PETRA

Auch wenn bei der Morgentoilette das Radio nur nebenher läuft, lohnt es sich, mitunter genauer hinzuhören. Deutschlandradio war eingeschaltet, und da erzählte eine warme, männliche Stimme im Auftrag der Evangelischen Kirche Besinnliches über Tod und Auferstehung, von einem Rollenspiel dazu, in dessen Verlauf vor der Himmelstür kein Petrus, sondern eine Rollenspielkollegin mit Namen Petra den Orator erwartete und ihn aufforderte, seinen Ehering abzulegen, was dieser verweigerte. Als er sich dann aber einer Operation unterziehen musste, wurde die Weigerung aus hygienischen Gründen nicht mehr akzeptiert: Der Ehering musste runter. Seine Überlegungen zu all dem schloss der Vortragende mit dem jenseitsbezogenen Gedanken, dass es auf den Ehering nicht mehr ankomme, wenn er dermaleinst nicht im Rollenspiel sondern tatsächlich vor Petrus – und hier rutsche dem Hörer beinahe die Rasierklinge aus – oder Petra träte.

Die Evangelische Kirche ist zwar in Vielem für ihr progressives Denken in Glaubensfragen richtungweisend, aber dieser Beitrag zu Genderdebatte darf überraschen.

Wir müssen uns die Torwacht vorm Paradies also in Zukunft gleichberechtigt vorstellen. Mal steht da Petrus, mal Petra.

Vielleicht ist es ja an der Zeit, weitere Bereiche des Neuen Testaments einer genderkritischen Überarbeitung zu unterziehen. Vielleicht, um die Gläubigen nicht zu überfordern, erst mal als Rollenspiel. Gleich kommt einem die ungläubige Thomasa in den Sinn und die verräterische Judy. Das Johanna-Evangelium mit den Apokalyptischen Reiterinnen, die Evangelistin Luca, und, etwas gewöhnungsbedürftig die Evangelistinnen Marca und Matthäa. Mal sehen, was den für den Hörfunk zuständigen evangelischen Stellen da noch einfällt. Interessant und irgendwie auch lustig wird es allemal.

Lustig ist in diesem Zusammenhang auch  ein Druckfehler auf Seite 7 der heutigen ‚Süddeutschen’. Im Artikel ‚Die Türkei in Frauenhand’ – gemeint ist die Präsidentenbewerberin Meral Aksener – steht zu lesen: ‚Erdogan fürchtet sich davor, gegen einen Frau zu kämpfen. Er hat ein großes Ego’.

Oder ist das gar kein Druckfehler sondern auch ein Beitrag zur Genderdebatte?

 

UdM

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