IN DER WANNE frei nach Loriot

Was machst du denn da?!

Ich ?

Ja, wer denn sonst.

Was mach’ ich denn?

Du fummelst. Du fummelst an meiner GroKo rum.

Mach ich nicht.

Machst du doch! Du grapschst nicht mehr, aber du fummelst immer noch.

Du bist beleidigt, weil du es nicht geworden bist.

Achgottchen, als ob ich das nötig hätte. Jetzt hör aber mal auf zu fummeln!

Ich fummle nicht.

Doch! Jetzt fummelst du ja auch noch an meiner Schwarzen Null!

Reg dich doch nicht so künstlich auf!

Ich rege mich nie auf. Das widerspricht meinem Temperament. Aber wenn du hier weiterfummelst –

Ohne ein bisschen fummeln geht es nun mal nicht. Fummel doch meinetwegen auch.

Woran?

Bitte?

Woran soll ich bitte fummeln?

Wie meinst du das?

Ich meine: Wo gibt’s bei euch was zu fummeln?

Na, erlaube mal!

Seit wann kann man an was fummeln, was nicht da ist.

Nämlich?

Eure Neue Zeit. Wo ist übrigens die Genossin?

Ist das dein Ernst?

Wieso?

Du bist mir ja ein ganz Schlimmer!

Doch nicht hier drin! Das ist eine unerhörte Unterstellung! Ich ziehe jetzt den Stöpsel.

Kannst du nicht.

Wieso?

Der Stöpsel ist auf meiner Seite. Und wann hier Stöpsel gezogen werden, das bestimmen wir.

Ist das eine Drohung?

Das wirst du dann ja sehen.

Das heißt, ihr wollt weiter an meiner GroKo und an meiner Schwarzen Null rumfummeln. Was machst du da? Steigst du etwa aus?

Erst mal nur aus der Wanne. Würdest du mir bitte mal das Handtuch reichen, Genossin!

(Weibliche Stimme aus dem OFF) Das habe ich nicht gehört!

 

UdM 10.12.19

AN DER KASSE BEI EDEKA

Eine von drei Kassen ist geöffnet. In der Schlange vorne steht ein alter Mann, der seinen Einkauf mit Karte zahlen und zusätzlich Bargeld mitnehmen möchte. Die Verkäufern – offensichtlich neu im Job – erklärt ihm, sein Einkauf sei nicht groß genug, um vom „Banking-Service“ Gebrauch zu machen. Der Mann holt noch eine Tüte Chips. Die Schlange murmelt ungeduldig.

Der Mann möchte 150€. So viel Bargeld sei nicht in der Kasse. Die Verkäuferin ruft den Chef. Die Warteschlange scharrt mit den Füßen. Der Chef kommt. Er bietet dem Kunden 50€ an. Die Verkäuferin muss den Vorgang stornieren und neu eingeben. Der Mann nimmt seine Einkäufe, die 50€ und geht. Die Schlange atmet auf.

Ein junger Mann legt eine Avocado, eine Packung Frischkäse und eine Miniflasche Eierlikör aufs Förderband. Er möchte jeden Artikel einzeln bezahlen – mit Karte! Die Verkäuferin sieht ihn fassungslos an. In der Schlange sehen sich die Wartenden ebenfalls an. Der Frischkäse wird gebongt, der Eierlikör wird gebongt, bei der Avocado funktioniert die Karte nicht. Auch beim dritten Versuch nicht. Der junge Mann schlägt vor, die Avocado zum Eierlikör hinzu zu addieren. Die Avocado kann nicht mehr dazu addiert werden. Alle warten. Die Verkäuferin, der junge Mann, die Schlange.

Der Mann kramt in seiner Tasche und legt schließlich 1 Euro und 95 Cent in bar auf den Tresen. Die Verkäuferin kassiert, der Mann nimmt Frischkäse, Eierlikör, Avocado und drei Belege. Er geht. Die Schlange murmelt und ruft:“Zweite Kasse, bitte!“

Jetzt steht ein mittelalter Mann, Typ Bauarbeiter, an der Kasse, der das Ganze mit geradezu stoischer Geduld beobachtet hat. Er legt eine Tüte mit zwei Brötchen aufs Band und sagt: „Ich möchte den Preis gerne dritteln. 1/3 mit Karte, 1/3 bar und das letzte Drittel zahle ich mit meinem Getränkebong!“

H.R.

LOST IN TRANSPORTATION 2

Die Lufthansa hat auf meine per Blog übermittelte Beschwerde reagiert. Mit verständnisvollen Worten und einer finanziellen Entschädigung:“Das geschilderte Verhalten vom Personal am Flughafen widerspricht nicht nur ihren berechtigten Erwartungen…Es entspricht auch nicht der fürsorglichen Haltung gegenüber unseren Gästen…“
Kurz und gut – Customer Relations sieht einen „Systemfehler“ für den sich der/die unterzeichnende MitarbeiterIn entschuldigt. Entschuldigung akzeptiert und um ein leicht beängstigendes Reiseerlebnis reicher.
H.R.

VORWEIHNACHTLICHES

Auf Weihnachtsmärkten wird nun wieder das aus weinfassähnlichen Hartplastikcontainern in klobige Pfandbecher gezapfte, nach Sprit und Nelkenaroma riechende Heißgetränk mit Namen Glühwein feilgeboten, mit dem sich Kenner relativ preisgünstig schnell und zuverlässig, musikalisch begleitet von O du fröhliche…die Kante geben können. Was vielleicht nicht jeder weiß: die Hersteller adeln ihre dunkelrote Brühe mit einer, es gibt sie wirklich, Glühweinkönigin. In diesem Jahr heißt sie Verena Müller. Frau Müller ist eine ehrliche Haut. Sie hat zu Protokoll gegeben, dass nach ein bis – Achtung ! – zwei Bechern bei ihr Schluss ist. Na, dann Prost.

Wer noch nach einem Geschenk für den Platz unter dem Weihnachtsbaum Ausschau hält, dem sei das Tagesspeigel-Advent-Gewinnspiel empfohlen, das einem Tagesspiegelmitarbeiter vielleicht nach dem Besuch eines Weihnachtsmarkts nach dem Genuss einiger Becher Glühweines eingefallen ist: Man kann eine Husqwarna-Kettensäge gewinnen. Sie ist mit ihrem unschlagbar geringen Gewicht von 2,9 Kilo übrigens  besonders für weibliche Hände geeignet. Ein Schelm, wem dabei Splattermovies einfallen.

UdM 03.12.19

LOST IN TRANSPORTATION

Zuerst die Kurzfassung: Gestern bin ich mit der Lufthansa von Berlin nach Frankfurt und wieder zurück geflogen.
Was wirklich geschah: Mit elektronischen Bordkarten ausgestattet, passierte ich in Berlin Tegel alle Lesegeräte und flog pünktlich um 8:45 mit LH 177 nach Frankfurt/Main. Nach einem privaten Termin war ich bereits um 16:00 wieder am Flughafen. Um 18:15 wollte ich mit LH 196 zurück nach Tegel fliegen.
Gemütlich passierte ich das Lesegerät am Terminal A, dann die Sicherheitskontrolle und widmete mich der Zeitungslektüre. Pünktlich zum Boarding um 17:45 erschien ich am Gate, wo das Lesegerät nach auflegen des Handys rot zeigte und sirenenartige Geräusche von sich gab.
Ich wurde zum Schalter gebeten, meine Bordkarte wurde überprüft.
Ich war für den Flug gestrichen worden! Von wem? Warum? Einzige Erklärung des Bodenpersonals: Ich sei am Morgen gar nicht nach Frankfurt geflogen. Ich wurde zum Servicecenter der Lufthansa geschickt. Meine Buchung wurde überprüft – meine Buchungsnummer, mein Buchungscode, meine Bordkarten.
Ergebnis: „Für uns sind Sie heute Morgen nicht nach Frankfurt geflogen, deshalb wurden Sie gestrichen!“ Die Tatsache, dass ich leibhaftig vor der Lufthansa Servicedame stand, meine Versicherung, dass ich tatsächlich geflogen sei, die Frage, wie ich denn ihrer Meinung nach hierher und durch alle Sicherheitskontrollen gekommen sei, lies sie kühl an sich abperlen.
„Für uns sind sie nicht geflogen oder als blinder Passagier, den wir dem Luftfahrtbundesamt melden müssen!“ Dass ich mit meiner Bordkarte in einem ausgebuchten Flugzeug auf dem zugewiesenen Platz gesessen hatte, beeindruckte sie – weil nicht „objektiv“ überprüfbar – absolut nicht. „Eine Bordkarte bedeutet für uns nicht, dass Sie auch geflogen sind.“ Schließlich verschwand sie in einem Büro, kehrte gefühlte 30 Minuten später zurück. Mein gebuchter und bestätigter Flug war inzwischen in der Luft.
Ich kochte innerlich, blieb äußerlich freundlich. Mein Rückflug hing vom Wohlwollen der Frau hinter dem Schalter ab: „Also Sie sind nicht von Berlin nach Frankfurt geflogen! Deshalb wurden Sie automatisch gestrichen! Wir buchen Sie ausnahmsweise auf die nächste Maschine! Das müssen wir allerdings melden!!“
Nachdem ich die neue Bordkarte (Papier!) in der Hand hielt, kündigte ich an, dass ich mich auf jeden Fall beschweren wolle. „Können Sie gerne machen!“ Sie drückte mir eine Kärtchen mit der Mailadresse des LH-Service in die Hand. Für sie stand fest: Der Computer irrt nicht, ich war verdächtig. Wenn sich hier jemand zu entschuldigen hatte, dann der lästige Kunde. Danke Lufthansa!
H.R.

KANZLER SÖDER

Als unsere Kinder noch kleiner waren, fragten sie vorm Fernseher, wenn im Hintergrund schneebedeckte Bergspitzen zu sehen waren und vorne Schauspieler agierten mitunter: Pappi, was sprechen die Menschen für eine Sprache? Die Antwort war, sie sprechen deutsch, bayrisches Deutsch. Ach so, sagten sie, dürfen wir umschalten? Nicht etwa, weil das Geschehen auf dem Bildschirm langweilig gewesen wäre, sondern schwer verständlich und fremdartig. Warum war das so, und ist es heute in vielen Familien noch immer?

Unsere Kinder haben in den Ferien nie ein bayrisches Kind kennengelernt. Schleswig-Holsteinische, mecklenburgische, nordrhein-westfälische, um nur einige Provinzen zu nennen, italienische, französische, dänische, mit denen Kinder, auch wenn sie deren Sprache nicht sprechen sich so wunderbar verständigen können, – nie aber baden-württembergische und bayrische.

Und das liegt natürlich an der deutschen Ferienordnung, die ein solches Kennenlernen unmöglich macht. Einmal haben wir es mit einem Ferienaufenthalt im Allgäu versucht, um der Fremdheit abzuhelfen. Aber das war nicht zu Ende gedacht, denn die dortigen Kinder gingen ja zur Schule und nachmittags mussten sie Hausaufgaben machen, um später den besonderen Qualitäten des bayrischen Abiturs zu genügen.

Nun hatte jemand die Faxen dicke mit den süddeutschen Extrawürsten, verlangte, dass auch die Südländer an der Rotation der Großen Ferien teilnehmen, und was macht Markus Söder? Er lehnt ab. Dem Mann, der die Zeichen der Zeit erkannt hat, der Bienen streichelt und Bäume umarmt, der seit seinem Erweckungserlebnis zum großen Versöhner stets wie ein guter Vater milde lächelt, wenn er auf eine zukünftige Kanzlerschaft angesprochen wird, entgeht das Potenzial der Ferienrotation. Die großartige Möglichkeit endlich Bayrische Kinder mit denen von Restdeutschland zusammenzubringen, ihnen die Fremdheit vor bayrischem Idiom und vor bayrischer Lebensart zu nehmen. Er sieht nicht, dass es um ein gesamtdeutscher Kanzler zu werden nicht ausreicht, mit einer regionalen Nischenpartei gute Ergebnisse zu erzielen, sondern dass es der gesamtdeutschen Sympathie der Menschen bedarf. Die aber ist nur zu erlangen, wenn bayrische und alle anderen deutschen Kinder gemeinsam im Meer schwimmen oder auf Bergspitzen gemeinsam die harten Eier der Mittagsjause nach dem Gipfelsturm verzehren, um sich, erwachsen geworden, am Wahltag daran zu erinnern, dass Bayern sympathische Deutsche sind.

Für Menschen, denen ein Kanzler Söder keine Herzensangelegenheit ist, hat die Sache natürlich auch ihr Gutes.

 

UdM

DER HERR DER FLIEGEN

Gestern haben an die 40.000 Landwirte mit mehr als 8.000 Traktoren in Berlin gegen die Agrar- und Umweltpolitik der Bundesregierung protestiert. Das führte zu einem Verkehrschaos. So wie bei anderen Demonstrationen – oder bei Staatsbesuchen.
Besonders gestört von den für ihre Position eintretenden Bauern, fühlte sich der Chefredakteur des Berliner „Tagesspiegel“, Lorenz Maroldt. In seinem heutigen Checkpoint vergleicht er sie mit „einem Schwarm Schmeißfliegen“.
Wikipedia: Schmeißfliegen werden von verfallenden organischen Stoffen angelockt. Ihre Stoffwechselprodukt sind für den menschlichen Körper nicht gesund.
Toller Vergleich, Kollege!
H.R.

ALLES BIO ODER?

Dialog auf der Strasse:
„Ich kaufe inzwischen fast nur noch BIO und möglichst fair gehandelt.“
„Mache ich schon lange!“
„Am liebsten, wenn es gerade günstig oder im Angebot ist.“
„Na, klar. ALDI, LIDL, PENNY. Tolle Angebote und so billig!“
„Ja, den Bioladen hier, kannst de vergessen …“
H.R.

BUCHTIPP

Bald ist Weihnachten und es müssen Geschenke gesucht und gefunden werden. Dieses Geschenk hat 958 Seiten. Der New Yorker schrieb 2015 beim Erscheinen von „Ein wenig Leben“: „Yanagiharas Roman kann dich verrückt machen, verschlingen und von deinem Leben Besitz ergreifen.“ Auf Deutsch gibt es dieses großartige Buch seit September 2018. Es geht um Freundschaft, Leid, Liebe, Missbrauch und Kunst.
H.R.

NEUE STUDIE

Zurzeit herrschen zwar noch vergleichsweise milde Temperaturen. Dies könne sich aber bald ändern warnt eine Studie der Bertelsmannstiftung. In den Monaten Januar und Februar des kommenden Jahres sei mit erheblich niedrigeren Temperaturen zu rechnen.

UdM

09.10.19