Hundetagebuch 15

Lieber Ulrich,

heute habe ich mein „Polizeiliches Führungszeugnis“ beantragt. Nicht weil ich im hohen Alter noch als Beamter in den Staatsdienst wollte oder mir eine Schusswaffe zur Selbstverteidigung zulegen möchte. Der Grund, Du ahnst es schon, ist unser Sternhagener Welpe. Ab 40 cm Risthöhe – heißt das so? – benötigt der Hundehalter in Brandenburg besagtes Zeugnis. Das ist für schlappe 13 Euro zu haben und wird dann auch gleich dem Ordnungsamt zugeschickt, das dann weiß, dass alles in Ordnung ist, was mögliche Vorstrafen betrifft. Einmal sind Tätlichkeiten die zur Bestrafung führen erlaubt, aber nach dem zweiten Mal wird es schwierig mit den großen Hunden.

Selbst die Sachbearbeiterin im Kleinmachnower Rathaus fand die Regelung ziemlich unsinnig, da ja die Größe überhaupt nichts aussagt über die Gefährlichkeit eines Hundes, bzw. über die bösen Absichten seines Besitzers. Erst wenn es einen selbst betrifft, werden einem so manche Absurditäten unseres Rechtssystems klar. Da ich inzwischen gelernt habe, solchen offensichtlichen Unsinn nicht mehr an der falschen Stelle provokativ zu entlarven und auf die Spitze zu treiben, konnte ich ohne Zwischenfall mit Hundemarke und den besten Wünschen das Bürgerbüro verlassen. Die Hundesteuer wird abgebucht: 67 Euro.

Mika war heute, während ich sie anmeldete, zum ersten Mal mit dem Hundesitter unterwegs. Ein wenig kam ich mir wie ein kinderbetreuender Hausmann vor, der aufatmend, weil vorübergehend von Aufsichts- und Spielpflichten befreit, zur Zeitung greift und sich noch einen Espresso macht. Stattdessen nutzte ich die drei ein halb Stunden Hundekindergarten für besagten Behördengang, die Beschaffung zusätzlicher Einzäunungsmaterialien für die bis zur Rückkehr des Welpen zu bewerkstelligende Resteinzäunung, um weitere Ausbruchversuche auf die Nachbargrundstücke im Dunkeln der Nacht zu blockieren.

Das war schon deswegen vordringlich, weil D. gestern Abend in strömendem Regen mit der Taschenlampe auf die Suche nach Mika ging, die nach wie vor ihre Häufchen partout im eigenen Garten ablegen möchte.

Jacek, der Hundesitter, rät bei ersten Anzeichen der „Stuhl Unruhe“ zum beherzten Hinaustragen auf den Bürgersteig. Das sagt sich so leicht, das schreibt sich so leicht. Im Sommer lässt sich das vielleicht machen, aber nach 18:00 Uhr im Winter in Berlin? Nur mit Mühe ist der Hund überhaupt zu entdecken. Und dann noch Anzeichen von Unruhe erkennen, nee!

Wahrscheinlich ist Eure Emma ein absolut gehorsames und leicht zu bändigendes Tier. Mika dagegen liebt es, an allen möglichen Stellen Löcher zu buddeln, Sträucher anzuknabbern und vor mir weg zu rennen. Da ich, später von der Gemahlin dafür getadelt, Mika ohne Halsband ins Freie gelassen hatte als Piselverdacht bestand, musste ich körperliche Kraft einsetzen, um den schleichenden Autoritätsverlust vorübergehend zu stoppen und den Hund nach der entsprechenden Unterwerfungsgeste ins Haus zu bekommen.

Mika hat übrigens eine klare Haltung zum „Tagesspiegel“: Es lohnt sich nicht ihn zu lesen. Beginnend mit dem Kulturteil, was auf eine ausgeprägte Fähigkeit des Differenzierens schließen lässt, zerfetzte sie die Sonntagszeitung voller Lust. Die Frage, ob ich sie schon gelesen hätte kam, während der Sportteil zerlegt wurde. Mal sehn, was Mika von der Süddeutschen hält. Ich werde berichten.

Gestern Abend ist es mir doch tatsächlich gelungen Nick Hornbys „A Long Way Down“ zu Ende zu lesen, obwohl dieser multiperspektivisch erzählte Roman von vier potentielle Selbstmörder handelt, die sich in der Sylvesternacht auf einem Absprung geeigneten Londoner Hochhausdach treffen, ist er äußerst amüsant, fast schon süffig, geschrieben. Auf jeden Fall bin ich von den Hunderatgebern weg, wie Du merkst. Dafür habe ich in einer halben Stunde, um 18:00 Uhr eine Privatstunde Hundeerziehung. Wenn mir das jemand vor einem halben Jahr prophezeit hätte…

Da Mika inzwischen bereit ist das eigene Grundstück zu verlassen, könnten wir bei passender Gelegenheit mal einen gemeinsamen (Kurz)Spaziergang versuchen, besonders wenn er sich mit einem Glas Rotwein in einer hundefreundlichen Kneipe abschließen ließe. Man soll seine kleinen vierbeinigen Lieblinge ja so früh wie möglich mit allen späteren Regelaktivitäten vertraut machen!

Jetzt muss ich noch schnell Hundebilder verschicken, die Katzen an dem Hund vorbei transportieren, damit sie in Ruhe an ihre Futternäpfe gelangen und mich nicht wegen fortwährender Grausamkeit beim Tierschutz melden. Schon deswegen verabschiede ich mich heute mit einem

Miau, Wau, Wau!

Hansjürgen

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