Hundetagebuch 18

Lieber Ulrich,

kaum wollte ich mit meinem Festtagsbericht beginnen, tauchte Mika neben dem Tisch auf, stürzte sich auf das Ladekabel des Laptop und vereitelte erst einmal alle Versuche, mich mit der Tastatur statt mit ihr zu beschäftigen. Inzwischen sitzt D. mit ihr auf dem Boden und „bespielt“ sie.

Höhen und Tiefen, Triumph und Verzweiflung lagen mal wieder dicht beieinander. Gestern Nacht habe ich D. zum ersten Mal am Rande einer Hundekrise erlebt. Aber eines nach dem anderen: Du wirst Dich erinnern, dass die Verdauungsprozesse und ihre Folgen eine große Rolle in unserem Zusammenleben mit Mika zu spielen begonnen haben, insbesondere ihre hartnäckige Weigerung zum Ablegen oder Pinkeln ihr eigenes Territorium zu verlassen.

D.s Ziel für unseren verlängerten Feiertagsurlaub auf dem Land besteht darin, Mika das Ablegen außerhalb von Garten oder Grundstück anzuerziehen. Am 2. Weihnachtsfeiertag war es so weit: Mika legte zum ersten Mal während eines längeren Spaziergangs auf freiem Felde ab und – unsere Glück vollkommen machend – pinkelte sie wenige Minuten später ebenfalls. Wir haben sie, den Anweisungen aller Hundebücher folgend, überschwänglichst gelobt (unbefangene Beobachter müssen uns für total bescheuert gehalten haben). Alles war gut, Mika die Tollste. Sie bekam Feucht- statt Trockenfutter inklusive der von ihr so geliebten Pellkartoffeln.

Um den häuslichen Verkehrsfluss für Katzen und Hund möglichst konfliktfrei zu gestalten, hatten wir bei unserer Ankunft in der Prignitz das Katzenklo in den Hauswirtschaftsraum im Erdgeschoss gestellt, zu dem eine separate Treppe aus dem ersten Stock führt, und der bei Schließung einer Vorraumtür, zur hundefreien Zone wird. Unsere Vorstellung war, dass nächtlich Störungen dadurch ausgeschlossen würden, dass die Katzen – von Natur aus schlau – die Nebentreppe benutzen, ihre Notdurft verrichten und auf ihre diversen Schlafplätze vor oder im Schlafzimmer zurückkehren würden.

Es kam, Du hast es längst vermutet, ganz anders. Morgens gegen halbsechs fiepste der Hund, wurde unser Kater unruhig, verließ meine Frau das eheliche Bett, um die Dinge zu klären. Während sie die Vorbereitungen für das Ablegen des Katers traf, der sich geweigert hatte, die Treppe zum Hauswirtschaftsraum zu benutzen und auf seinem gewohnten „Ablegen im Freien“ zu bestehen versuchte, zog ein vertrauter, nicht sehr angenehmer Duft an meiner Nase vorbei. In dem Glauben, es handle sich um den Geruch des Katzengeschäfts aus dem Erdgeschoss, schreckte ich auf, als D. mit Küchenpapier bewaffnet ins Schlafzimmer stürzte. Kater Tom hatte, was noch nie vorgekommen war, sein Häufchen auf den Schlafzimmerteppich gelegt.

Das Häufchen wurde entfernt, der Teppich kam in die Waschmaschine, die Fenster wurden zur Geruchbeseitigung geöffnet, die Menschen schauten sich betroffen an. Hatten sie die Katzen überfordert? War da Protest im Spiel? Wurde Liebesentzug vermutet? Die Lösung ist natürlich einfacher. Was würden wir wohl machen, wenn ständig die Toilette verlegt wird und wir sie im Dunkeln nicht finden (wollen)?

Wir hatten jetzt jedenfalls ein neues, ein Katzenproblem, das wir dadurch lösten, dass das Katzenklo ein weiteres Mal den Platz wechselte und nun im Bad neben dem Schlafzimmer steht, somit das autonome Katzenleben im ersten Stock komplett macht, da dort auch das Futter serviert wird. Jetzt fehlt nur noch ein für Hunde unzugänglicher Katzenlift und die Dinge könnten ins Lot kommen.

Rein zufällig warf ich inzwischen einen Blick in unser Bad im Parterre, wo ich auf der weißen Badematte zwei dunkelbraune Objekte ausmachte, die ebenfalls einen nicht angenehmen Geruch verströmten. Statt bei dem zum Ablegen gedachten frühmorgendlichen Gang – außerhalb des Grundstücks versteht sich – abzulegen, hatte Mika eine Aufmerksamkeitslücke genutzt und (Skandal!) zum ersten Mal im Haus ihren Haufen abgelegt. Der Haufen wurde entfernt, das Fenster geöffnet, die Badematte kam in die Waschmaschine.

Während ich den letzten Satz schreibe, kommt Mika mit einem Handtuch im Maul, blickt mich treu an, legt sich auf meine Füße und möchte nicht einmal ahnen, was ich Dir hier so alles mitteile. Schließlich verlässt sie inzwischen sehr gerne für längere Spaziergänge das Haus, ist freundlich und aufgeschlossen, großen Hunden und Tischstaubsaugern gegenüber eher ängstlich, hat innerhalb eines guten Tages einen Riesenparmaschinkenknochen lustvoll zerknabbert und heute zwar nicht auf dem Feld abgelegt, aber immerhin gepinkelt. Der Fortschritt ist unaufhaltbar.

Wau!

Hansjürgen

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