Hundetagebuch 12

Lieber Ulrich,

natürlich gibt es auch in der Hauptstadt nette Menschen, die lobende Worte für liebenswerte Welpen finden. Du solltest Dich allerdings nicht so sehr an menschlichen Gerüchen stören, Emma tut es ja offenbar auch nicht.

Wir sind Vorgestern vom „flachen Land“ zurückgekehrt. Auch wenn Kleinmachnow nun wirklich keinen Großstadtcharakter hat, mit dem Savignyplatz schon gar nicht zu vergleichen ist, für unser Hündchen gab es jede Menge neue Geräusche, Menschen und natürlich ein weiteres Zuhause.

Ich war mit den Katzen vorgefahren, da D. und Mika noch zur Impfung bei unserer Wittstocker Tierärztin mussten. Wirklich preiswert und äußerst kompetent, im Vergleich zu den Praxen die wir in Zehlendorf und Kleinmachnow kennen gelernt haben.

Eingedenk Deiner Berichte über die Affinität Eurer Hündin zu Teppichen, habe ich unsere im Erdgeschoss sofort entfernt, selbst wenn sie nicht weiß sind, dafür aber für spielwütige Welpen äußerst attraktiv (Kelim). Diese Vorsichtsmaßnahme erwies sich als richtig, da Mika sich nach ihrer Ankunft ohne großes Zögern daran machte, die Fransen einer schottischen Karodecke zu zerfetzen. Anschließend testete sie die Erde der Topfpflanzen, obwohl ich in Kenntnis dieser Angewohnheit, mit ökologisch korrektem Antihundespray tätig gewesen war. Auch am dritten Tag hilft nur beherztes Eingreifen, um die Pflanzen, bzw. die sie umgebende Erde zu schützen.

Im Garten setzt Mika ungebrochen ihre Hütehundaktivitäten fort, rast durch jeden Busch, D., mich, einen Hartgummiball, ein Stöckchen, ein Blatt, einen Plastiktopf umkreisend. Warnende Hinweise auf die noch im Aufbau befindlichen Knochen und Gelenke, die weder durch Sprünge noch durch Treppen strapaziert werden dürften, erweisen sich als schöne, nichts als ein schlechtes Hundehaltergewissen verursachende Theorie.

Unser Hund springt von der Terrasse, auf die Terrasse, rast die Stufen hoch und runter, ganz gleich was ich dazu aus den Büchern vorlese. Die Treppe zum Keller und die in die oberen Stockwerke respektiert sie allerdings, was somit schlimmste Schäden verhindern sollte, den Katzen und mir hundefreie Zonen und dem Ehepaar eine ungestörte Nachtruhe verschafft.

Was die Stubenreinheit betrifft, ist Mika ein Musterhund, allerdings muss ihr irgendjemand gesagt haben, dass Hundekot etc. auf öffentlichen Wegen zu empfindlichen Strafen bei den Tierhaltern führe. Mika jedenfalls legt ab und pieselt nur auf dem eigenen Grundstück, was D. mit beherztem, durch Hundekotplastiktütchen geschütztem Zugriff, der Entsorgung im Restmüll zuführt. Eigentlich müsste es wohl in die Biomülltonne, aber wir wollen mal nicht zu kleinlich sein.

Was unser Sternhagener überhaupt nicht mag, sind Spaziergänge. Im Garten herumrasen – ja, mal kurz an die 50 Meter entfernte Straßenecke – ja, aber mehr ist nicht drin. Heute Nachmittag haben wir versucht sie auszutricksen, sind mit ihr im Auto zum 200 Meter entfernten ehemaligen Mauerstreifen gefahren, der jetzt die Hunderennbahn für Zehlendorfer und Kleinmachnower Vierbeiner ist. Mika hat zwar alle Hunde im Umkreis von 20 Metern zum geparkten Auto beschnüffelt, auch den ein oder anderen Zaunabschnitt, aber dann zog sie, von Erstickungsgefahr durch die Leine bedroht, mit Macht zurück zum vertrauten Auto.

Wir haben schon allerlei Theorien über genetisch dominante Hüteeigenschaften entwickelt. D. äußerte ihr Bedauern, dass aus den gemeinsamen Joggingabenteuern wohl nichts werde, bis unser künftiger Hundesitter vorbeikam, um ein Geburtstagsgeschenk einer alten SFB/ORB/ARD-Kollegin zu bringen, über die wir ihn kennen gelernt hatten. Es ist, Du wirst es leicht erraten, ein Hundebuch: „Die einzigartige Intelligenz der Hunde“ von Alwin Schönberger. Aha, endlich ein Autor und keine Autorin, höre ich Dich murmeln. Der erste Satz lautet: „Vendel zögerte keine Sekunde. Mit einem Satz stürzte er sich auf den kleinen Plastikball, der vor seiner Nase über den Boden rollte.“

So könnte auch ein Roman anfangen, ist es aber nicht, sondern eine Zusammenstellung der „neuesten Erkenntnisse der renommiertesten Hundeforscher der Welt“. Du ahnst, was im Verlaufe unserer Korrespondenz auf Dich zukommen könnte!

Nun aber zurück zu Mikas Häuslichkeitstrieb: in ihrem Alter ist das völlig normal!! Sagt Jacek, unser Hundelehrerwalker, der so etwas eben weiß. Außerdem hat er D. einen Hebegriff demonstriert, den sie Euch beim morgigen Brunch gerne zeigen kann.

Ich bin sehr gespannt, wie das Wiedersehen der Geschwister verläuft. Du sicher auch. Wahrscheinlich werden sie gemeinsam die von Mika begonnenen Buddelarbeiten rund um unsere Magnolie fortsetzen. Wir sehen das inzwischen schon sehr gelassen! Auf jeden Fall wird es für mich ein sehr entspannter Geburtstag, denn im Mittelpunkt der Veranstaltung werde ich mit Sicherheit nicht stehen.

Bis morgen. Wau, Wau!

Hansjürgen

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