhen nur verhindern, dass sich unsere britischen Freunde, was die EU betrifft, nicht doch eines Tages die Finger verbrennen.

Have a nice day

Ulrich

 

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