Hundebrief 28.04.2016

 

Lieber Hansjürgen,

es gibt Neues für Hunde und Hundebesitzer. Gutes und weniger Gutes. Fangen wir mit dem weniger Guten an. Bäume an den Grunewaldseen sind jetzt mit blauen Schildchen durchnummeriert. Polizei und Feuerwehr behaupten dies sei geschehen, um bei Notfalleinsätzen die Notfallstelle an den Seeufern genauer zu lokalisieren, was ja eine richtig gute Idee ist, wenn du im Notfallfall nicht ins Handy stammeln musst, ‚hier ruft jemand um Hilfe’ , ‚ja wo denn?’ – und dann siehst du dich um und sagst, ‚also da ist eine Buche oder vielleicht ist es auch eine Linde, und ein übervoller Mülleimer steht in der Nähe und eine hübsche blonde junge Frau im grünen Bikini liegt auf einer Isomatte’ sondern du kannst sagen ‚gleich neben Baum 13 ist es’. Das ist präzise und dann kann schnell Hilfe kommen.

Nun hört man aber von einem Mitarbeiter des zuständigen Bezirksamtes, dass die Bäume überhaupt nicht für Notfälle nummeriert worden sind sondern um straffällige Hundebesitzer dingfest zu machen, die gegen das Betretungsverbot der Uferwege verstoßen. Da soll es dem hilfspolizeilich veranlagten Mitbürger möglich sein von seinem Sonnenliegeplatz aus mit dem Handy anzeigend tätig zu werden. Ich habe mir das mal durch den Kopf gehen lassen beim letzten Gassigang mit Emma und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass eine solche Direktanzeige per Handy ungefähr so aussehen müsste: ‚Hallo, hallo, Herr Wachtmeister, hier ist ein schwarzbrauner Mischlingshund (Emma) gerade bei Baum 17. Moment, nein, geht weiter, jetzt 18. Bleibt stehen, bitte kommen Sie schnell, geht jetzt weiter zu 19, verdammt, jetzt 20. Hallo, wo bleiben Sie denn?! Jetzt ist der Hund mit Begleitung bei 21 den Hügel hochgegangen – jetzt sind sie weg.’

Du bist vielleicht meiner Meinung, dass dieses System noch nicht ausgereift ist.

Wo ich nun bei unausgereiften Systemen bin: Elektromobilität. Die Kanzlerin hat dem Finanzminister eine Leidensprämie für Käufer von Elektroautos aus der Schwarze-Null-Hüfte geleiert. Nun sollen nicht nur technikaffine Autokäufer, deren Aktionsradius bis zum nächsten Tankstopp nicht mehr als 140 Kilometer beträgt, sondern breite Bevölkerungsgruppen so ein Gefährt erwerben.

In diesem Zusammenhang – also der massenhaften Elektroautomobilität – ist jemandem aufgefallen, dass diese Fahrzeuge ja ständig aufgeladen werden müssen, und dass es da doch erheblich an Straßensteckdosen mangelt. Dem muss also abgeholfen werden. Vor meinem Wohnhaus beispielsweise gibt es zehn Parkmöglichkeiten. Also müssen da zehn Elektrosäulen hin, wenn die Kanzlerin ihr Ziel erreichen will, die Nation zu elektromobilisieren. In der ganzen Straße müssten es ein paar Hundert sein, in der ganzen Stadt… Und da bin ich nun wieder bei unseren Hunden: Was für fantastische neue Möglichkeiten gegenüber den paar Laternenpfählen, die sich unsere Lieblinge mit ihren Artgenossen teilen müssen.

Das ist das Positive, was ich eingangs angekündigt habe. Allerdings geht der Freude wir so häufig Lästiges voran: Es wird viel gebuddelt werden müssen. Leitungen für Elektroautos liegen ja nicht einfach so rum. Es wird viele Baugruben geben, in die unsere Lieblinge hineinfallen können. Also: Leinen raus, wenn es soweit ist. Das wird aber dauern. Und in diesem Zusammenhang nun wieder fällt einem natürlich – ja, auch das muss mal in einem Hundebrief behandelt werden – der BER ein.

Ich weiß nicht, ob Dir bekannt ist, ob es in Deinem Haus einen Keller gibt. Wenn Du es nicht weißt, schau einfach mal nach. Das haben die Verantwortlichen des BER auch vor kurzem getan und dabei haben sie festgestellt, dass sich unter ihrem Flughafen nicht nur ein Keller sondern ein ganzer Bahnhof befindet. Erst haben sie sich gefreut und gesagt, toll, so ein Bahnhof in der Nähe ist praktisch fürs Erreichen des Flughafens, aber dann haben sie ganz lange Gesichter gemacht, weil die humorlosen Leute vom Bauamt Dahme – Spree gefragt haben, wie es denn in dem neuentdeckten Keller mit der Entrauchung steht. Ich weiß nicht, wie es da nun weitergeht. Ob der BER erst im nächsten Jahrhundert eröffnet wird oder möglicherweise sogar nie.

Bis dahin macht die Fliegerei aber vermutlich noch weniger Spaß als jetzt schon und wir fahren, Emma und Dina auf dem Rücksitz, mit unserem Elektromobil nach Werder zur Obstbaumblüte zum Beispiel, weil man von Werder mit einer Batterieladung locker hin und zurück nach Berlin kommt.

Dein Ulrich

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