S-BAHNHOF HOHENZOLLERNDAMM BERLIN

Eine junge Frau mit Koffer tritt zu einem uniformierten Angestellten der S-Bahn.

Entschuldigen Sie bitte, ist das hier richtig zum Bahnhof Hohenzollerndamm?

– Ja und nein.

– Ja und nein? Wie meinen Sie das?

– Müssen Sie da hin?

– Wieso?

– Ungünstiger Bahnhof.

– In wiefern?

– Da hält nicht jeder Zug.

– OK. Welcher Zug hält denn?

– Kann man nicht vorhersagen.

– Man kann nicht vorhersagen, ob ein Zug an einer Station hält oder nicht?!

– So ist es. Kommt ganz drauf an.

– Worauf denn?

– Ob der Zug voll ist oder der Bahnhof Hohenzollerndamm. Dann hält der Zug da nicht. Und nun müssen Sie mich nicht so ansehen, als ob ich nicht alle Achsen am Waggon habe, das muss so sein, um den Fahrplan einzuhalten.

– Dann muss ich also bis zur nächsten Station fahren, wo der Zug hält und dann eine Station nach Hohenzollerndamm zurück.

– Können Sie versuchen.

– Wieso versuchen?

– Na, kann sein, dass der Gegenzug auch nicht Hohenzollerndamm hält. Außerdem ist das riskant.

– Wieso riskant?

– Weil Sie mit ihrem Fahrschein nur in eine Richtung fahren dürfen. Zurück ist nicht erlaubt. Wenn Sie erwischt werden: Erhöhtes Beförderungsgeld.

– Das heißt, obwohl ich nichts dafür kann, dass der Zug an der Station, an der ich aussteigen möchte, nicht hält, muss ich mir einen neunen Fahrschein kaufen.

– So sieht’s aus.

– Es könnte also sein, dass ich ein paar Mal hin und her fahren muss, bis zufällig mal ein Zug am Bahnhof Hohenzollerndamm hält und jedes Mal ist ein neuer Fahrschein fällig.

– Nein! Wir sind ja keine Unmenschen! Sie können mit jedem ihrer Fahrscheine zwei Stunden lang in die erlaubte Richtung fahren. Und in den zwei Stunden hält der Zug  bestimmt auch mal Hohenzollerndamm. – Muss es denn unbedingt Hohenzollerndamm sein?

– Mein Freund wohnt da.

– Schon mal an Umzug gedacht?

 

UdM

BEOBACHTUNG

Zwei Touristen (älteres Semester) stehen auf dem Alexanderplatz.

Tourist 1: „S-Bahn, U-Bahn, Strassenbahn. Das ist Metropole!“

Tourist 2: „Und ein Bus!!“

H.R.

LEICHT VERZÖGERT

LEICHT VERZÖGERT

Selten ist eine Mitteilung der Tagesschau-App von meinem Handy so schnell wieder verschwunden wie diese. Morgens vor acht Uhr war sie noch da. Als ich sie mir gegen zehn nochmal ansehen wollte, um beim Schreiben dieser Zeilen keine Fehler zu machen war sie schon verschwunden.

Vielleicht ist einem Anstaltsverantwortlichen, als auch er die App beim Morgenkaffee las, das Schokocroissant im Hals stecken geblieben, als ihm die Tragweite der Meldung klar wurde, und er hat ihre sofortige Löschung erwirkt, ehe es zu sehr wahrscheinlichen Tumulten unter den Gebührenzahlern kommt.

Die kommen aber vielleicht trotzdem. Denn die Sache ist nicht unter den Teppich zu kehren, genauer, aus dem Äther zu entfernen: Die Zeitverzögerung.

Was beispielsweise bei der Wetterkarte hinnehmbar ist, wenn manche TV-Zuschauer statt eines belastbaren Wetterberichts ein spektakuläres Bild eines Nordlichts über Kiruna 8 bis 60 Sekunden später bewundern dürfen als andere, ist beim Fußball ein ausgesprochener Skandal.

Wenn, wieder beispielsweise, in einer großstädtischen Laubenkolonie die um einen mit ‚Schüssel’ verbundenen Fernseher versammelten Fans ‚Tor!!!’ jubeln, während die in der angrenzenden Häuserzeile auf dem Balkon Sitzenden Bild und Ton mit ihrem Internetanschluss erst 8 bis 60 Sekunden später empfangen und sie deshalb das nächste Sixpack stumm anbrechen müssen, weil verzögert jubeln schlicht albern ist, dann wird das im günstigen Fall die noch immer ungelöste Frage der Zwangsgebühren hochkochen lassen, im ungünstigen zu aus dem Fenster geworfenen TV-Geräten führen, im nicht zu hoffenden zu kriegerischen Auseinandersetzungen, im beschrieben Fall zwischen Lauben- und Häuserzeilenbewohnern.

In der hastig gelöschten Tagesschau-App war gut verständlich dargestellt, wie es zu den möglicherweise Volksaufstände provozierenden Verzögerungen kommt. Es muss nun also aus der nie ganz verlässlichen Erinnerung referiert werden.

Das Ganze hat viel mit Physik zu tun und den von ihr beeinflussten Übertragungswegen kabellos oder verkabelt. Irgendwie aber auch mit den verantwortlichen Politikern. Die SZ von heute schreibt ihnen ins Stammbuch‚ dass sie sich ‚vom mehrheitlich im Staatsbesitzt befindlichen Ex-Monopolisten Telekom den zukunftsträchtigen Glasfaserausbau (haben) ausreden lassen.’ Soll etwa bedeuten, das Tor!!! muss sich bei manchen verzögert durch Kupferkabel quälen, während es bei anderen hurtiger vom Himmel kommt, wo es doch auch die Verkabelten in Lichtgeschwindigkeit durchs Glasfaser erreichen könnte.

Die verantwortlichen Ressortchefs: ehemals der Mautminister Dobrindt, nun der Autoherstellerschutzengel Scheuer.

Man darf hoffen, dass beide beim WM-Gucken unter Gleichgesinnten in einem von jeder anderen menschlichen Ansiedlung weit entfernten Ort mit Schüssel-Fernseher deutsche Tore bejubeln dürfen. Wie wär’s mit der Zugspitze?

 

UdM

LUFTNUMMER

Ein Eurofighter kann gut 6000 Liter Kerosin tanken. Beim Tornado dürfte es ähnlich sein, obwohl sich Wikipedia beim Aufzählen verschiedener Zusatztanks da etwas schwer tut. Von beiden Kampfflugzeugen fehlen Angaben zum Kerosinverbrauch. Vermutlich, weil er von der Geschwindigkeit abhängt, mit der die Piloten über den Himmel fegen. Langsamer als 240 km/h geht nicht. Zumindest beim Eurofighter. Sonst fällt er runter. Mit also mindestens dieser Geschwindigkeit sind unlängst vier Eurofighter und zwei Tornados recht tief über die Gärten von Spandaus Süden gejettet. Das dürfte sich ungefähr so angefühlt haben, als würde unvermutet ein ICE mit Reisegeschwindigkeit am Gartentor vorbeidonnern. Die Anwohner reagierten also ein wenig erschrocken, Kinder rannten ins Haus, weiß der TAGESSPIEGEL von heute zu berichten weiß.

Die Menschen sind offenbar schreckhaft geworden, weil zu selten ‚Chefwechsel im Luftwaffenkommando’ stattfinden. Dies war nämlich der Anlass für die Luftnummer, wie auf Nachfrage von kundiger Stelle etwas schwammig verlautbart wurde. Gemeint ist wohl, dass die sechs Kampfjets zu Ehren eines scheidenden und eines neuen Kommandeurs in der Luft waren.

Es ist also eine der boshaften Falschmeldungen, wenn von interessierten Nörglern behauptet wird, die Kampfjets der Luftwaffe seien nur sehr bedingt einsatzbereit.

Ein kleiner Kommandowechsel irgendwo in der Nähe von Spandau genügt um zu beweisen: Die Dinger fliegen doch.

Was die Kerosinkosten für diese Ehrenbezeugung angeht, wollen wir nicht kleinlich sein. Da gibt es im Wehretat sicher einen Posten für Ehrenkerosin.

Zum Schluss noch eine Botschaft an den MAD: Die Recherche des Autors zu den genannten Flugzeugen im Internet diente ausschließlich dem Schreiben der obigen Zeilen.

Also bitte aus der Spionageverdachtsliste streichen.

 

UdM

PETRA

Auch wenn bei der Morgentoilette das Radio nur nebenher läuft, lohnt es sich, mitunter genauer hinzuhören. Deutschlandradio war eingeschaltet, und da erzählte eine warme, männliche Stimme im Auftrag der Evangelischen Kirche Besinnliches über Tod und Auferstehung, von einem Rollenspiel dazu, in dessen Verlauf vor der Himmelstür kein Petrus, sondern eine Rollenspielkollegin mit Namen Petra den Orator erwartete und ihn aufforderte, seinen Ehering abzulegen, was dieser verweigerte. Als er sich dann aber einer Operation unterziehen musste, wurde die Weigerung aus hygienischen Gründen nicht mehr akzeptiert: Der Ehering musste runter. Seine Überlegungen zu all dem schloss der Vortragende mit dem jenseitsbezogenen Gedanken, dass es auf den Ehering nicht mehr ankomme, wenn er dermaleinst nicht im Rollenspiel sondern tatsächlich vor Petrus – und hier rutsche dem Hörer beinahe die Rasierklinge aus – oder Petra träte.

Die Evangelische Kirche ist zwar in Vielem für ihr progressives Denken in Glaubensfragen richtungweisend, aber dieser Beitrag zu Genderdebatte darf überraschen.

Wir müssen uns die Torwacht vorm Paradies also in Zukunft gleichberechtigt vorstellen. Mal steht da Petrus, mal Petra.

Vielleicht ist es ja an der Zeit, weitere Bereiche des Neuen Testaments einer genderkritischen Überarbeitung zu unterziehen. Vielleicht, um die Gläubigen nicht zu überfordern, erst mal als Rollenspiel. Gleich kommt einem die ungläubige Thomasa in den Sinn und die verräterische Judy. Das Johanna-Evangelium mit den Apokalyptischen Reiterinnen, die Evangelistin Luca, und, etwas gewöhnungsbedürftig die Evangelistinnen Marca und Matthäa. Mal sehen, was den für den Hörfunk zuständigen evangelischen Stellen da noch einfällt. Interessant und irgendwie auch lustig wird es allemal.

Lustig ist in diesem Zusammenhang auch  ein Druckfehler auf Seite 7 der heutigen ‚Süddeutschen’. Im Artikel ‚Die Türkei in Frauenhand’ – gemeint ist die Präsidentenbewerberin Meral Aksener – steht zu lesen: ‚Erdogan fürchtet sich davor, gegen einen Frau zu kämpfen. Er hat ein großes Ego’.

Oder ist das gar kein Druckfehler sondern auch ein Beitrag zur Genderdebatte?

 

UdM

HINTERLASSEN SIE DAS BITTE !

Durchblätterer die die ADAC – Zeitung eher als Werbeträger für Treppenlifte, Fluss- und Seekreuzfahrten sowie Vergleichstests von Autos und Zubehören empfinden, für die sie keinen Bedarf haben, stoßen zuweilen durchaus auf Lesenswertes.

So wird in der jüngsten Ausgabe auf ein neuartiges Modell der Marke Mercedes hingewiesen, das über eine sogenannte Sprachsteuerung verfügt. Anstatt wie in älteren Modellen zur Temperaturregelung mühsam an einem Knöpfchen zu drehen ruft der glückliche Besitzer etwa ‚Hey, Mercedes, mir ist warm!’, wird berichtet. Dabei kann sich auch der ältere Fahrer mit dem jugendliche ‚Hey’ durchaus ein paar Jahre jünger fühlen.

Wer diese Neuerung nun für albernen Schnickschnack hält, möge bedenken, dass der Sache sehr Ernstes innewohnt, nämlich die Markenbindung. Der Käufer eines Neuwagens wird auf diese Weise vom Markenwechsel abgehalten. Ersteht er nämlich als Neuwagen beispielsweis einen BMW, so ist zu erwarten, dass das Fahrzeug auf den zur Gewohnheit gewordenen Ausruf ‚Hey, Mercedes, mir ist warm!’ selbststeuernd an den Straßenrand fährt und den Affront mit einem barschen ‚Aussteigen!’ ahndet.

In der Me-too-Debatte, kann die Sprachsteuerung allerdings segensreich wirken:

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ÜBERGRIFFE

In einem Artikel des „Spiegel“ beklagt eine Schauspielerin, dass ein Fernsehredakteur sie grundsätzlich mit „Na, Süße?“ begrüßt habe. Sie fand das anzüglich und herabwürdigend. Nun käme ich nicht auf die Idee, egal wen, mit „Na, Süße?“ zu begrüßen, schon weil ich so unseren Hund begrüße. Aber herabwürdigend? Ein Thema für ein Interview im „Spiegel“?

Eine Autorin berichtet, dass der selbe Redakteur ihr bei der Begrüßung eine Hand gab und die andere auf ihren Hintern gelegt habe. Das sei „schlimm“ gewesen.

Wenn es sich so zugetragen hat, war es ungehörig, übergriffig und noch dazu blöd vom Redakteur. Aber statt die Sache Jahre später dem „Spiegel“ zu berichten, hätte es ja auch klassische Möglichkeiten der Reaktion gegeben: „ Lassen Sie das bitte!“, „Pfoten weg!“ „Was bilden Sie sich ein?“

Und der Herr Redakteur hätte antworten können: „Entschuldigung, das war keine Absicht!“, „Da ist mir die Hand verrutscht!“, „Oh, pardon!“ Oder was der dummen Sprüche mehr wären.

Die Autorin sagt, es sei um die Verfilmung ihres Buches gegangen. Der Redakteur sagt, die sei schon längst beschlossen und finanziert gewesen. Jetzt steht Aussage gegen Aussage und die peinlich berührte Öffentlichkeit soll entscheiden.

HR

KORREKTUR

Ein Paar gibt vor einem Café am Savignyplatz eine Bestellung auf.

Sie:“A glass of white wine, please.“

Er: „Me, too!“

Er schaut seine Frau an, blickt sich um und ergänzt:

„Also, für mich auch ein Glas Weißwein, bitte!“

 

AFFENSELFIE ZUM ZWEITEN

AFFENSELFIE ZUM ZWEITEN

 

Kann ein Bulle den Bauern verklagen, ein Chihuahua sein Herrchen, wenn Bauer oder Herrchen mit den Fotos der Tiere Geld verdienen und ihnen dieses nicht zukommen lassen?

Diese Frage wirft die Süddeutsche Zeitung am 17. April anlässlich der nächsten Runde im Rechtsstreit der Tierschutzorganisation Peta mit dem Fotografen David Slater auf. Weiterlesen

MISSVERSTÄNDNISSE

Auf den ersten Blick haben der neue Gesundheitsminister Jens Spahn, die Stadt Trier, der Dresdner Schriftsteller Uwe Tellkamp und die Mecklenburgischen Seebäder nichts gemeinsam. Auf den zweiten Blick schon. Sowohl Jens Spahn, als auch Trier, Uwe Tellkamp und die Mecklenburgischen Seebäder sind missverstanden worden. Weiterlesen