Hundetagebuch 44

Lieber Ulrich,

jetzt haben wir den Salat! In zehn Tagen sollte Mika sterilisiert werden und prompt zeigten sich am Wochenende erste Bluttröpfchen. Wir hatten uns schon gewundert, dass unser Mädchen sich in letzter Zeit vor einem bis dahin eher aggressiven Golden Retriever in unserer ländlichen Nachbarschaft geradezu anbiedernd auf den Boden legte, der seinerseits statt zu knurren und zu bellen liebevoll „schnäuzelte“. Also: Verschiebung der OP um drei Monate und die nächsten vier Wochen keine Spaziergänge im Rudel! Du ahnst natürlich, was das für die Terminplanung der Familie für Auswirkungen haben kann. Aber noch sind wir guter Dinge. Wie geschlechtsreif ist denn Frau Emma inzwischen?

Am letzten Samstag, gerade war der Kampf um die Meisterschaft entschieden, spielte der Nachbarsjunge als Ritter verkleidet mit sich selbst, bzw. einem imaginären Gegner Fußball. Das Visier seines silbrig glänzenden Helms war geschlossen, was ihn immer wieder zwang, den Kopfschutz zu lüften, um den Ball zu finden, den er in irgendeine Ecke des Gartens geschossen hatte. Dann stürzte er Kampfsprüche murmelnd mit seinem Schwert auf den Ball zu, versetzte ihm ein paar Hiebe und feuerte ihn in eines der beiden Tore.

Mika beobachtete das ganze durch Zaun und Hecke zuerst erstaunt, dann offensichtlich fassungslos. Schließlich rannte sie mit lautem Bellen den Zaun auf und ab und war nur mit Mühe von einem Sprung in den Nachbargarten abzuhalten. Natürlich habe auch ich mich gefragt, ob es sich um den Nachahmeffekt eines Computerspiels handelte, oder ob hier eine empfindsame kindliche Seele die tatsächliche Bedeutung so vieler Bundesligapartie und ihrer offenen und versteckten Unsportlichkeiten ausagierte. Vermutlich hat der Familienvater ein Premiere-Abo und sieht sich stundenlang an, was an Fußball national und international geboten wird.

Mit Mika und ihrem Hartgummiball zu spielen, stellt eine Dauerbedrohung für die Anpflanzungen in unserem Garten dar. Zwar ist sie bereit, einige Male den Ball zum Werfer zurück zu bringen, lässt ihn sich auch aus den Zähnen ziehen, aber dann verschwindet sie unter einem Strauch, einem Baum, einer Rose, um den Ball zu verbuddeln. Das hat die üblichen „Nein“- und „Aus“-Rufe zu Folge, die aber selbstverständlich folgenlos bleiben, vielmehr den auch von Dir erwähnten verständnislosen Hundeblick provozieren, der aus halb hohem Gras heraus geblinzelt, besonders wirkungsvoll ist. Kann man, soll man, darf man seinem Hund denn all seine natürlichen Instinkte auszutreiben versuchen? Ja!!

Ein fröhliches Wau. Mehr über unser „Konfrontationstraining“ für Hund und Katze im nächsten Hundebrief!

Herzlichst

Hansjürgen

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