SIEBENTER TAG DER CORONAAUSGANGSSPERRE

Heute hatte ich zum ersten Mal Angst. Weniger vor Corona als vor Kanzleramtsminister Helge Braun. Die Älteren und Kranken werden ihre Kontakte deutlich länger reduzieren müssen, gab er in einem TAGESSPIEGEL-Interview zu Protokoll. Weiß der Mann, was er da tut? Er packt einer ganz erheblichen Bevölkerungsgruppe zur Angst vor dem Virus die Angst vor andauernder Isolation noch oben drauf

Denn was genau er meint, bleibt der Phantasie der Älteren und Kranken überlassen.

Es gibt in der Bundesrepublik achtzehn Millionen Menschen über fünfundsechzig, in Berlin allein etwa siebenhunderttausend, also gut ein Fünftel der Gesamtbevölkerung.

Ich gehöre dazu. Was erwartet mich also, wenn alle unter fünfundsechzig wieder ins Restaurant dürfen, auf der Caféterrasse sitzen, ins Warenhaus gehen, sich mit ihren Freundinnen und Freunden im Park treffen, in Urlaub fahren, um nur einiges zu nennen? Muss ich, müssen meine Altersgenossinnen- und genossen zu Hause bleiben?
Wenn das beabsichtigt ist, müssten die Alten dann nicht als solche gekennzeichnet werden, um Zuwiderhandlungen feststellen und ahnden zu können? Müsste man ihnen eine Chip einpflanzen, wie Haustieren? Da das, wie man jetzt bei dem Mangel an Coronatests sieht, eher Jahre dauern würde, wäre es dann einfacher die Älteren zum Tragen eines Aufnähers zu verpflichten, giftiggrüne Leuchtfarbe mit der Aufschrift ALT in Fraktur? Klingelt da was?

Wenn wir schon dabei sind: Dürften Alte nur noch in bestimmten Läden einkaufen, in denen es keinen Kontakt zur jüngeren Bevölkerung gibt? Dürften die Alte nur noch bestimmte Straßen benutzen? Würden die Alten aus dem Berufsleben entfernt, wenn die Gefahr des Kontakts mit Jüngeren besteht?

In meinem Kiez gibt es eine ganze Reihe von kleineren Läden, die von sogenannten Solo-Selbständigen betrieben werden, die zum Teil weit über fünfundsechzig sind. Mein Buchhändler zum Beispiel. Würden sie an ihren Schaufensterscheiben mit der Aufschrift KAUFT NICHT BEI ALTEN kenntlich gemacht?

Wird das Grundgesetz, das allen Bürgern gleiche Rechte garantiert, um den Artikel ‚Ausgenommen sind Alte, näheres regelt das Bundeskanzleramt’ erweitert?

Der Minister gibt als Voraussetzung für die Entlassung der Alten aus der Isolation das Vorhandensein eines Impfstoffs an: Wird für Alte eine allgemeine Impfpflicht eingeführt, die bisher in keinem Gesetz steht?

Der Kanzleramtsminister ist Arzt. Er hat über Herzrasen promiviert. Wenn er noch praktizierte, wäre ich heute sein Patient. Wünschenswert wäre, er würde keine schwammigen Drohungen aussprechen sondern besonders den Älteren, den ohnehin Einsamen, den Kranken, den Menschen mit Vorerkrankungen Mut machen.

UdM 29.03.20

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