„Sehn se dat is Berlin…“ 1

Der Bezirk Zehlendorf hat entschieden, dass künftig auf den Uferwegen des Schlachtensees und der Krummen Lanke Hundeverbot gilt. Die vom Regen in den See gespülten Hinterlassenschaften der Hunde verunreinigten das Wasser und gefährdeten die Badenden. So weit, so gut! Nun zu den Folgen:

1. Menschen mit Hund müssen diesen künftig zu Hause oder im Auto lassen, wenn sie am See entlang spazieren wollen. Ich warte auf die erste Klage vor dem Verwaltungsgericht.

2. Menschen mit Hund, die trotz des Verbotes mit ihrem Hund dort spazieren gehen, werden von anderen Menschen angesprochen, angepöbelt, angezeigt. Das sorgt für gute Stimmung.

3. Menschen mit Hund, die nicht mehr mit diesem dort entlanggehen dürfen, verlangen vom Bezirk ein Verbot der sommerlichen Partys, insbesondere der nächtlichen Gelage, da es in deren Gefolge zu menschlichen Ausscheidungen kommt, die die Qualität des Wassers gefährden. Sie verlangen außerdem, dass Fahrradfahren und Joggen verboten wird, da es Kinder und Senioren gefährdet.

Jetzt mal zur Praxis: In Berlin herrscht außerhalb ausgewiesener Hundeauslaufsgebiete zwar (noch) kein Leinenzwang, aber er könnte z.B. für zu schützende Gewässer eingeführt werden. Außerdem ist das Mitführen von Tütchen zur Aufnahme der Ablage vorgeschrieben. Daran hält sich ein Teil der Hundebesitzer. Kontrolliert wird es nicht! (Wie so vieles in der Hauptstadt, was manchmal gar nicht so falsch ist, manchmal aber auch nicht).

Also: Gesetzt der Fall, dass Hundebesitzer, die mit Hund am Schlachtensee spazieren gehen, diesen an der Leine halten und seine Hinterlassenschaften auflesen und in Abfallbehältern entsorgen, wo ist dann das Problem? Der im Boden versickernde Hundeurin kann es nicht sein.

Das Problem ist, dass dem Ordnungsamt die Mitarbeiter fehlen, die Abfallbehälter weitgehend abgebaut worden sind, und es einfacher ist etwas zu verbieten, als nach einer für alle Bürger akzeptablen Lösung zu suchen.

Wie wäre es z.B. mit einer kleinen, zweckgebundenen Anhebung der Hundesteuer (wofür wird die eigentlich benutzt?), um das Personal wieder aufzustocken und ein paar Abfallbehälter zu ergänzen?

Ein alter Kollege ist vor ein paar Jahren mit Ehefrau und Hund ganz bewusst in die Nähe des Schlachtensees gezogen, weil dort Hund, Herrchen und Frauchen bequemen, naturnahem Auslauf haben. Ich sehe ihn schon eine Pegida ähnliche Demonstration planen: „Wir sind auch das Volk!“ „Hundebesitzer Berlins vereinigt euch!“

hr

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