MASKENPFLICHT

Man darf wieder zum Friseur! Ich begebe mich zwecks Termin zu dem meinen. Die Tür steht einladend offen, ich werde aber von einer Vermummten mit Maske, Muster Sechzigerjahre Kittelschürze, nur derberes  Material, mit entschiedener Geste am Betreten des Salons gehindert. Es löst sich von einer vor der Spiegelwand sitzenden, nasshaarigen, ebenfalls Vermummten ein Besatzungsmitglied von Star Treck 7 und stapft auf mich zu. Nein! Es ist Mario, Friseur, ich erkenne ihn an den tätowierten Händen. Er trägt zusätzlich zur Maske einen Plastikhelm aus dem schwer Verständliches hervordringt. Ich höre heraus, ob ich eine Maske hätte, bejahe und verhülle Mund und Nase. Marios Helm nickt, wankt zurück zur vermummten Kundin. Ich mache einen zweiten Versuch, den Salon zu betreten, werde von der Sechzigerjahre Kittelschürzenmaske erneut gehindert, obwohl ich meine, vernommen zu haben ‚Bitte defilieren’, was etwas seltsam, aber doch wie eine Aufforderung zum Verbeigehen klingt. Gemeint ist aber ‚Bitte desinfizieren’. Jetzt erkenne ich in dem, was ich für einen im Weg stehende Limonadenspender gehalten habe, eine Desinfektionsstation. Mit nunmehr feuchten und unangenehm riechenden Händen darf ich endlich zum Tresen und meine Bitte nach einem Termin vortragen. Eine über den Kalender gebeugte weitere Vermummte, Maske aus einem Stoff, der in einem früheren Leben ein T-Shirt mit dem Aufdruck ‚Hardrock Café’ gewesen sein mag, richtet sich auf und murmelt ‚Macht zehn Ei’. Ich blicke ratlos. Sie wiederholt mehrmals und nun verstehe ich ‚Achtzehnter Mai’. Das ist in zwei Wochen, und die Haare wachsen mir jetzt schon über den Kragen. Ich akzeptiere seufzend, verlasse an der Sechzigerjahre Kittelschürzenmaske vorbei den Salon und denke, kein Wunder, wenn mir ein paar aus der Isolation entlassene Kids hinterherrufen ‚Seht mal, Ötzi lebt!’ Aber Spaß muss sein und besser in Berlin Behaarter, als in Tübingen Bejahrter.

Übrigens muss in Mecklenburg-Vorpommern, wenn die Restaurants dort wieder öffnen, das Personal Maske tragen, die Gäste brauche es aber nicht. Das ist löblich und sollte Schule machen, denn wer zahlt schon gerne für ein Schnitzel, das er nur angucken darf. Jedenfalls ist MeckPomm damit vorgeprescht und man darf gespannt sein, wie Bayern jetzt kontert. Vielleicht mit einer Maske, die in Mundhöhe aufgeschnitten ist. Das würde dann in seiner Genialität zu Recht als Söder’scher Fressschlitz in die Coronaannalen eingehen.

UdM 06.05.20

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.