WAS IST EINE MUTANTE ?

Frei nach Kurt Tucholsky Wo kommen die Löcher im Köse her.

Abendessen bei Meiers. Anwesend Vater Jochen, Mutter Mandy, Lea, fünf Jahre alt, Jochens und Mandys Tochter, Janett, Mandys Schwester, Großvater Bodo, alle aus einem Haushalt und Onkel Max, Jochens Bruder als coronazulässiges Mitglied eines weiteren Haushalts. Alf, kein Rassehund liegt in der Ecke, hört mal zu, mal nicht.

Im Hintergrund läuft der Fernseher ohne Ton.

Max: Die Infektionszahlen gehen runter.

Jochen: Aber jetzt haben wir die Mutante

Bodo: Die Chinesen sind Schuld.

Mandy: Jetzt hör’ doch endlich mal auf mit den Chinesen, Opa.

Lea: Was ist eine Mutante?

Pause.

Max: Eine Mutante ist eine Veränderung, Leachen, eine Veränderung des Virus aber der Virus bleibt trotzdem Corona.

Mandy: Herrgott, Max, das soll eine Fünfjährige verstehen?!

Janett: Beim Edeka gibt’s Mangos im Sonderangebot.

Jochen: Hast du das verstanden, Spatz?

Lea: Nein.

Jochen: Sieh mal, Mama hat blonde Haare. Wenn sie sich nun die Haare rot färben lässt, dann ist sie verändert aber immer noch Mama.

Mandy: Wie kommst du darauf, dass ich mir die Haare rot färben lasse!?

Bodo: Die Chinesen sind schuld.

Jochen: Leicht gereizt. Das war ein Beispiel, Mandy. Warum siehst du mich so an?

Janett mit Betonung: Weil die Alleinerziehende aus dem Dritte rote Haare hat.

Max grinst.

Jochen: Das ist doch lächerlich. Ich kenn die Frau überhaupt nicht.

Janett: Gestern hast du mit ihr im Hausflur geredet.

Jochen: Ich habe nicht mit ihr geredet, ich habe ihr die Tür aufgehalten, damit sie leichter mit dem Kindewagen ins Haus kommt.

Mandy: Jedenfalls hat sie rote Haare, das wirst du ja wohl nicht abstreiten, und jetzt soll ich mir auch die Haare rot färben.

Jochen: Das habe ich doch überhaupt nicht gesagt, ich habe gesagt – das ist mir zu blöd.

Max: Ehrlich, Mandy, er hat es nur als Beispiel gesagt, damit Lea versteht, was eine Mutante ist.

Jochen: Außerdem haben die Friseure zu!!

Bodo: Die Chinesen lügen. Lügen schon immer, diese Kommunisten.

Lea: Gibt es auch einen Muonkel?

Allgemeine Heiterkeit, besonders Jochen lacht sehr laut.

Max: Nein, Leachen, der Virus hat nur Mutanten.

Lea: Wo kommt der Virus her?

Bodo: Aus China. Typisch.

Mandy: Warum hast du eben so laut gelacht, Jochen?

Jochen: Was habe ich? – Entschuldige, Lea hat was Komisches gesagt, Muonkel, und da musste ich herzlich lachen.

Janett: So komisch war es ja nun auch wieder nicht. Du warst froh, über die Ablenkung von den roten Haaren.

Jochen: Wir reden hier über eine ernste Sache, über Corona und Mutanten, und du, Janett, also – was hast du eigentlich gegen mich?

Bodo: Wenn es Mangos im Sonderangebot gibt, warum kaufen wir dann keine? Ich esse alles gerne, wenn es nicht aus China ist.

Lea: Hat die Mutante immer rote Haare?

Mandy: Wenn sie im dritten Stock wohnt, ja.

Max: Also, ehrlich, Mandy, jetzt erzähl dem Kind doch nicht einen solchen Blödsinn.

Jochen ist zum Fernseher gegangen, hat den Ton etwas lauter gestellt.

Jochen: Habt ihr das mit bekommen, Leute?! IOC-Präsident Bach hat verkündet, die Olympischen Spiele finden in jedem Fall statt!

Mandy, sarkastisch: Dann ist ja alles in Ordnung.

Lea: Können wir so eine Mutante mal zu uns einladen?

Max: Mutanten sind sehr gefährlich, Leachen.

Janett: Besonders rothaarige.

Jochen: Jetzt reicht’s! Zu Lea. Gleich acht! Zeit fürs Bett, Spatz, komm, ich les dir noch was vor.

Bodo: Die Chinesen sind schuld.

Alf gähnt.

KANN DAS WEG ?

In der Zeitung lese ich heute Morgen, dass der WDR seine Literatursendungen einstellt. Am Nachmittag lese ich im empfehlenswerten Buch Der Mann im roten Rock von Julian Barnes: ‚Bei seiner Ankunft in Amerika ließ Oscar Wilde die Einheimischen wissen: ‚;Ich bin hier um Schönheit zu verbreiten.’’ Der Künstler als Aerosol gewissermaßen.’

Im Zeitalter von Mund- Nasebedeckungen hat der WDR also entschieden, sich mit einer FFP-2-Maske gegen das gefährlicher Aerosol Literatur zu schützen.

UdM  26.01.2021

HOME SWEET HOME

Früher hieß es Heimarbeit, heute heißt es home-office. Früher gab es Fernunterricht, heute gibt es home-schooling. Vermutlich heißt es home-schooling, weil es jetzt home-office heißt. Klingt auch viel weniger anstrengend.

Der Bundesarbeitsminister möchte, dass möglichst alle berufstätigen Deutschen zu Hause arbeiten. Für Mitarbeiter der Müllabfuhr wird das kompliziert. Auch andere Berufssparten kämen nicht damit klar. Nicht ganz so einfach, wie sich der Minister das vorzustellen scheint, ist die Kombination von home-office mit home-schooling. Hat er darüber z.B. mit der Bundesbildungsministerin und den KultusministerInnen gesprochen?

Sollte der Minister eine berufstätige Ehefrau und schulpflichtige Kinder, z.B. im Alter von 7 und 11 haben, würde ich gerne wissen, wie er den Familienalltag organisiert. Wahrscheinlich hat er eine große Wohnung und Personal.

Ich bin gerade alleinerziehender Großvater mit einem schulpflichtigen Enkel. Zwischen der Vor- und Nachbereitung von drei täglichen Videocalls, den Hausaufgaben und der Vorbereitung des nächsten home-schooling Tages bleibt nicht wirklich viel Zeit für so nebensächliche Dinge wie Kochen, Essen, „home-cleaning“, „dog-walking“ und „play-time“.

Aber alles machbar, Herr Nachbar!

H.R.

KARRIERE

Auch Wörter können Karriere machen, zum Beispiel das Wort „resilient“. In der Statistik des deutschen Wortschatzes, die einen Überblick von 1600 bis heute bietet, läßt sich an Hand einer Wortverlaufskurve die Häufigkeit des Gebrauchs nachvollziehen. Bei „resilient“ ist erst ab dem Jahr 2000 eine statistisch relevante Verwendung nachgewiesen, die jedoch von da an geradezu exponentiell zunimmt. Die Tatsache, dass das Autokorrekturprogramm „resilient“ durch „resistent“ zu ersetzen versucht und „Resilienz“ durch „Renitenz“, spricht dafür, dass der Begriff in der Alltagssprache noch nicht ganz angekommen ist.

In der Psychologie bedeutet „resilient“ die Fähigkeit, „Belastungen und negativen Einflüssen zu widerstehen und sich von Ereignissen wie schweren Erkrankungen, Katastrophen, Schicksalsschlägen wieder zu erholen.“ Eine „resiliente“ Stadt kennt zum Beispiel ihre Schwachstellen und unternimmt alles, um sich vor Katastrophen und schleichenden Veränderungen zu schützen.

Ob der Berliner Mietendeckel ein Zeichen der Resilienz des Senats ist, darüber gehen die Meinungen auseinander.

H.R.

TSCHÜSS, MR. PRESIDENT

Es ist vorbei. Wir können uns den wirklich wichtigen Fragen zuwenden. Davon gibt es im Verhältnis zu den USA genug. Aber diese unwürdige Präsidentschaft und die Lügenkampagne gegen den Ausgang der Wahlen, haben uns auf gravierende Fehler im demokratischen System der Vereinigten Staaten aufmerksam gemacht. Im Grunde wußten wir auch vorher schon, dass das mit den fairen und gerechten Wahlen, mit „one man one vote“ nicht der Realität entsprach. Diese letzte Wahl hat nur besonders klar gemacht, wie überholt das US-System ist und wie anfällig für Manipulationen unterschiedlicher Art.

Das beginnt beim Zuschnitt der Wahlbezirke, die von der im jeweiligen Bundesstaat herrschenden Partei zum eigenen Vorteil neu bestimmt werden können. Das setzt sich bei der geographischen Verteilung von Wahllokalen fort. Dass an einem Arbeitstag gewählt wird und Briefwahlen umstritten sind, kommt hinzu. Schließlich, dass nicht wer die meisten Stimmen gewonnen hat als gewählt gilt, sondern wer die meisten Wahlmänner und -frauen je nach Wahlrecht des einzelnen Bundesstaat zuerkannt bekommt.

Ob es im Kongress nach dem letzten Debakel Mehrheiten geben würde, um das gemeinsam mit den Bundesstaaten zu ändern? Kaum. Ob es bei den nächsten Wahlen in zwei Jahren besser läuft? Eher nicht. Ob wir in „Good Old Germany“ auf unser Wahlrecht stolz sein können? Schon. Obwohl: Dass Gerangel um eine Verkleinerung des – wegen der Überhangmandate ständig größer gewordenen – Bundestages zeigt, frei von Fehlern ist unser System auch nicht. Wer die Macht hat, möchte sie eben behalten.

H.R.

WAU

Emsdetten liegt südlich von Karlsburg, westlich von  Saerbeck und östlich von Steinfurt, alles Orte, die einem, ist man nicht selbst Emsdettener auf Anhieb wenig sagen. Allerdings liegt Emsdetten nur wenige Kilometer vom Münster Osnabrück International Airport entfernt. Und selbst dies würde einen vielleicht mit den Schultern zucken lassen, wüsste man nicht, dass in Emsdetten, anders als die Menschenfriseure in ganz Deutschland, auf Grund eines Verwaltungsgerichtsurteils Hundefriseure ihrem Beruf nachgehen dürfen. Mein Flugticket liegt bereit und ich belle schon ganz ordentlich.

UdM 18.01.2021

3 x CDU

So richtig spannend war der Wettbewerb um die Nachfolge von AKK nun wirklich nicht. Eigentlich fragte man sich nur, wann es endlich vorbei ist.

Aber jetzt, kurz vor Schluß, nimmt die Sache noch einmal Fahrt auf. Norbert Röttgen, der Kandidat der aus dem Nirgendwo kam, hat sich mit der FDP angelegt. Mit ihr könne die CDU nach der Bundestagswahl nicht koalieren: „Unsichere Kantonisten“, denen ein „historisches Versagen“ vorzuwerfen sei, weil sie sich einem Neuanfang mit den Grünen verweigert hätten.

Die FDP ist wütend. Röttgen agiere „taktisch unglaublich dumm“, sei für die „Habeckisierung“ der CDU und habe am Samstag schlechte Karten. Die Wut ist verräterisch, denn ohne die Option auf Jamaika oder noch besser, eine schwarz-gelbe Koalition, hat auch die FDP schlechte Karten.

Friedrich Merz wiederum hat Ärger mit der Nachhaltigkeit. Die Investmentfirma Blackrock, deren deutscher Aufsichtsratschef er war, hat zwar Nachhaltigkeit und Klimaschutz zum neuen Ziel ihrer Geschäfte erklärt, aber offenbar ist das Ziel noch in sehr weiter Ferne. Der Verweis des Kandidaten auf seine wertvollen Erfahrungen bei Blackrock, ist jetzt nicht mehr ganz so hilfreich.

Und was ist mit Armin Laschet, dem netten Menschen aus Aachen, der vor langer Zeit einmal die Hausarbeiten seiner Studenten verräumt hatte und dann – freihändig und unbeeinflußt von jeglicher Leistung – Zensuren vergab? Der NRW-Ministerpräsident hat still und leise schon die CDU-Fraktionsvorsitzenden aus fünf Bundesländern hinter sich versammelt. Wenn er jetzt einfach nichts mehr tut, hat er schon gewonnen. Wetten?

H.R.

IMAGESCHÄDLING

Jetzt trifft es ihn da, wo es wehtut: Beim Geschäft. Die Professional Golf Association of America P.G.A., Ausrichter der wichtigsten und prestigeträchtigsten Golfturniere in der Vereinigten Staaten, hat den Vertrag mit der Firma des US-Präsidenten gekündigt. In Trumps „National Golf Club“ in Bedminster New Jersey, auf dem er viele Tage seiner Präsidentschaft verbrachte, wird 2022 keines der vier wichtigsten Turniere ausgetragen.

Der Eigentümer des Platzes beschädige das Image der P.G.A., lautet die Begründung. Vom Präsidenten zum Imageschaden – auch eine Karriere. Trump ist „incredibly disappointed“. Vermutlich waren es die Demokraten, die ihm das Turnier gestohlen haben. GOLF FRAUD!

H.R.

HUND IM LOCKDOWN

Unser Hund findet die Verlängerung des Lockdowns ganz in ihrem Sinne. Es ist jetzt immer jemand zu Hause. Sie kommt viel an die frische Luft. Die Futterversorgung ist gesichert.

In Paris sollen Hundebesitzer ihr Tier an Bekannte ausleihen, damit diese einen guten Grund haben das Haus zu verlassen. Dina hätte nichts gegen eine solche Gefälligkeit, solange sie bestimmen kann, welche Leckerlis es unterwegs gibt.

H.R.

ACH SO

Dieser fanatische Mop!

Unglaublich.

Vor dem Allerheiligsten sozusagen.

Seh ich genauso.

Dieser Sturm auf die Treppen!

Empörend!

Wo war die Polizei?

Ja. Wo war die Polizei?

Es waren einfach zu wenige.

Genau. Absolut unterbesetzt.

Nicht vorbereitet.

Obwohl man damit rechnen musste.

Vordringen bis ins Innere des Gebäudes!

Belästigen und bedrohen von gewählten Volksvertretern!

Ein Angriff ins Herz der Demokratie!

Eindeutig.

Wie war so etwas möglich?

Das muss man sich ernsthaft fragen.

Und dabei diese Fahnenschwingerei!

Abstoßend. Und brandgefährlich.

Trump, Trump, Trump!

Wieso Trump? – Achso! Das meinst du! Das natürlich auch.

Was meinst du denn?

Ich meine den Sturm von Schwarzweißrot schwingenden Neonazis und Konsorten auf die Treppen des Reichstags bei den Anticoronademos und die von der AfD in den Reichstag eingeschleusten Pöbler, die unsere Volksvertreter angegangen sind.

Achso –

UdM 07.01.2021