HUNDEBRIEF 16.10.15

Lieber Hansjürgen,

mit großer Freude haben wir gelesen, dass Dina ( ich lasse Hekla mal weg, weil Ihr Euren Hund ja sicher nicht ‚Dina-Hekla!’ rufen werdet, das klänge dann doch etwas zu stark nach Prenzlauer Berg ( Nimm bitte Gerda-Louise nicht ihr Schippchen weg, Anton-Maximilian!)) dass Dina also in Euer Leben getreten ist und demnächst Euren Fußboden bewässern wird.

Nicht wirklich neidvoll erinnern wir uns, wie wir vergeblich versucht haben, bei Emma den Augenblick abzupassen, an dem sie sich – oder besser ihr kleiner überraschungsgeladener und noch willenloser Körper – sich zum ‚Pfützen’ entschloss. Neidvoll hingegen, dass ihr noch einmal das Heranwachsen eines Hundewesens erleben dürft.

Neues wird dabei auf Euch zukommen. Mika ist in der grünen Umgebung Klein-Machnows aufgewachsen, wo die wenigen einheimischen Spaziergänger ihr benutztes Papiertaschentuch meist zum heimischen Mülleimer trugen, Schokoriegelpapierreste, ausgespuckte Kaugummis und leergetrunkenen Getränkepappen nebst noch in ihnen steckenden Plastikhalmen selten herumlagen und Straßenraucher, wenn es sie überhaupt gab, ihre abgerauchten Filterkippen nicht auf dem Gehsteig entsorgten. Das ist nun anders. Dina wird in der Großstadt Charlottenburg aufwachsen und Ihr werdet verblüfft sein, wie dreckig unsere Stadt plötzlich erscheint, wenn das Auge nicht in der Waagerechten schweift sondern, wachsam auf den Boden gerichtet, den meandernden Wegen eines Hundewelpen folgt, der, daran erinnert Ihr euch natürlich noch, jedweden Gegenstand, der sich in Schnauzenreichweite befindet begierig zwischen die kleinen, spitzen Zähnchen nimmt.

Aber – unsere Hundebriefe aus vergangenen Tagen beweisen es – da muss man durch, und das schafft man. Dina wird vielleicht schneller lernen als andere Hunde, denn man sagt ihrer Rasse ja besondere Hundeintelligenz nach.
Herausforderungen könnten unsere künftigen Hundespaziergänge in sich bergen. Zu Recht machst Du dir Gedanken, wie Emma wohl auf Dina reagieren wird. Ich nehme an, wie ältere Damen, die sich gütig lächelnd einem Menschenbaby nähern und, wenn sie es zum Lachen ( häufig auch Weinen) gebracht haben, schnell das Interesse verlieren. Emma wird versuchen, mit Dina herumzuztollen und sehr schnell merken, dass der Altersunterschied und die damit verbundene Divergenz der Bewegungsmöglichkeiten wenig Interessantes bietet. Sie wird sich also, wie, siehe oben, eine ältere Dame verhalten. Sollte es zu wie auch immer gearteten Konflikten kommen, wird Emma sich zurückziehen, wie sie es bei allen Hunden tut, mit denen eine Begegnung Ärger verspricht.

Was tatsächlich geschieht, werden wir erleben, wobei sich der Radius unserer Spaziergänge vermutlich stark verkleinern wird, was angesichts der sich nähernden kalten Jahreszeit kein Nachteil sein muss. Das anfängliche Spaziergangsgebiet wird wohl der Charlottenburger Schlosspark sein, der Ort zur Kaffeepause in Anbetracht von Dinas welpenbedingter Undichtigkeit eher kein öffentlicher Ort.
Bei alledem freue ich mich und bin gespannt auf unser nächstes Treffen unter dem Motto ‚Alte Dame trifft Kleinkind’.

Herzlich
Ulrich

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