Hundetagebuch 23

Lieber Hansjürgen,

Die Oma-Leine, wie Du sie treffend nennst, die mit dem Federmechanismus, liegt unbenutzt herum. Weder G., noch die Kinder wollten sie bisher zum Einsatz bringen. Also wird es mir vorbehalten sein, einen ersten Versuch zu machen. Deine positive Beurteilung der langen Leine hat mich ermuntert, nun doch und zusätzlich eine solche zu kaufen.

Die Einschränkungen, die Mika für Eure Abendaktivitäten bedeutet, kann ich auch für uns bestätigen, allerdings sind wir auch bisher schon, kinderbedingt, an sie gewöhnt.

Dazu ist anzumerken, dass die Kinder, gerade so selbständig werden, dass wir sie auch ohne Babysitter mal allein lassen könnten. (Wäre da nicht der Fernseher, den mit einer Programmsperre zu belegen oder ihn gar zeitliche begrenzt funktionsuntüchtig zu machen, wir wiederum den Mädchen gegenüber für unwürdig halten. Das hieße, wir hätten kein Vertrauen zu ihnen, der nächtlichen Fernsehversuchung zu widerstehen, wohl wissend, dass sie ihr erliegen würden, wie es auch bei uns selbst trotz erhobener Kinderschwurfinger war.)

Emmas Eintritt in unser Leben wirft uns da wieder zurück. Die Perspektive ist, Emma mit den Kindern allein zu lassen, was wiederum zu einem kaum einhaltbaren Versprechen der Kinder führen würde, nämlich Emma nicht mit ins Bett zu nehmen.

G. meint: ‚Na, dann nehmen sie sie eben mit ins Bett.‘ Bin ich da zu pingelig ?

Etwas neidvoll habe ich zur Kenntnis genommen, dass Euer Hundetrainer wohl täglich für freie Vormittage sorgt. Bei uns ist es nur der Dienstag und Donnerstag. An den übrigen Werktagen ist Emma mit uns im Büro. Gerade jetzt liegt sie hinter meinem Schreibtischstuhl und zwar so nah, dass ich mich nur mühsam aus ihm herauswinden kann, wenn ich ihren zarten Schlaf nicht stören will.. Mit einem Menschen wäre ich vermutlich ruppiger.

Emma war nach den zwei Nächten bei der Hundesitterin sehr schlapp und wollte ihre Nahrung nicht zur üblichen Zeit einnehmen. Allerdings war sie bei einem Waldspaziergang am Sonntag wieder vollkommen fit und raste wie eine Wilde durchs Unterholz. Leider kamen wir auf einen von Reitern genutzten Weg, auf dem Pferdeäpfel lagen, die für Emma etwas so köstliches sein müssen, wie für Connaisseurs Iranischer Kaviar. Wir mussten Emma regelrecht wegzerren, konnten aber nicht verhindern, dass sie blitzschnell doch vom einen oder anderen Apfel kostete.

Am darauffolgenden Montag und Dienstag hat sie dann so gut wie nichts gegessen, erfreulicherweise aber auch nicht gekotzt.

Dafür ist sie nach dem Hundesitterübernachtungsausflug in Stubenunreinheit zurückgefallen. Zweimal gab es ‚Downloads‘ in der Wohnung, wenn auch in der Nähe der Wohnungstür, was auf den Wusch schließen läßt, eigentlich doch lieber das Geschäft draußen erledigt haben zu wollen. Zweimal wurde auch in die Wohnung gepinkelt. Das kann aber auch alles mit der mangelnden oder ungünstigen und unregelmäßigen Nahrungsaufnahme zu tun gehabt haben. Nun sind die Dinge wieder im Lot, und ich freue mich auf den Tag, an dem wir wieder die Türen aller Zimmer offen stehen lassen können. Das tun wir zur Zeit nicht, weil wir den Radius, in dem Emma rückfällig werden könnte, überschaubar halten wollen.

Unsere Altbauwohnung bekommt dadurch etwas Bedrückendes, und es erinnert mich an meine Nachkriegskindheit, als aus Mangel nur ein oder zwei Zimmer beheizt wurden, und man oft angeraunzt wurde, wenn man Türen nicht schnell genug hinter sich schloss.

So trägt Emma dazu bei hin und wieder in vergessene Tage der eigenen Vergangenheit einzutauchen.

Dein Ulrich

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